Niedrige Impfrate

07. Dezember 2019 09:10; Akt: 07.12.2019 09:10 Print

Masern töten 142'000 Menschen in einem Jahr

Die Masern breiten sich vielerorts gefährlich aus. Die Zahl der Todesfälle steigt – und Besserung ist nicht in Sicht.

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Schlechte Nachrichten von der Weltgesundheitsorganisation WHO: 2018 gab es knapp 9,8 Millionen Masernfälle. Ihrem neusten Bericht zufolge sind im Jahr 2018 weltweit 142'000 Menschen an Masern gestorben. Das seien rund 16'000 Masern-Tote mehr als 2017. Insbesondere Kinder unter fünf Jahren gehören zu den Todesopfern. Am schlimmsten sei es im Kongo, wo sich die hochansteckende Krankheit immer weiter ausbreitet. Aus dem afrikanischen Land seien 2019 bis Mitte November die meisten Masernfälle bekannt geworden, so die WHO. Ein Grund ist laut der WHO eine zu niedrige Impfrate. Experten beklagen unter anderem Lücken in der Versorgung mit den Impfstoffen. Die Behörden gehen davon aus, dass allein dort mehr als 5000 Menschen an Masern gestorben sind – weit mehr als beim Ebola-Ausbruch seit Sommer 2018 mit rund 2200 Toten bislang. «Die Tatsache, dass ein Kind aufgrund einer Krankheit wie Masern stirbt, der durch Impfung vorgebeugt werden kann, ... ... ist offen gesagt ein Frevel und ein kollektives Versagen beim Schutz der Verletzlichsten», sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO. Die WHO schätzt, dass 86 Prozent der Kinder eine erste Impfung erhalten, nur rund 70 Prozent dann aber die empfohlene zweite Dosis. Nach WHO-Angaben ist eine Impfrate von 95 Prozent mit zwei Dosen in jedem Land nötig, um die Bevölkerung vor der Krankheit zu schützen. (Im Bild: typisches Hautbild eines an Masern Erkrankten.) Besorgniserregend ist auch die Situation im polynesischen Inselstaat Samoa, wo ein aktueller Masernausbruch bislang 62 Tote forderte. Seit November wurden mehr als 3700 Masernfälle gemeldet, knapp 200 allein seit dem 30. November 2019. Die Betroffenen starben innert weniger Wochen am Masernvirus, auch hier überwiegend Säuglinge und Kleinkinder. Samoa hatte wegen der Masern-Epidemie bereits im November den Notstand ausgerufen. Um der Lage Herr zu werden, sind nun Teams aus Ärzten und Krankenpflegern unterwegs, um Bewohner entlegener Gebiete zu impfen ... ... , teilte das samoanische Gesundheitsministerium mit. Während des Zeitraums sollen die meisten öffentlichen Dienste, Geschäfte und Strassen geschlossen bleiben. Für Privatfahrzeuge gelte für einen Teil des Tages ein Fahrverbot. Ungeimpfte müssen eine rote Fahne vors Haus hängen, damit die Mediziner wissen, wo sie zu tun haben. Zuvor waren nur rund 33'000 von rund 200'000 Samoanern geimpft. Dass die Impfrate so gering ist, ... ... führen die Behörden – zumindest teilweise – auf den Tod zweier Kinder in 2018 zurück. Sie starben, nachdem sie die Kombi-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln erhalten hatten. Dies jedoch wegen menschlichen Versagens: Die Krankenschwestern hatten den Impfstoff versehentlich mit einem Mittel zur Muskelentspannung gemischt. «Der Impfstoff ist absolut sicher», zitiert die BBC den Unicef-Verantwortlichen Sheldon Yett. Doch die Todesfälle hätten all jenen in die Hände gespielt, die Fehlinformationen verbreiten wollten. Die Betroffenheit in dem Inselstaat sei gross, so Yett weiter. «Die Menschen sind nervös, weil sie die Auswirkungen dieser Krankheit sehen.» Samoa sei ein sehr kleines Land und jeder kenne jemanden, der davon betroffen sei. Bereits Anfang 2019 hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO Alarm geschlagen, denn eigentlich könnten die Masern längst ausgerottet sein. Dabei führt laut einer US-Studie eine Verringerung der Quote bei der Kombi-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) um 5 Prozent zu einer Verdreifachung der Masernfälle. Auf die Schweiz angewandt würde das bedeuten, dass die Fallzahl von 66 Fällen (2016) auf knapp 200 steigen würde. Um die Bevölkerung vor einer Infektion zu schützen, ist es wichtig, die Masern zu eliminieren. Dafür muss eine Impfquote von 95 Prozent erreicht werden. Dann kann sich der Erreger nicht mehr verbreiten. Nur so können immunschwache Menschen ... ... das heisst jene, die sich aus medizinischen Gründen wie beispielsweise Allergien oder akuten Infektionen nicht impfen lassen können, sowie Babys im ersten Lebensjahr geschützt werden. Den besten Schutz bringt die Kombi-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Die Schutzwirkung einer Masernimpfung mit zwei Dosen wird mit mehr als 98 Prozent angegeben. Selbst in den seltenen Fällen, in denen es trotz Impfung zu Masern kommt, ist der Krankheitsverlauf abgeschwächt. Das Perfide an Masern: Erkrankte sind auch dann schon ansteckend, wenn sie noch nicht den typischen Hautausschlag entwickelt haben. Denn die Infektionsgefahr besteht drei bis fünf Tage vor dem Ausbruch des Hautausschlags und bis vier Tage danach. Masern beginnen wie eine heftige Grippe: mit hohem Fieber, einer laufenden Nase und Husten sowie entzündeten Schleimhäuten. Der einzige eindeutige Hinweis auf Masern findet sich zu diesem Zeitpunkt im Mundraum des Betroffenen: die sogenannten Koplik-Flecken – weisse Flecken mit rotem Rand an den Wangeninnenseiten. Oft werden Masern als Kinderkrankheit abgetan. Doch das ist falsch. So können Menschen jeden Alters erkranken, zudem kommt es bei jeder zehnten Person zu Komplikationen. Am schwerwiegendsten sind Lungen- und Gehirnentzündungen. In Europa verlaufen bei einem von rund 3000 Erkrankten die Masern tödlich. Weltweit fordern Masern jedes Jahr etwa 158'000 Todesfälle.

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Nach grossen Erfolgen bei der Bekämpfung der Masern breiten sie sich derzeit wieder weltweit aus. Rund 142'000 Menschen sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im vergangenen Jahr an der hochansteckenden Krankheit gestorben, zumeist Kinder unter fünf Jahren.

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Die Zahl der Todesopfer ist im Langzeit-Vergleich zwar gesunken, im Jahr 2000 erlagen noch mehr als 535'000 Menschen der Krankheit. Seit kurzem steigen die Zahlen jedoch wieder. So gab es 2018 den WHO-Schätzungen zufolge rund 16'000 Masern-Tote mehr als 2017. Vor allem im Kongo verbreiten sich die Masern vielerorts. Ein Grund ist laut der WHO eine zu niedrige Impfrate. Experten beklagen unter anderem Lücken in der Versorgung mit den Impfstoffen.

Gegen zehn Millionen Masernfälle

Ähnlich wie die Todeszahlen veränderten sich zuletzt auch die geschätzten Infektionen, die nach einem drastischen Rückgang ebenfalls wieder angestiegen sind. Nach WHO-Schätzungen gab es 2018 knapp 9,8 Millionen Masernfälle, im Jahr davor fast 7,6 Millionen.

Zu den Masernsymptomen zählen ein Ausschlag der Mundschleimhaut und die charakteristischen bräunlich-rosafarbenen Hautflecken. Die Infektion schwächt vorübergehend das Immunsystem, sodass es leichter zu Mittelohrentzündung, Bronchitis, Lungenentzündung oder Durchfall kommt. Eine besonders gefürchtete Folge sind bestimmte Hirnentzündungen, die tödlich enden können.

Mehr Masern- als Ebola-Tote

Da in vielen Ländern keine Meldepflicht besteht, wird laut WHO nur ein Bruchteil der Masernfälle bekannt. Die weitaus meisten Ansteckungen wurden 2019 bis Mitte November aus dem Kongo gemeldet. Die Behörden gehen davon aus, dass allein dort mehr als 5000 Menschen an Masern gestorben sind – weit mehr als beim Ebola-Ausbruch seit Sommer 2018 mit rund 2200 Toten bislang.

In Europa kam es in der Ukraine zu einem grossen Ausbruch mit fast 57'000 gemeldeten Fällen. Auch in Liberia, Madagaskar und Somalia gibt es grosse Probleme mit den Masern. Auf diese fünf Staaten entfällt letztlich fast die Hälfte aller gemeldeten Masernfälle.

Auch in den USA, die einst als masernfrei galten, ist die Tendenz wieder steigend. Das Land verzeichnete so viele Fälle wie seit 25 Jahren nicht mehr. Erst in der vergangenen Woche sind zudem im polynesischen Inselstaat Samoa mindestens 53 Menschen bei einem Masernausbruch gestorben.

Lücken beim Masern-Impfstoff

«Die Gesundheitssysteme sind in manchen Ländern sehr geschwächt. Da gibt es dann oft Lücken in der Versorgungskette, insbesondere beim Masern-Impfstoff», sagte Marcus Bachmann, für die Organisation Ärzte ohne Grenzen zuletzt mehrmals Einsatzleiter im Kongo, der Deutschen Presse-Agentur. Der Masern-Impfstoff müsse bis zur Verabreichung permanent gekühlt werden, auch das sei in vielen Ländern eine grosse Herausforderung.

Speziell im Kongo stehe zudem der Kampf gegen Ebola im Mittelpunkt, was sich auch finanziell deutlich bemerkbar mache. «Die Menschen vor Ort können dieses Ungleichgewicht gar nicht verstehen. Sie haben grosse Sorgen wegen der Masern, weil die ihre Kinder oft töten», sagte Bachmann.

Für das kommende Jahr gebe es wenig Grund für Optimismus, so Bachmann. Die typischen Probleme in einigen Ländern – schlechte Überwachung und zu langsame Prüfung neuer Fälle, fehlende Impfungen und grundsätzlich Unsicherheit durch Konflikte – liessen sich schliesslich nicht «von heute auf morgen» lösen.

«Kollektives Versagen»

«Die Tatsache, dass ein Kind aufgrund einer Krankheit wie Masern stirbt, der durch Impfung vorgebeugt werden kann, ist offen gesagt ein Frevel und ein kollektives Versagen beim Schutz der Verletzlichsten», sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO. Der Organisation zufolge sind die Impfraten im vergangenen Jahrzehnt aber weltweit konstant geblieben.

Die WHO schätzt, dass 86 Prozent der Kinder eine erste Impfung erhalten, nur rund 70 Prozent dann aber die empfohlene zweite Dosis. Nach WHO-Angaben ist eine Impfrate von 95 Prozent mit zwei Dosen in jedem Land nötig, um die Bevölkerung vor der Krankheit zu schützen.

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Klaro Kommtesso am 07.12.2019 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach wen erstaunt das

    Den Schweizern geht es zu gut. Sie haben vergessen was solche Krankheiten anrichten können. Nur so kann ich mir die Fahrlässigkeit der Impfgegner erklären. Liebe Impfgegner, geht einmal in eines der stärker betroffenen Länder und schaut Euch an was passiert wenn man sich nicht impfen lassen will...

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  • Arzt am 08.12.2019 20:33 Report Diesen Beitrag melden

    Hoch ansteckend

    Ich bin auch Kinderarzt und akzeptiere keine Patienten mehr , die ihre Kinder nicht impfen lassen . Zum Schutz meiner kleinen PatientInnen welche noch nicht geimpft sind. Das Masernvirus ist hoch ansteckend und wird häufig mit den Windpocken verwechselt . Es ist auch keine Kinderkrankheit , Erwachsene können sich auch anstecken.

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  • Marcel s am 07.12.2019 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    muss sein

    Wer sich da nicht impfen lässt läuft am Leben komplett vorbei.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Beat am 08.01.2020 23:37 Report Diesen Beitrag melden

    Gezielt eingebrachte Krebszellen

    in Impfstoffen (MMR) entdeckt. Eine bahnbrechende Forschung aus Italien hat schockierende neue Details über die abgetriebenen menschlichen fötalen Zelllinien aufgedeckt, die in vielen der heutigen Impfstoffe für Kinder verwendet werden. Impfstoffe, die absichtlich mit Hunderten von Krebsgenen hergestellt werden, um das Wiederholungsgeschäft für Big Pharma zu sichern. Medien schweigen wie üblich anstatt ANZUPRANGERN und zu INFORMIEREN.

  • Marco am 23.12.2019 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn...

    der angebliche Nutzen von Impfungen das gesundheitliche Risiko rechtfertigen würde, könnten die Mainstream Medien und die Behörden ehrlich informieren. Es gibt schließlich keinen Grund zu lügen, wenn man nichts zu verbergen hat. Besonders aufschlußreich ist eine CDC-Studie aus dem Jahr 2015, die gemeldete Todesfälle zwischen 1997 und 2013 in Zusammenhang mit Impfungen untersuchte: 79,4 Prozent der Kinder erhielten tatsächlich am selben Tag, an dem sie gestorben sind, eine oder mehrere Impfungen! Das zum Plötzlichen Kindstod (SIDS).

  • Carlos am 16.12.2019 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Realitäts-Check hinterfragt die Medien!

    Wer hat diese Zahlen in die Medien gesetzt? Ich hatte Masern und das war ein ganz normaler Vorgang und hat mich stärker gemacht. Deshalb bin ich gegen Impfzwang unser Körper weiss sehr wohl, wie er damit umgehen muss. Die Impfbefürworter, wollen uns für dumm verkaufen und uns krank machen.

  • Impf ung am 12.12.2019 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    Warum impft man nicht Tuberkulose?

    Warum impft man nicht Tuberkulose? Ist doch auch eine furchtbare Krankheit woran man sterben kann?

    • Sarah am 13.12.2019 15:32 Report Diesen Beitrag melden

      @Impf ung

      Diese Impfung wird wohl auch bald wieder eingeführt, in den letzten Jahrzehnten war sie nicht nötig, da es in der Schweiz keine Tuberkulose mehr gab. Mit der ganzen Herumreiserei holt man sie halt auch wieder zurück.

    • fleur1 am 22.12.2019 23:06 Report Diesen Beitrag melden

      Tuberkulose Impfung empfohlen?!?

      in Deutschland war die Impfung bis 1998 empfohlen, dann sah man immer wieder Komplikationen, worauf man das Impfen der Tuberkulose nicht mehr empfahl. Also es geht auch ohne zu Impfen einfach so plötzlich obwohl man hier bei der Tuberkulose bis 1998 allen Eltern Angst gemacht hat. Wo haben Sie Ihre Quelle das diese Impfung wieder eingeführt wird?

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  • 50er am 12.12.2019 08:27 Report Diesen Beitrag melden

    Masern gehabt!

    In der Umfrag fehlt der Knopf für "Ich hatte Masern". In meiner Generation machten alle Kinder diese Krankheit durch - und überlebten sie. Man hatte damit einen lebenslangen Schutz und die Mütter gaben den auch an die Säuglinge weiter. So erkrankten Kinder erst in einem Alter, in dem das Immunsystem damit fertig wurde. Und wir durften noch krank sein! Bei Masern musste man einige Tage im abgedunkelten Zimmer sein, die Eltern wussten, wie man mit der Krankheit umgehen musste. Erst die Impfung hat den stabilen Immunstatus der Bevölkerung zerstört.

    • Masern am 14.12.2019 06:00 Report Diesen Beitrag melden

      ich auch

      Danke, endlich jemand der es ausspricht.

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