Hormonumstellung

29. April 2012 13:47; Akt: 29.04.2012 13:47 Print

Wenn Mitte 30 die Wechseljahre einsetzen

von Claudia Arthen, dapd - Fünf bis zehn Prozent aller Frauen sind von einem vorzeitigen Klimakterium betroffen. Das ist zwar nicht lebensbdrohlich, dennoch sollten Massnahmen ergriffen werden, raten Experten.

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Vorzeitige Wechseljahre sind für die meisten betroffenen Frauen ein Schock, bedeuten sie doch das Ende der Reproduktionsfähigkeit. (Bild: colourbox.com)

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Die ersten Hitzewallungen kamen während des Urlaubs in Rom. Katharina schob es auf die extrem hohen Temperaturen und die Strapazen der Besichtigungen. Erst zu Hause beim Arzt kam die Ernüchterung: Sie stecke mitten in den Wechseljahren, sagte der Mediziner. Dabei war sie erst 36. Wechseljahre mit Mitte 30? Ist Katharina ein Einzelfall? Mitnichten, sagt die österreichische Wissenschaftsjournalistin und Wechseljahr-Beraterin Sigrid Sator im dapd-Interview.

Sator hat mit zahlreichen Frauen in Katharinas Alter gesprochen: Mit Cordula, die die ersten Wechseljahrbeschwerden schon mit Anfang 30 hatte. Mit Tanja, die mit 37 Jahren spürte, «dass da etwas im Kommen ist». Und mit einer jungen Frau aus Colorado (USA). «Sie war 24 Jahre, als die letzte Regelblutung festgestellt wurde», berichtet Sator.

Fünf bis zehn Prozent aller Frauen sind ihrer Schätzung nach von vorzeitigen Wechseljahren betroffen. «Bei jeder Frau stellen die Eierstöcke die Produktion von Eizellen nach und nach ein», sagt Sator. Meist begännen die ersten Beschwerden des Klimakteriums mit Mitte bis Ende 40, die Menopause, die letzte Regelblutung, hätten Frauen durchschnittlich mit 51 Jahren. «Das ist ein ganz natürlicher Vorgang, die Wechseljahre sind keine Krankheit», sagt die Sachbuchautorin. Wenn der Funktionsverlust der Eierstöcke jedoch sehr viel früher auftrete, vor dem 40. oder dem 35. Lebensjahr, handele es sich um vorzeitige Wechseljahre.

Bis zu 30 Hitzewallungen in einer Nacht

Ob normale oder vorzeitige Wechseljahre - die Hormonumstellung verläuft bei einigen Frauen eher unauffällig, bei anderen kann sie zu Schlafstörungen, Reizbarkeit, Haarausfall, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie verminderter sexueller Lust führen. Der erste und typischste Hinweis auf die Wechseljahre sind Hitzewallungen und Schweissausbrüche. «Manche Frauen quälen sie ein Jahr, manche sogar fünf Jahre und mehr. Es können drei, aber auch 30 Wallungen an einem Tag oder in einer Nacht sein», sagt Sator. Manche Frauen blieben aber gänzlich von solchen «flushes» verschont.

«Warum die Eierstöcke bei manchen Frauen die Produktion funktionstüchtiger Eizellen frühzeitig einstellen, ist noch unklar», sagt der Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte (BVF), Christian Albring. Ursachen könnten Stoffwechsel- oder Autoimmunerkankungen wie Diabetes oder chronische Gastritis sein. Vorzeitige Wechseljahre könnten jedoch auch Folge einer Chemotherapie oder Strahlenbehandlung sein. Diskutiert werden nach Angaben des Frauenarztes auch Faktoren wie die Einnahme bestimmter Medikamente, Stress oder Rauchen. «Raucherinnen kommen in der Regel zwei Jahre früher in die Wechseljahre», sagt Albring. Nikotin stelle die Blutgefässe eng, was zu einer verminderten Durchblutung der Eierstöcke führe.

Bei anderen Frauen sind die vorzeitigen Wechseljahre genetisch bedingt. «Die sind von Geburt an mit einem sparsameren Vorrat von Eizellen ausgestattet sind, der dann einfach früher aufgebraucht ist», sagt Albring. Meist sei die Tendenz zur frühen Menopause vererbt, und auch die Mutter habe ihre Wechseljahre früher als üblich erlebt. Herauszögern oder verhindern lässt sich dieser Vorgang laut dem Mediziner nicht.

«Bin ich überhaupt noch eine Frau?»

«Dass sie in die Wechseljahre kommen könnten, bemerken junge Frauen vor allem an ersten Unregelmässigkeiten des Zyklus», sagt Sator. Andere Begleiterscheinungen wie Schweissausbrüche, trockene Augen, unreine Haut oder morgendliche Gelenkschmerzen würden selten in Zusammenhang mit einem möglichen Beginn der Wechseljahre gesehen. Oft führe auch ein unerfüllter Kinderwunsch die Frauen zum Arzt - «wie traurig, dann hören zu müssen, dass vorzeitige Wechseljahre der Grund sind».

Katharina hat die Diagnose als einen «Riesenschock» erlebt. Ihr Mann habe letztlich nicht verkraftet, «dass ich kein Kind mehr bekommen konnte, irgendwie war ich in seinen Augen keine vollwertige Frau mehr», sagt die Reisebüro-Angestellte.

Viele Partnerschaften zerbrächen an den frühen Wechseljahren, bekräftigt Sator. «Verfrühte Wechseljahre sind kein Drama, keine lebensbedrohende Erkrankung, kein Grund für Schuldgefühle oder Depressionen. Aber sie sind auch kein Spaziergang.» Denn die betroffenen Frauen müssten damit klar kommen, dass ihre Fähigkeit zur Reproduktion erloschen sei und kaum mehr die Chance bestehe, auf natürlichem Weg ein Kind zu bekommen.

Frauen, die vorzeitig in die Wechseljahre kommen, benötigen eine Hormonersatztherapie mit Östrogenen und Gestagenen - daran geht für Frauenarzt Albring kein Weg vorbei. «Geht die Produktion an Östrogenen zurück, steigt das Risiko für Osteoporose sowie für Herz-Kreislauf- und Gefässerkrankungen», sagt der Mediziner. Denn Östrogen schütze Knochen und Gefässe. Komme eine Frau mit 50 in die Wechseljahre, liege noch eine Lebensspanne von etwa 30 Jahren vor ihr. «Bei gesunden, beschwerdefreien Frauen reicht der Schutz durch die Hormone meist für diese Zeit», sagt Albring. Bei jungen Frauen dagegen sei ohne Behandlung «der Knochenschwund programmiert». Meist ersetzten Ärzte die Hormone bis etwa 50, «also zu dem Alter, an dem die Frau physiologisch in die Wechseljahre käme». Neben einer Hormonersatztherapie sind nach dem Rat des BVF-Präsidenten eine ausgewogene Ernährung und viel Bewegung besonders wichtig.

Sator rät, sich Klarheit zu verschaffen und bei einem Gynäkologen den Hormonstatus überprüfen zu lassen. Bestätige sich der Verdacht, sollten Frauen den Wandel als Chance begreifen und sich bewusst machen, dass Klimakterium «Lebensstufe» heisse und nicht «Alt-Werden». Katharina, die inzwischen 38 ist, hat sich von ihrem Mann getrennt, «als eine Jüngere ins Spiel kam». «Mir geht es so weit ganz gut», sagt sie über ihre Wechseljahre. «Ich kann ja doch nichts daran ändern - also, warum ärgern, hadern, verzweifeln? Ich nehme Hormone und damit hat es sich.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • von mir am 29.04.2012 18:25 Report Diesen Beitrag melden

    keine vollwertige Frau mehr

    "Ihr Mann habe letztlich nicht verkraftet, «dass ich kein Kind mehr bekommen konnte, irgendwie war ich in seinen Augen keine vollwertige Frau mehr»" - Auf einen solch egoistischen Kerl könnte ich verzichten. Auf ihn wird auch in anderen Situationen kein Verlass sein. Solche Typen sollten sich schämen.

  • Lisa Urban am 30.04.2012 00:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    HET

    Eine Hormonersarztherapie kann Krebs, vor allem Brustkrebs (15 - 30%) verursachen. So easy ist auch dieser Entscheid nicht. Typisch Herr Doktor - her mit den Pillen für die Frau. Die Pharmabranche und die OP-Profis freuts.

  • Schlaflose Nächte am 30.04.2012 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Ausgelacht vom Arzt

    Ich bin mit 32 zum Frauenarzt wegen Hitzewallungen, leider hat er mich 2 Jahre lang nicht ernst genommen. Tag und Nacht eine Wallung nach der Anderen. Arzt gewechselt und seit da (13 Jahre) nehme ich Hormone. Lebensqualität ist wieder da.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • christa65 am 01.05.2012 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Mann ist das Krebsrisiko wert!

    Ich bin 47 und seit 4 Jahren in der Menopause und es geht mir gut! Ohne irgendwelche Medis! Würde ich nie nehmen, auch wenn's uns die FrauenärztInnen aufdrängen. Kein Mann ist es wert, dass ich Krebs bekomme; zu Medikamenten greife. Der Mann ist schneller weg, als ich tot bin... Und wieviele Männer haben mit 50 schon Potenzprobleme, Prostata, Glatze etc. Verlassen wir dann die auch alle? Nein, tun wir Frauen i.d. Regel nicht... Wieviele Beziehungen scheitern sowieso? Wichtig: gute Work-Life Balance mit gesunder Ernährung, ausreichend Bewegung und zu sich und seinen Bedürfnissen stehen...

    • Bernd55 am 01.05.2012 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Kopf Hoch!

      Uh, das hoert sich frustriert an. Ich wünsche Dir tritzdem noch viel liebe mit einem Partner. Beziehungsscheiterungen sind immernoch weit in der minderheit. Viel glück und Kopf hoch!

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  • Sahra am 30.04.2012 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Pille

    Ob evtl. auch eine langjährige Pilleineinnahme dazu beiträgt? Keine Ahnung weshalb (Geld?) aber Frauenärzte streiten Probleme im Zusammenhang mit der Pille gerne ab, selber oft erlebt (Trockenheit, Blasenentzündungen etc). Weshalb nicht auch ein früheres einsetzen der Menopause?

  • Schlaflose Nächte am 30.04.2012 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Ausgelacht vom Arzt

    Ich bin mit 32 zum Frauenarzt wegen Hitzewallungen, leider hat er mich 2 Jahre lang nicht ernst genommen. Tag und Nacht eine Wallung nach der Anderen. Arzt gewechselt und seit da (13 Jahre) nehme ich Hormone. Lebensqualität ist wieder da.

    • Laurence am 30.04.2012 16:48 Report Diesen Beitrag melden

      Ja, kenne ich

      Hatte auch so einen "Spezialisten" von Arzt. Der schob mir Asthma-Medis über den Tisch, ohne mich auch nur anzufassen geschweige denn zu untersuchen. Ich habe kein Asthma, ich habe eine Mitralklappeninsuffizienz, die sich in Form von Ablagerungen infolge der frühen Menopause zeigt. - Arztwechsel, dann sofortige Überweisung an einen Kardiologen. Jetzt ist es unter Kontrolle.

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  • tina am 30.04.2012 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    ohjee

    arme frauen :S na hoffentlich werde ich wie meine mutter bis 55 keine wechseljahre bekommen...

  • Dr. Meier am 30.04.2012 07:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Achtung

    künstliche Hormone nach Wechseljahren rufen oft Krebs hervor.

    • seit 12 Jahren am 30.04.2012 19:47 Report Diesen Beitrag melden

      Wechseljahre

      Viele dank Dr. Meier aber wie soll man nach 12 Jahren dieser Beschwerden lindern können ohne künstliche Hormone.

    • seit 36 am 30.04.2012 21:33 Report Diesen Beitrag melden

      Dr. Meier, ich weiss

      Sie haben Recht. Aber ich kam mit 36 in die Menopause, hatte Hitzewallungen, Übelkeit, Schwindel - und keine Lust mehr auf Sex, trocknete aus. Ich nehme lieber Hormone, obschon das Krebsrisiko besteht. Ich bin sehr glücklich verheiratet, aber mein Mann ist natürlich sexuell aktiv, und ich habe das grosse Glück, dass er es mit mir sein will - und ich mit ihm. Also lieber an Krebs sterben, damit er nach mir noch jemand anderen haben kann, als die Beziehung zu ersticken. Was soll er denn tun, wenn ich nicht mehr kann (aber will)? Das wäre nicht fair.

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