Seltene Krankheiten

05. November 2010 14:28; Akt: 05.11.2010 14:46 Print

Wenn ein Lacher zum Anfall wird

Claire Allen leidet unter einer speziellen Form der Schlafkrankheit. Medikamente verhindern, dass die Britin durch geringfügige emotionale Reize bis zu hundertmal täglich kollabiert.

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Schon ein Kichern kann bei Claire Allen zu einem Anfall führen.
(Quelle: «mailonsunday.co.uk»)

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Lachen ist gesund, heisst es. Für die Britin Claire Allen trifft das nur eingeschränkt zu, denn selbst ein leises Kichern kann dazu führen, dass sie in die Knie geht: Die 35-jährige Wissenschaftlerin leidet unter Kataplexie, einer besonderen Form der Narkolepsie, auch Schlafkrankheit genannt.

Schätzungen zufolge sind in der Schweiz zwischen 3000 und 5000 Personen von Narkolepsie betroffen.
Die Symptome, zu denen starke Müdigkeit, Benommenheit, Konzentrationsstörungen oder Halluzinationen gehören können, variieren in ihrer Ausprägung von Fall zu Fall. Typisch für das Krankheitsbild sind Schlafstörungen während der Nacht. Da nicht jeder die Auswirkungen der Erkrankung zu deuten weiss, werden viele Betroffene nie oder erst nach Jahren oder Jahrzehnten mit der Diagnose konfrontiert.

Wie die Mehrzahl aller Narkolepsie-Patienten leidet auch Claire Allen unter Kataplexie. Geringfügige Reize wie etwa ein Lachen führen bei ihr zu Anfällen, die plötzlich die Muskulatur erschlaffen lassen – sie kollabiert.

Bis zu hundert Anfälle am Tag

Heute bekommt Allen eine Arznei, die die Zahl der Anfälle auf ein Minimum reduziert: «Vor ein paar Jahren hatte ich meine Medikamente als Probandin einer Studie abgesetzt», erzählt die Wissenschaftlerin «mailonsunday.co.uk». In dieser Zeit sei sie «ungefähr hundertmal am Tag» kollabiert. Ein besonders schlimmer Auslöser für die zwischen 30 Sekunden und fünf Minuten andauernden Anfälle sei dabei das Lachen gewesen.

Ohnmächtig sei sie während ihrer Zusammenbrüche allerdings nicht: «Es fühlt sich nicht anders als der Wachzustand an - allerdings bin ich wie gelähmt und kann nichts sehen», erzählt sie.

«Ein unglaubliches Gefühl ...»

Ein normales Leben zu führen, das war für die 35-jährige Forscherin bislang schwierig: «In den letzten fünf Jahren konnte ich nicht länger als eine Stunde am Stück schlafen.» Erst die Einnahme eines neuen Medikaments verhalf ihr zu mehr Lebensqualität, wie sie sagt: «Als ich das erste Mal länger als drei Stunden schlief, war das ein unglaubliches Gefühl für mich.»
Allen hofft, dass die Krankheit zukünftig schneller erkannt wird: «Viele Leute könnten ein deutlich besseres Leben führen, wenn bei Ihnen frühzeitig eine Narkolepsie diagnostiziert würde.»

(rre)