Neue Erkenntnis

10. März 2016 21:43; Akt: 11.03.2016 08:05 Print

Zika-Virus schädigt auch Gehirne Erwachsener

Ein Mann ist plötzlich an einer Meningoenzephalitis erkrankt. Forscher vermuten das Zika-Virus als Auslöser. Es wäre der erste Fall dieser Art.

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In Süd- und Zentralamerika breitet sich das Zika-Virus derzeit rasant aus. Das Virus kann vor allem für Schwangere gefährlich werden. Es wird vermutet, dass es zu Missbildungen am Schädel beim Embryo führen kann. Im Bild: Die zwei Monate alte Ludmilla Hadassa Dias de Vasconcelos aus Recife, Brasilien. Betroffene Babys werden mit Mikrozephalie (Verringerung des Schädelvolumens) geboren. Im Bild: Ana Beatriz Martin aus Recife. Kopf-Tomogramme eines normal entwickelten Kindes und rechts eines Kindes mit Mikrozephalie. Betroffene Kinder sind häufig geistig behindert und leiden unter neurologischen Störungen, weil das Gehirn unterentwickelt ist. Im Bild: Die drei Monate alte Alice Vitoria Gomes Bezerra aus Recife. In Brasilien hat sich die Zahl der Verdachtsfälle seit Oktober 2015 dramatisch erhöht. Über 4860 Kinder sollen Ende Februar 2016 betroffen sein. Im Bild: Der fünf Monate alte David Henrique Ferreira aus dem Bundesstaat Pernambuco. In schweren Fällen sterben sie kurz nach der Geburt oder noch im Mutterleib. Im Bild: Die zwei Monate alte Rackelly Dias Alves aus Recife. Neben Brasilien sind vor allem Kolumbien, El Salvador, Französisch-Guayana, Guatemala, Haiti, Honduras, Martinique, Mexiko, Panama, Paraguay, Puerto Rico, Surinam und Venezuela betroffen. Im Bild: João Heitor Santana da Paz aus Recife. Die Diagnose Mikrozephalie bedeutet aber nicht zwangsläufig ein Todesurteil. Betroffene können durchaus das Erwachsenenalter erreichen. Im Bild: Der zwei Monate alte Jose Wesley aus Poco Fundo, Pernambuco. In den USA ist Lester «Beetlejuice» Green bekannt. Der kleinwüchsige Entertainer wurde mit Mikrozephalie geboren. Bekannt war auch Schlitzie. In politisch weniger korrekten Zeiten schaffte er es unter anderem mit einer Rolle im Film «Freaks» (1932) und Zirkusauftritten zu einiger Berühmtheit.

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Das in Lateinamerika grassierende Zika-Virus kann laut französischen Forschern offenbar nicht nur Gehirne von Ungeborenen, sondern auch von Erwachsenen schädigen. Die Wissenschaftler schilderten am Donnerstag in der Fachzeitschrift «New England Journal of Medicine»den Fall eines 81-jährigen Manns, der nach einer Kreuzfahrt im Januar in ein Krankenhaus in Créteil nahe Paris eingeliefert worden sei. In seiner Rückenmarksflüssigkeit sei das Zika-Virus gefunden worden.

Der vor seiner Kreuzfahrt im Pazifik völlig gesunde Patient habe unter hohem Fieber und Lähmungserscheinungen gelitten und sei zwischenzeitlich ins Koma gefallen, schrieb das Forscherteam. Bei ihm sei eine Meningoenzephalitis, eine Hirn- und Hirnhautentzündung, diagnostiziert worden. Mittlerweile gehe es ihm etwas besser.

«Zika könnte mit Meningoenzephalitis im Zusammenhang stehen»

«Das ist der erste Fall dieser Art, der nach unserer Kenntnis berichtet wurde», sagte der Ko-Autor der Studie, Guillaume Carteaux, der Nachrichtenagentur AFP. Als möglicher Auslöser sei ausser dem Zika-Virus kein anderes Virus oder anderer Infektionserreger festgestellt worden. Ein Beweis, dass Zika die Entzündung auslöste, ist dies noch nicht. Ärzte sollten sich aber der Möglichkeit bewusst sein, dass «Zika mit Meningoenzephalitis im Zusammenhang stehen» könnte, rieten die Forscher.

Am Dienstag hatte ein anderes französisches Forscherteam über einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Zika-Virus und schweren Rückenmarksentzündungen berichtet. Das Virus wurde demnach im Rückmark einer 15-Jährigen nachgewiesen, die Mitte Januar in die Universitätsklinik der Stadt Pointe-à-Pitre im französischen Überseegebiet Guadeloupe mit einer halbseitigen Lähmung eingeliefert worden war.

Diagnostiziert wurde eine schwere Rückenmarksentzündung, die zu einer Lähmung der Gliedmassen führen kann. Als Auslöser wurde das Zika-Virus identifiziert. Andere mögliche Auslöser der seltenen Krankheit konnten durch Bluttests ausgeschlossen werden.

Es gibt überdies deutliche Hinweise, das Zika das Guillain-Barré-Syndrom, eine schwere Nervenkrankheit, auslöst. Zika soll bei einer Infektion von Schwangeren bei deren ungeborenen Kindern Mikrozephalie, einen abnorm kleinen Kopf und damit zusammenhängende neurologische Schäden auslösen. US-Forscher fanden nach eigenen Angaben inzwischen den ersten Beweis für einen biologischen Zusammenhang.

1,5 Millionen Infektionen

Das unter anderem von der Ägyptischen Tigermücke übertragene Zika-Virus grassiert derzeit vor allem in Lateinamerika. Besonders betroffen ist Brasilien: Die Zahl der Zika-Infektionen wird dort auf 1,5 Millionen geschätzt.

Der Chef des US-Seuchenschutzzentrums, Tom Frieden, warnte derweil in Washington vor einer massiven Zika-Epidemie im US-Überseegebiet Puerto Rico. «Ich bin sehr besorgt, dass es, bevor das Jahr zu Ende ist, hunderttausende von Zika-Infektionen in Puerto Rico geben könnte und tausende infizierte Schwangere», sagte Frieden nach einem Besuch auf der Karibikinsel.

Die Gefahr für Ungeborene sei umso grösser, als in Puerto Rico die meisten Schwangerschaften «ungeplant, unbeabsichtigt» seien und es nicht ausreichend Zugang zu Verhütungsmitteln gebe.

(woz/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pralinchen am 11.03.2016 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    oje..

    Wenn ich diese Karten so anschaue, weiss ich, dass ich nie nach Afrika reisen möchte...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pralinchen am 11.03.2016 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    oje..

    Wenn ich diese Karten so anschaue, weiss ich, dass ich nie nach Afrika reisen möchte...