Genmanipulation in China

21. Januar 2019 16:07; Akt: 21.01.2019 16:07 Print

Weiteres Designerbaby ist unterwegs

Im November kamen erstmals gentechnisch veränderte Babys zur Welt. Der verantwortliche Arzt geriet damals unter Beschuss. Nun wird bekannt: Ein weiteres Kind kommt bald zur Welt.

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He Jiankui soll für mehrere sogenannte Designerbabys verantwortlich sein. Nach der Geburt von genmanipulierten Zwillingen ist nun ein weiters Kind unterwegs. He und sein Team wollten die Embryos resistent gegen Aids machen. Die Nachricht sorgte im November für Kritik: «Unverantwortlich» und «ein Super-GAU für die Wissenschaft» – so lauten die ersten Reaktionen auf die Meldung chinesischer Forscher, unter deren Einwirken die ersten Genom-editierten Babys zur Welt gekommen sein sollen. Wie Forschungsleiter He Jiankui von der Universität Schenzen in einem Youtube-Video erklärt, wurden die beiden Babys per klassischer IVF gezeugt. Direkt nachdem das Sperma des Vaters die Eizellen erreicht hatte, ... ... entfernte ein Embryologe mit Hilfe der Genschere Crispr/Cas9 «die molekulare Eintrittspforte, durch die HI-Viren Menschen infizieren können». Das Problem aus Sicht von Kritikern: Die Neben- und Spätfolgen seien noch unabsehbar und schwer zu kontrollieren. Doch auch die Befruchtungsmethode selbst kann offenbar schwerwiegende Folgen für den so gezeugten Nachwuchs haben. Zu diesem Schluss kamen im September 2018 Forscher des Berner Inselspitals. Demnach können nach künstlicher Befruchtung geborene Kinder als Teenager ein höheres Risiko für Bluthochdruck und damit ein gesteigertes Risiko für Schlaganfälle und Herzerkrankungen entwickeln. Welche Rolle dabei das Einfrieren überzähliger Embryos sowie das Kultivieren in einer Nährlösung im Brutschrank spielt, ist noch unklar. Zudem weisen die Forscher darauf hin, dass es noch weitere Studien braucht, ... ... weil die aktuelle nur relativ wenige Teilnehmer berücksichtigte, die zudem alle einem einzigen Kinderwunschzentrum entstammten. Daher seien die Ergebnisse erst mal mit Vorsicht zu geniessen. Sie war das erste künstlich erzeugte Baby: Louise Joy Brown kurz nach ihrer Geburt am 25. Juli 1978 im Oldham General Hospital in Manchester, England. Louise Brown mit 10 Jahren, am 21. Mai 1989, in Cambridge. Die Britin an ihrem 25. Geburtstag vor der Fruchtbarkeitsklinik, deren Ärzte sie ihr Leben verdankt. Und ein gemeinsames Bild mit dem ersten männlichen Retortenbaby, Alastair Macdonald, im Jahr 2003. Louise Browns erster Schrei am 25. Juli 1978: Mehr als acht Millionen Babys sind seit ihrer Geburt vor rund 40 Jahren nach einer Fruchtbarkeitsbehandlung zur Welt gekommen. «Superbabe» Louise: Die Geburt des ersten «Retortenbabys» war eine medizinische Sensation. In den Medien wurde weltweit über Louise berichtet. In den Folgejahren kam es laut «Life»-Magazine zum Boom der «Test-Tube Babys», zu Deutsch: Babys aus dem Reagenzglas. Am häufigsten wird inzwischen die Intrazytoplasmatische Spermien-Injektion angewendet. Die ICSI kommt bei Fruchtbarkeitsproblemen des Mannes zum Einsatz, etwa bei zu wenigen oder schlecht beweglichen Spermien. Ein Monitor zeigt im Kinderwunschzentrum Magdeburg in Deutschland eine solche Spermieninjektion Entwickelt wurde die Methode vom Medizin-Pionier Robert Edwards, der dafür 2010 den Nobelpreis erhielt. 2013 verstarb Edwards. Hier ist er 2008 gemeinsam mit Louise Brown, deren Sohn Cameron und ihrer Mutter Lesley zu sehen.

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Der chinesische Wissenschaftler, der im November die weltweit erste Geburt genmanipulierter Babys verkündet hatte, handelte nach Angaben der chinesischen Regierung allein und illegal. He Jiankui habe zudem ein weiteres Designerbaby geschaffen, bestätigten chinesische Behörden.

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He Jiankui habe mit seiner Forschungsarbeit gegen das Gesetz verstossen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag unter Berufung auf einen Bericht örtlicher Behörden. Eine chinesische Provinzregierung beschuldigte He, dieser habe «ethische Prüfpapiere gefälscht» und «vorsätzlich die Überwachung umgangen».

He hatte bereits bei einem Medizinkongress in Hongkong im November angekündigt, dass eine «zweite potenzielle Schwangerschaft» bestehe. Der mittlerweile beurlaubte Universitätsprofessor hatte bei seinen Experimenten die DNA der Babys nach eigenen Angaben so verändert, dass die Kinder vor einer HIV-Infektion geschützt sein sollen. Insgesamt acht Paare hätten sich an den Studien beteiligt, wobei die Väter HIV-positiv und die Mütter HIV-negativ gewesen seien.

Wollte He persönlichen Ruhm?

Die Provinzregierung beschuldigte He, dieser habe «ethische Prüfpapiere gefälscht» und «vorsätzlich die Überwachung umgangen», wie Xinhua berichtete. Der Wissenschaftler habe «privat» ein internationales Projektteam organisiert und eine «Technologie mit ungewisser Sicherheit und Effektivität» eingesetzt. Nach Angaben der Ermittler hatte es He auf «persönlichen Ruhm» abgesehen. Dafür habe er sich auch selbst um die Finanzierung seines Vorhabens gekümmert.

He werde von der chinesischen Justiz zur Rechenschaft gezogen, schrieb Xinhua. Der Fall werde dafür den «öffentlichen Sicherheitsbehörden» übergeben.

Die im November geborenen Babys mit den Pseudonymen «Lulu» und «Nana» waren laut He durch künstliche Befruchtung gezeugt worden, wobei das sogenannte Crispr/Cas9-Gentechnikverfahren zur Erbgutveränderung, auch «Genschere» genannt, zum Einsatz kam. International stiess die Ankündigung auf Zweifel und scharfe Kritik. Eine geprüfte wissenschaftliche Veröffentlichung zu dem Eingriff gibt es nicht.


(Video: Youtube/The He Lab)

(vro/sda/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Win67 am 21.01.2019 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Designerbaby

    zombifabrik. absolut daneben, wir sin jetzt schon total übervölkert.

  • Luke am 21.01.2019 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Nein zur Genmanipulation

    Das eigene Kind ist in den Augen der Kinder immer das Beste, mit allen Makel. Sonst stimmt etwas mit den Eltern nicht, nicht mit den Kindern.

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  • Cleo am 21.01.2019 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklich

    Schämt euch. Keinen Respekt der Natur gegenüber. Moral und Ethik auch weit gefehlt

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Heidi Heidnisch am 21.01.2019 20:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Neue Welt

    Der perfekte Soldat, superstark und gewissenlos, die perfekte Sexmaschine, unermüdlich und stets willig, C02-Atmer, Plastikverdauer, so intelligent, dass Synapsen und Hypophysen auch verändert werden müssen, um nicht zu kollabieren... Das Zeitalter der Cyborgs ist angebrochen.

  • Pete am 21.01.2019 19:55 Report Diesen Beitrag melden

    Grundsätzlich befürworte ich Gentech...

    ...aber diese Methoden sind noch lange nicht reif für den Einsatz am Menschen. Solche Humanexperimente auf Kosten der Gesundheit von Unschuldigen sind aufs Schärfste zu verurteilen, und ich hoffe sehr dass diesen "Forscher" die Konsequenzen ereilen und er nie mehr auch nur eine Pipette anfassen darf.

  • nr. 49 am 21.01.2019 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschliche Terminater

    Verstehe den Aufschrei nicht. Wurde bestimmt schon länger in geheimen Labors gezüchtet. Von Militärs oder so, um den Supersoldaten zu züchten. Ist kein SF, sondern Realität. Wacht auf.

  • Drew am 21.01.2019 19:49 Report Diesen Beitrag melden

    Widerspricht der Natur nicht

    Evolution macht dasselbe.

  • alex mannheim am 21.01.2019 19:40 Report Diesen Beitrag melden

    schon ok

    jaja dabei geht es nur darum, dass der staat keine steuern einziehen konnte...