Raumfahrt

24. Dezember 2008 11:56; Akt: 09.02.2010 18:39 Print

«Unheilvolle Einsamkeit des Mondes»

Aus einer Entfernung von rund 340 000 Kilometern von der Erde erklang Weihnachten 1968 die Schöpfungsgeschichte - vorgelesen aus der Bibel von den US-Astronauten Frank Borman, James Lovell und William Anders.

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Weihnachten 1968: Das erste Farbfoto der über dem Mondhorizont aufgehenden Erde (Bild: NASA)

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Die drei Astronauten umrundeten an den Weihnachtstagen vor 40 Jahren in ihrem Raumschiff «Apollo 8» als erste Menschen den Mond. Der Flug war eine Vorbereitung auf das grösste technische Abenteuer der Menschheit im 20. Jahrhundert, die Landung auf dem Mond, die gut ein halbes Jahr später erfolgen sollte.

Das Unternehmen «Apollo 8» war gleich in mehrfacher Hinsicht eine Premiere. Die Astronauten an Bord der kegelförmigen Raumkapsel waren die ersten Menschen, die das Gravitationsfeld der Erde verliessen. Niemals zuvor waren Menschen weiter von ihrem Heimatplaneten entfernt, und nie zuvor flogen sie schneller - die Spitzengeschwindigkeit betrug knapp 40 000 Kilometer pro Stunde oder elf Kilometer in der Sekunde.

Alles begann mit einer Katastrophe

Es war auch der erste bemannte Flug mit einer der neuen 110,60 Meter hohen Saturn-V-Raketen. Die mächtige dreistufige Trägerrakete war eigens zu dem Zweck gebaut worden, Astronauten auf den Mond zu bringen. Konstruiert wurde sie von Wernher von Braun. Der Start von «Apollo 8» erfolgte am 21. Dezember 1968 vom Raumfahrtzentrum Cape Canaveral in Florida. Es war erst der zweite bemannte Flug eines «Apollo»-Raumschiffs.

Begonnen hatte das «Apollo»-Projekt für die US-Weltraumbehörde NASA mit einer Katastrophe: Am 27. Januar 1967 verbrannten bei einem Test am Boden die Astronauten Edward White, Virgil Grissom und Roger Chaffee in der Kapsel «Apollo 1» auf der Spitze einer 60 Meter hohen Saturn-IB-Rakete. Das 1961 von Präsident John F. Kennedy postulierte Ziel, bis zum Ende des Jahrzehnts Menschen auf den Mond zu schicken, schien damit in weite Ferne gerückt zu sein.

Erste Todesopfer der US-Raumfahrt

Es waren die ersten Todesopfer, die die US-Raumfahrt zu beklagen hatte. Eine Untersuchungskommission kam zu dem Ergebnis, dass der Brand in der Kapsel vermutlich auf einen Kurzschluss zurückzuführen sei. Ausserdem wurden Sicherheitsmängel festgestellt. Als Konsequenz aus der Feuerkatastrophe wurden zahlreiche Konstruktionsänderungen am Raumschiff vorgenommen, ohne die drei Jahre später die Besatzung von «Apollo 13», deren Versorgungsteil während des Flugs zum Mond explodierte, wohl nicht mehr heil zur Erde hätte zurückkehren können.

Nach mehr als anderthalbjähriger Pause nahm die NASA im Oktober 1968 ihr bemanntes Raumflugprogramm wieder auf. «Apollo 7» umkreiste mit den Astronauten Walter Schirra, Don Eisele und Walter Cunningham in elf Tagen 163 Mal die Erde und legte dabei 7,25 Millionen Kilometer zurück.

Die Welt war am Fernsehen live dabei

Auch «Apollo 8» umrundete zunächst anderthalbmal die Erde, ehe das Triebwerk der dritten Stufe der Saturn-V-Rakete zündete und das Raumschiff auf die Fluchtgeschwindigkeit von knapp 40 000 Kilometern pro Stunde beschleunigte und es damit in Richtung Mond katapultierte. Die Weltöffentlichkeit konnte jeden Abschnitt des Unternehmens am Fernsehschirm verfolgen. Während des ganzen Fluges meldeten sich die Astronauten immer wieder mit Live-Übertragungen aus dem All.

Am Heiligen Abend schwenkte das Raumschiff schliesslich nach einem Flug von rund 340 000 Kilometern in eine Umlaufbahn um den Mond ein. Die drei Astronauten an Bord waren die ersten Menschen, die die Rückseite des Erdtrabanten mit eigenen Augen sehen konnten. «Apollo 8» umrundete während der Weihnachtstage zehn Mal den Mond in einer Höhe von bis zu 110 Kilometern. Dabei lieferten die Kameras faszinierende Bilder von der Oberfläche des Mondes.

Die Erde eine «leuchtende Oase in der Weite des Alls»

Die Astronauten schilderten in ihren Funksprüchen den Mond als einen unwirtlichen und abschreckenden Ort. Kommandant Borman sprach von einer «unheilvollen, ehrfurchtgebietenden Einsamkeit». Überschwänglich priesen die drei dagegen ihren Heimatplaneten, der wie eine «leuchtende Oase in der unendlichen Weite des Alls» erscheine. In anderen Vergleichen beschrieben sie die Erde als einen Edelstein auf schwarzem Samt.
Am 24. Dezember fotografierten sie zum ersten Mal die aufgehende Erde über dem Horizont des Mondes — ein Bild, das berühmt wurde.

Am 27. Dezember 1968 kehrten die Astronauten Borman, Lovell und Anders wohlbehalten zur Erde zurück. Die «Apollo»-Kapsel schwebte an drei grossen Fallschirmen herab und landete rund 1600 Kilometer südwestlich von Hawaii im Pazifik.

Nach Apollo wurde die Raumfahrt wieder erdnah

Bis zur ersten Mondlandung folgten noch zwei weitere Raumflüge. Am 21. Juli 1969 betraten schliesslich die «Apollo 11»-Astronauten Neil Armstrong und Edwin Aldrin als erste Menschen den Erdtrabanten. Damit gewannen die USA den Wettlauf zum Mond gegen die damalige Sowjetunion. Es folgten noch fünf weitere Mondlandungen, ehe das «Apollo»-Projekt im Dezember 1972 eingestellt wurde.

Mit dem anschliessenden Shuttle-Programm und dem Bau der Internationalen Raumstation (ISS) beschränkte sich die bemannte Raumfahrt nicht nur der USA in den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten auf den erdnahen Raum. Erst in jüngster Zeit ist der Mond wieder in den Blickpunkt gerückt. Die USA planen als Vorbereitung auf eine Landung von Astronauten auf dem Mars bis 2020 eine Rückkehr zum Mond.

Auch China will zum Mond

Seit 2003 mischt auch China mit einem eigenen Trägersystem in der bemannten Raumfahrt mit. Astronauten der Volksrepublik absolvierten im vergangenen September einen Aussenbordeinsatz im freien All - als dritte Nation überhaupt nach den USA und Russland. Und schon «in naher Zukunft» will Peking nach eigenen Angaben Astronauten auf den Mond schicken.

(ap)