Zelltod

04. Juni 2019 12:20; Akt: 04.06.2019 12:20 Print

Wie schädlich E-Zigis sind, hängt auch vom Aroma ab

Sie gelten als weniger schädlich als Zigaretten. Doch je länger, je mehr zeigt sich: Auch der Dampf von E-Zigaretten ist alles andere als harmlos.

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E-Zigaretten gelten als weniger schädlich als klassische Zigaretten. Harmlos sind sie dennoch nicht. So haben Studien gezeigt, dass beim Verdampfen unter anderem freie Radikale und potenziell schädliche Chemikalien entstehen, die Entzündungen der Schleimhäute fördern und die DNA-Reparatur in den Zellen hemmen können. Derart erhöht sich auch das Krebsrisiko. Eine Arbeit von Stanford-Forschern zeigt nun, dass auch die Auswahl des Aromas einen Einfluss auf die Gesundheit hat. Konkret wird die Ausschüttung von Entzündungsmarkern in den Zellen erhöht und das Zellwachstum beeinträchtigt, was zum Zelltod führen kann. Wie schwerwiegend die Folgen waren, hing stark vom Aroma ab. Als besonders schädlich entpuppten sich die Liquids mit Menthol- und Zimtaroma. Sie reduzierten die Überlebensrate der Zellen am deutlichsten, formulieren die Forscher. Laut den Wissenschaftlern zeigt die im «Journal of the American College of Cardiology» erschienene Studie deutlich, dass E-Zigis keine sichere Alternative zum Tabakrauchen darstellen. Konkret habe sich gezeigt, dass die Liquids Veränderungen bewirken, ... ... die stark an jene erinnern, die während der Entwicklung von Gefässkrankheiten auftreten. Das ist angesichts der steigenden Nutzerzahlen – vor allem bei jungen Personen – beunruhigend. Sucht Schweiz hat für die im März 2019 vorgestellten Zahlen über 11'000 Schüler im ganzen Land befragt. Dabei zeigte sich, dass Dampfen bei den 15-Jährigen weit verbreitet ist. Eine weitere aktuelle Studie aus den USA zeigt zudem: 32 Prozent der College-Studenten besitzen eine E-Zigarette, und 50 Prozent haben schon beobachtet, wie andere in der Vorlesung oder in der Bibliothek gedampft haben. Die Produkte sind in der Schweiz noch nicht reguliert. Das entfacht die Debatte darüber, wo gedampft werden darf. SVP-Nationalrat Sebastian Frehner sagt: «E-Zigaretten sind für Passivraucher nicht gefährlich. Ich sehe deshalb keinen Grund, das Rauchen von E-Zigaretten in Restaurants oder im Zug zu verbieten.» Kein Verständnis dafür hat der Lungenarzt Werner Karrer. «Es ist richtig, dass Tabakrauchen an öffentlichen Orten, am Bahnhof oder im Zug verboten ist», findet er. Für Dampfer sollte es keine weiteren Ausnahmen geben. «Der Dampf stört nicht nur und ist für den Geruchssinn der Mitmenschen teils unerträglich, die Passivrauch-Risiken sind zudem kaum erforscht.» Diese Haltung teilt der SP-Nationalrat Angelo Barrile. E-Zigaretten und Heat-not-burn-Produkte sollten deshalb wie herkömmliche Zigaretten dem Tabakproduktegesetz unterworfen werden, fordert er. Eine Position dazwischen nimmt Rachel Jossen, Geschäftsführerin von Red Vape, ein. Sie fordert mehr Ausnahmen für das Dampfen in der Öffentlichkeit.

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Statt Tabak zu verbrennen, erhitzen E-Zigis eine Flüssigkeit. In diesem Liquid können neben Lösungsmitteln und Zusatzstoffen auch Nikotin und Aromen enthalten sein. Trotz dieses Cocktails aus Chemikalien enthält der Dampf Experten zufolge weniger Schadstoffe als Tabakrauch.

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Harmlos ist die elektronische Zigarettenalternative dennoch nicht. Neben Benutzerfehlern geht auch von den handelsüblichen Liquids eine Gefahr aus. So könnten die Verneblungsmittel wie Propylenglykol die Atemwege reizen und die Lungenfunktion vermindern. Zudem entstehe durch Erwärmen des Stoffs kanzerogenes Propylenoxid, erklärt Frank Henkler-Stephani vom deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung.

Verstärkt werden können die Risiken zudem durch die Wahl des falschen Aromas. Zu diesem Schluss kommen Forscher um Won-Hee Lee von der Stanford University und der University of Arizona.

Aromen im Vergleich

Für ihre im «Journal of the American College of Cardiology» erschienene Studie hatten die Forscher um Won-Hee Lee sogenannte Endothelzellen von Nichtrauchern, Rauchern und E-Zigaretten-Nutzern gezüchtet. Dabei handelt es sich um jene Zellen, die Blutgefässe auskleiden und damit eine wichtige Rolle für die Gefässgesundheit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen.

Diese im Labor geschaffenen Zellen setzten Lee und seine Kollegen anschliessend verdünnten Lösungen von handelsüblichen E-Zigi-Liquids in den Aromen Frucht, Tabak, Tabak mit Karamell und Vanillearoma, Zimt, Menthol und Sahnebonbon aus.

Zelltod provoziert

Die Auswertung zeigte: Alle Aromen wirkten negativ auf die Zellen. So erhöhte sich bereits nach dem ersten Kontakt die Ausschüttung von Entzündungsmarkern in den Zellen, das Zellwachstum war beeinträchtigt und in einigen Fällen kam es zu schwerwiegenden Störungen der Zellfunktion und zum Tod der Zellen.

Wie schwerwiegend die Folgen waren, hing stark vom Aroma ab. Als besonders schädlich entpuppten sich die Liquids mit Menthol- und Zimtaroma. Sie reduzierten die Überlebensrate der Zellen am deutlichsten, formulieren die Forscher.

Laut Lee und ihren Kollegen zeigt die Studie damit deutlich, dass E-Zigaretten keine sichere Alternative zum Tabakrauchen darstellen. Konkret hätte die Untersuchung offengelegt, dass die Liquids Veränderungen bewirken, die stark an jene erinnern, die während der Entwicklung von Gefässkrankheiten auftreten.


Der Tabakzigaretten-Alternativen-Test von 20-Minuten-Lesern zeigt: E-Zigaretten kommen besonders gut an. (Video: 20 Min)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Egon der Bär am 04.06.2019 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbesserung

    Niemand sagt das E-Ziggi unbedenklich sind. Die ersten beiden Langzeitstudien aus Grossbritannien und Italien kommen zum Ergebnis das Dampfen 95% weniger schädlich ist als Produkte mit Tabak. Ich als langjähriger Raucher konnte meine Lungenfunktion durchs den Umstieg signifikant verbessern. Auch der Geruchssinn, Wohlbefinden, Belag auf der Zunge etc. Jeder Faktor hat sich stark verbessert.

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  • Herr Max Bünzli am 04.06.2019 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    gebau

    es behauptet niemand das es Gesund ist das Dampfen, aber besser als Rauch.

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  • Der Liquidator am 04.06.2019 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Der mit dem Golf tanzt...

    Immer noch besser als neben einem VW Golf Diesel an der Ampel zu warten...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Vapestore.ch am 05.06.2019 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Atmen ist auch schädlich...

    Was soll diese Angstmacherei! Schaut doch mal nach was Zigaretten alles beigefügt wird. Sucht in Google "Zigarette Inhaltsstoffe", ihr werdet überrascht sein. Ich habe nach 30 Jahre mit dem Dampfen den Ausstieg aus dem Rauchen geschafft. Nach ein paar Monaten hab ich jetzt auch mit dem Dampfen aufgehört. Da spielen die paar Monate wohl kaum eine Rolle.

  • Siraya am 05.06.2019 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    Daneben

    Das Gewebe wurde direkt der Flüssigkeit/Liquid ausgesetzt und nicht dem Dampf. Das ist ein grundlegender Unterschied und die Studie damit absolut sinnfrei. Wir trinken das Liquid ja nicht. Wer sich objektiv mit dem Thema auseinandersetzen will, soll sich mal die Artikel des Lungenfacharztes Dr. Bern Mayer anschauen.

  • Per Peters am 05.06.2019 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Deshalb dampfe ich Aromafrei!

    Da hält auch der Verdampfer länger durch!

    • Sebastian Kurtz am 05.06.2019 16:23 Report Diesen Beitrag melden

      Na und

      Neue Watte rein und gut, dauert keine 10 sek

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  • Stinker am 04.06.2019 20:55 Report Diesen Beitrag melden

    Es quallmt und mieft

    Die miefen mehr als Zigis. Mit ihren chmischen Vanille Menthol Düften.

    • Egon der Bär am 05.06.2019 08:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Stinker

      Ich habe Kaktus-Feigen Aroma und Schwarztee-Citrus Aroma Nichts da penetrant.

    • Vapestore.ch am 05.06.2019 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Stinker

      Ich mag den Geschmack von Dieselautos auch lieber, als den von Benzienern...

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  • Adrian Schweri am 04.06.2019 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    Leserzahlen vs. Seriösität

    Ein Artikel basierend auf fragwürdigen Studien mit hanebüchenen Schlussfolgerungen. Dass Propylenglykol zu allergischen Reaktionen führen kann, ist nichts Neues und kein "Mangel" von Dampfgeräten. Propylenglykol und pflanzliches Glyzerin sind in zahlreichen Lebensmitteln, Produkten zur Körperpflege und in Asthmasprays enthalten. Die geschilderte Wirkung der Aromen ist ebenfalls fragwürdig und reisserisch, da es sich doch bei den in Liquids verwendeten Aromen um Lebensmittelaromen handelt. Eine seriöse Recherche und Berichterstattung der Presse könnte hingegen helfen Leben zu retten.