Plastik-Langzeitfolgen

18. August 2015 11:33; Akt: 18.08.2015 11:33 Print

Weichmacher schaden auch noch Ihren Enkeln

Weichmacher machen Plastik formbar, schaden aber der Gesundheit. Weil sie zudem das Erbgut verändern, merken das auch noch spätere Generationen.

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Es ist nahezu unmöglich, Weichmacher komplett aus dem Leben zu streichen. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

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Die Spermienzahl bei jungen Männern sinkt in vielen industrialisierten Ländern – und damit auch die Fruchtbarkeit.
Im Verdacht stehen weitverbreitete Industriechemikalien. Nun deutet eine Studie mit Mäusen an, dass die Chemikalien sogar das Erbgut verändern können.

Sogenannte Weichmacher wie die Phthalate machen Plastik formbar. Sie werden zum Beispiel in Farben, Kleidung, Kosmetika oder Spielzeug verwendet, wie die Universitätsspitäler Genf (HUG) am Montag mitteilten. Bei Nagetieren wurde bereits nachgewiesen, dass Weichmacher durch ihre Hormon-ähnliche Wirkung die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Epigenetische Veränderungen

Ein Team der HUG und der Universitäten Genf und Lausanne hat Mäuseweibchen zweier genetisch unterschiedlicher Stämme während der Schwangerschaft mit Phthalaten gefüttert. Die Dosen lagen allerdings weit über den für Menschen akzeptablen Grenzwerten. Dann schauten sie sich die Spermienproduktion sowie das Erbgut der männlichen Nachkommen an.

Sie fanden tatsächlich Veränderungen; und zwar bei bestimmten Anhängseln am Erbgut, die die Aktivität von Genen steuern – sogenannte epigenetische Veränderungen. Das sei mit einer Reduktion der Fruchtbarkeit dieser Männchen einhergegangen, berichten die Forscher im Fachjournal «Plos One».

Umweltschäden vererbt

Dies ist bedeutsam, denn die epigenetischen Veränderungen können nicht nur die Entwicklung beeinflussen, sondern auch an die nächste Generation weiter vererbt werden, betonen die Forscher. Verändert worden waren Gene, die bei der Reifung und der Orientierung von Spermien eine Rolle spielen.

Allerdings galt dies nur für den einen Mäusestamm. Der andere blieb verschont. Noch höhere Dosen verursachen aber auch bei diesem Schäden, wie weitere Versuche andeuten. Laut den Autoren belegen die Resultate, dass Umwelteinflüsse in der Schwangerschaft die Fruchtbarkeit schädigen und das Erbgut als Ganzes beeinflussen können. Ausserdem seien nicht alle Individuen gleich empfindlich auf die gleich hohe Dosen von Umweltgiften.

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans Dieter am 18.08.2015 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Sache, aber leider...

    Ach was berichtet ihr überhaupt darüber... Es Interessiert doch niemanden. Das ist schon seit etlichen Jahren bekannt. Ebenso wie die Problematik mit den Nano-Teilen in der Kosmetik. Aber es ist eigentlich allen egal. Man findet es einen Moment lang schlimm aber man ändert ja doch nichts im Verhalten. Oder man leugnet es und erklärt alle zu Spinnern die hier eine Gefahr sehen. Wir haben ja Grenzwerte... bei der Flut an Weichmachern und Chemikalien fragt sich einfach wie sich das addiert mit der Zeit.

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  • DenktWeiter am 18.08.2015 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem

    Ist vielen Regierungen wohl egal. Die Welt ist überbevölkert und ein paar weniger wird wohl kaum ein Problem sein. In China sterben sehr viele an der Luftverschmutzung etc jedes Jahr. "Who cares?" Wird wohl erst ein Problem wenn 85% der Männer & Frauen unfruchtbar geworden sind. Irgendwer muss ja noch arbeiten gehen um die Eliten zu unterstützen.

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  • Bernhard Künzi am 18.08.2015 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Notwehr

    Die Welt ist je überbevölkert, da passt es doch, wenn etwas weniger Kinder gezeugt werden... Früher hatten wir die Pest und viele unheilbare Krankheiten, die für eine Reduktion der Weltbevölkerung gesorgt haben. Die Welt findet nun halt andere Wege um sich vom grössten Monster zu schützen: dem Menschen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial Kohler am 19.08.2015 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Normaler Zyklus !

    Ein Ventil für die Regulierung der Überbevölkerung hats schon immer gegeben: Naturkatastrophen, wie Brände, Erdbeben, Hurricans, technische Unfälle, wie AKW's. Bei bald 5 Milliarden Menschen, absolut notwendig. Ich habe keine Probleme damit !

  • Franziska Vetter am 19.08.2015 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Hans was Heiri

    In vielen billigen Kunststoff-Kinderspelsachen aus Fernost ist noch ganz anderes drin als Weichmacher. Immer wieder entdeckt man bei Kontrollen in solchem Kunststoff-Spielzeug giftige, Metallsalzhaltige Farben. Diese sind direkt giftig, und schädigen nicht erst den Nachwuchs....

  • Bewusster leben am 18.08.2015 20:20 Report Diesen Beitrag melden

    Film Plastic Planet schauen, beantwortet

    ich habe seit einigen Monaten nur noch Glasflaschen. Ich reduziere laufend den Verbrauch von Plastik (dort wo es geht). Ich habe den Dok Film von Werner Boote "Plastic Planet", von 2009 gesehen.

  • Nur ich am 18.08.2015 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Wiederholung

    Die Römer hatten ihre Blei Rohre mit denen sie sich vergiftet haben und wir unser Plastik. In absehbarer Zukunft werden die Menschen darüber genau so den Kopf schütteln, wie wir über die alten Römer.

  • suzie am 18.08.2015 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Überhöhte Dosis'

    an Mäusen getestete Dosen, die weit über dem für Menschen akzeptable Grenzwerte liegen. Dh das ist als ob man einem Menschen 3kg Heroin spritzt und sich dann sagt, es ist bewiesen, Heroin tötet. Man sollte die Substanz in der Konzentration so verwerten, wie sie auch im Menschen oder in den Produkten zu finden ist, sonst ist die Studie nichts wert

    • Klugscheisser a.D. am 18.08.2015 17:49 Report Diesen Beitrag melden

      Erst denken... dann kommentieren

      Falsch.... Denn Mäuse haben einen viel schnelleren Stoffwechsel. Als der Mensch. Um das auszugleichen, und die evtl. kumulative Anreicherung des Stoffes im menschlichen Körper (denn wir sind Andauernd den Weichmachern ausgesetzt, nicht nur für die Studienlänge von max. paar Wochen) auszugleichen, benötigt man eine "Überdosierung" um den Effekt des Weichmachers nachzustellen. (Und by the way die Dosis bei der die hälfte der Menschen an reinem Heroin stirbt liegt bei ~22mg/kg Körpergewicht bei oraler verabreichung; ~1.8g/80kg-Mensch. Eine "Überdosierung" liegt dann schon vor!)

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