Vater des MRI

01. Dezember 2011 22:58; Akt: 01.12.2011 23:49 Print

«Meine Frau sagt, ich hätte oft abstruse Ideen»

von Beat Glogger - Nächste Woche werden in Stockholm die Nobelpreise verliehen. Vor 20 Jahren hat Richard Ernst den Preis für Chemie gewonnen. Er hat wesentlich zu einer der wichtigsten Untersuchungsmethoden der modernen Medizin beigetragen: dem MRI.

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Richard Ernst erhielt vor 20 Jahren den Nobelpreis für seinen Beitrag zur Entwicklung der Magnetresonanz-Tomographie. (Foto: Scitec/Istock)

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Herr Ernst, lagen Sie selber schon mal in der Röhre?
Mehrmals. Beim ersten Mal meinte der Arzt: «Ihr Kopf ist ganz normal. Warum haben Sie einen Nobelpreis bekommen?» Das war natürlich enttäuschend (lacht). Vor zwei Jahren fand man dann in meinem Hirn eine Verengung der Blutgefässe. Sie prognostizierten mir einen sehr angenehmen Tod: Die Welt werde irgendwann einfach vor meinen Augen verschwinden.

Kaum jemand denkt beim Begriff MRI an Ihren Namen. Stört Sie das?

Nein, ich habe das MRI schliesslich nicht erfunden, sondern nur wesentliche Grundlagen dazu beigesteuert. Wichtig ist mir, dass meine Forschung der Gesellschaft etwas gebracht hat. Das ist das, was ich immer wollte: etwas Nützliches leisten.

Sie sagten mal, «der Heiligenschein eines Nobelpreisträgers» sei nützlich. Wozu genau?
Ich habe in Stockholm eine Stimme be­kommen. Wissenschaftler müssen offen und ehrlich sein. Das versuche ich zu nutzen. Ich sage, was ich denke – auch zu Themen neben der Wissenschaft, wie zum Beispiel zu den Menschenrechten.

Was macht einen guten Wissenschaftler aus?
Ein guter Wissenschaftler muss vor allem selbstkritisch sein. Er darf sich nicht verlaufen, sondern muss Irrwege meiden. Auch Intuition spielt eine wichtige Rolle – plötzlich ist eine Idee da und man weiss nicht woher. Hier ist das Gefühl sehr wichtig.

Spielten solche Intuitionen in Ihrer Karriere eine Rolle?
Ja. Meine Frau sagt, ich hätte oft so abstruse Ideen. Die reichen von morbide bis hin zu obszön. Ich habe keine Ahnung, woher sie kommen. Mir gefällt das, denn meistens sind sie lustig. Und oft führen sie einen weiter.