1936 bis 2004

18. Dezember 2011 23:04; Akt: 18.12.2011 23:04 Print

15 Fotos, die die Welt veränderten

Es gibt Bilder, die sich in das kollektive Gedächtnis der Menschheit eingebrannt haben. Wir zeigen Ihnen eine ikonische Auswahl – mit spannenden Hintergrundinformationen.

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Dieses Foto des «Mannes mit Kapuze» und weitere Aufnahmen aus dem US-Gefängnis Abu Ghraib im Irak sorgten 2004 für einen Eklat, nachdem «The New Yorker» sie veröffentlicht hat. Der Folterskandal markiert den Abstieg der USA vom rechtschaffenen Weltpolizisten zu einer Supermacht, die vor allem ihre eigenen Interessen durchsetzen will. Die perversen Privatbilder der US-Soldaten deckten eine ganze Reihe von psychischer und physischer Folter von Kriegsgefangenen im Irak auf. Auch Vergewaltigung und Folter soll es dort gegeben haben. 17 GIs wurden supendiert, elf von ihnen angeklagt und verurteilt. Als Hauptschuldiger wurde Charles Garner (stehend) zu zehn Jahren Haft verdonnert. Seine damalige Verlobte Lynndie England musste drei jahre hinter Gitter. Zusammen mit Fotos aus dem US-Militärgefängnis in Guantanamo lösten die Bilder eine Diskussion über amerikanische Verhörmethoden aus. Viele schreckliche Fotos sind am 11. September 2001 entstanden. Wir haben uns für das Triptychon des französischen Fotografen Alexandre Fuchs entschieden, weil es die Endzeitstimmung nach dem Anschlag auf das World Trade Center einfängt. Im kollektiven Gedächtnis bleiben aber auch die Bilder der explodierenden Flugzeuge oder des Mannes, der in seiner Verzweiflung aus dem Hochhaus springt. . Diese «Ohrmaus» erstaunte 1995 die Welt, weil sie aussieht wie aus einem Hollywood-Film, aber ganz real ist. Seinen Namen verdankt das Tier dem Anästhesisten Dr. Charles Vacanti, der es zusammen mit der Biologin Dr. Linda Griffith erschaffen hat. Das Bild dokumentiert die Fortschritte und Auswüchse der Medizin. Am 5. Juni 1989 stellt sich ein Mann nahe des Tiananmen-Platzes vor eine Panzerkolonne. Selbst als sie ihn umkurven will, bleibt der Unbekannte hartnäckig. So wird der Chinese, genannt «Tank Man», zum Symbol friedlichen Widerstandes. Fotograf Jeff Widener macht das Bild aus rund 800 Meter Entfernung von seinem Hotelzimmer im sechsten Stock. Der Amerikaner Jeff Widener ging 1982 im Alter von 25 Jahren erstmals nach Brüssel und fotografierte fortan in über 100 Ländern. Er lebt heute in Hamburg. Auf diesem Bild spielen Kinder am 9. Juni 1989 in Peking mit einem Panzer, der während der Unruhen lahmgelegt worden war. Dieses Foto stammt vom Kriegsfotografen Steve McCurry. Der Amerikaner macht es im Dezember 1984 in einem pakistanischen Camp für Afghanen, die vor den Sowjets geflohen sind. Das Foto zeigt die damals zwölfjährige Sharbat Gula, die in dem Konflikt ihre Eltern verlor. Als «National Geographic» sie 1985 auf den Titel hebt, wird das Mädchen weltweit bekannt. Sharbat Gula heiratete und ging 1992 nach Afghanistan zurück. Bis Steve McCurry sie nach der Aufnahme wiedergefunden hatte, vergingen 17 Jahre: Ein «National Geographic»-Team und der Fotograf fanden sie anno 2002. McCurry wurde mehrfach ausgezeichnet und besonders dafür gelobt, dass er mit seinen Portraits dem Krieg ein Gesicht gebe. Nick Ut macht dieses Foto am 8. Juni 1972 beim vietnamesischen Dorf Trang Bang, das mit Napalm bombardiert wurde. Das Mädchen (Mitte) fuhr er anschliessend ins Spital. Der in Vietnam geborene Fotograf arbeitete seit fünf Jahren für die Nachrichtenagentur AP, als er im Alter von 21 Jahren jenes Bild schiesst, das um die Welt geht. Nick Ut bekam für das Foto den Pulitzerpreis. Mit ihm wurde auch das kleine Mädchen berühmt: Phan Thi Kim Phuc (Bild) verlor 30 Prozent ihrer Haut, aber sie überlebte. Die Vietnamesin gelangte über Umwege nach Kanada, wo sie noch heute mit ihrer Familie lebt und sich heute selbst für Kinder-Kriegsopfer einsetzt. Mit Ut soll sie noch immer Kontakt haben. Hier sehen Sie zwar nicht den ersten Mann auf den Mond, denn der hat dieses Foto gemacht. Neil Armstrong hält am 21. Juli 1969 fest, wie sein Landsmann Buzz Aldrin die Apollo 11 verlässt. Dieses Bild beendete ein Wettrennen zwischen der Sowjetunion und den USA, das enorm prestige- und kostenträchtig war. Amerika stand unter Zugzwang (Sputnik-Schock 1957) und musste seinen Erfolg zwölf Jahre später entsprechend dokumentieren. Auch dieses Bild von Apollo-8-Astronaut Bill Anders sorgte für Furore. Es zeigte 1968 erstmals einen Erdaufgang. Dieses und weitere Fotos von Lennart Nilsson hat die Menschheit noch nie gesehen, bis das «Life»-Magazin 1965 einen 16-seitigen Bericht inklusive Titelbild über die Arbeit des Schweden macht. Schon Lennart Nilssons Vater und Onkel waren Fotografen. Seine erste Kamera bekam der Skandinavier mit zwölf Jahren. Als in den Sechzigerjahren endoskopische Geräte erfunden wurden, nutzte Nilsson ab 1957 die neue Technik, um dort Fotos zu machen, wo nie ein (erwachsener) Mensch zuvor gewesen ist. Am 11. Juni 1963 entzündet sich Thich Quang Duc selbst. Der vietnamesische Mönch protestiert so gegen Massenverhaftungen von Buddhisten. Das Bild von Malcolm Browne wird Pressefoto des Jahres und geht um die Welt. Fotograf Malcolm Browne (Mitte) von der Nachrichtenagentur AP gewann 1964 den Pulitzerpreis für das Bild. Sein Kriegsreporter-Kollege David Halberstam (links) von der «New York Times» ist ebenfalls Pulitzerpreisträger. Er war bei der Selbstverbrennung des Mönches zugegen und schrieb dazu: «Während er brannte, bewegte er keinen einzigen Muskel, gab keinen Laut von sich und bildete damit durch seine sichtliche Gefasstheit einen scharfen Gegensatz zu den klagenden Leuten um ihn herum.» Am 15. August 1961, zwei Tage nach Beginn des Mauerbaus, richtete Fotograf Peter Leibing seine Kamera auf eine Stacheldrahtrolle, als sich kurz darauf der DDR-Grenzsoldat Conrad Schumann ein Herz fasst und in Berlin in die alliierte Zone springt. Das Bild wird danach zum Symbol der Teilung Deutschlands und des Kalten Krieges. Dem sächsischen Flüchlting Conrad Schumann brachte der Westen kein Glück. Er habe sich erst nach dem Mauerfall 1989 nicht mehr von der Stasi verfolgt gefühlt, sagte der Maschineneinrichter. Doch auch danach blieb er unglücklich. Er erhängte sich 1998. 2009 wurde in Berlin ihm zu Ehren das Denkmal «Mauerspringer» an der Gedenkstätte Bernauer Strasse eingeweiht. In den Wirren und Schrecken des Krieges sind Motive hochwillkommen, die für Zerstreuung und Glück stehen. Der spontane Schnappschuss entstand, nachdem US-Präsident Harry Truman am 2. August 1945 die Kapitulation Japans bekannt macht. Alfred Eisenstaedt, der für das «Life»-Magazin fotografierte, schrieb in seinem Buch über das Bild: «Ich sah einen Matrosen durch die Strassen laufen, der sich jedes Mädchen in Sichtweite gegriffen hat. Ob sie nun Grossmutter, beleibt, dünn oder alt war, machte keinen Unterschied.» Jahrzehnte später sagte unter anderem dieser Mann, er sei der Matrose gewesen. Sein Name ist Glenn McDuffie, der hier anno 2007 zu sehen ist. Die Schlacht von Iwo Jima im Februar 1945 war der erste US-Angriff auf stark befestigtes japanisches Mutterland. Von den sechs Soldaten auf dem Bild sind drei gefallen. Die anderen wurden von der Front abgezogen, um in den USA für Kriegsanleihen zu werben. Armee-Fotograf Jan Rosenthal bekommt für dieses Foto, das den Aufbruch in die amerikanische Nachkriegsära markiert, 1945 den Pulitzer-Preis für Fotografie. Tatsächlich zeigt das so beühmte Bild die zweite Aufstellung der Flagge. In Tat und Wahrheit hatten US-Soldaten zuvor diese Flagge gehisst, die später durch eine grössere ersetzt wurde. Es war wohl das erste Mal, dass ein Unglück derart gut dokumentiert wird. Innert 47 Sekunden verpufft der Stolz der deutschen Luftfahrt vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Neben 35 Menschen starb in Lakehurst, New Jersey, USA, auch die Ära der Zeppeline. Das Deutsche Reich hatte für seinen Zeppelin kräftig die PR-Trommel gerührt: Mit der Hindenburg wollte es seine technische Überlegenheit beweisen. Fotograf Murray Becker von der Nachrichtenagentur AP wird am 6. Mai 1937 mit einem Routinejob gerechnet haben. Zusammen mit 21 weiteren Kameraleuten war er zur Landung gekommen, die statt einer Leistungsschau zum Disaster wird. Im März 1936 sieht Fotografin Dorothea Lange die Erntehelferin Florence Owens Thompson mit ihren sieben Kindern und macht dieses Foto. Das Bild gilt als Symbol für die Zeit der grossen Depression und bitteren Armut. Es veranlasste, dass Lebensmittel an die darbende Bevölkerung in und um San Francisco geliefert wurden. Das Originalbild ist etwas breiter, wurde aber beschnitten, weil Lange aus Versehen den Finger auf der Linse hatte. »). Das Foto von Robert Capa sorgt deshalb für Aufsehen, weil es quasi erstmalig für die breite Öffentlichkeit das Sterben festhält. Es wird im September 1936 in den französischen Magazinen «Vu» und «Regards» sowie im Juli 1937 in der amerikanischen «Life» abgedruckt (Zur Bildstrecke: «7»). Der 1913 in Budapest geborene jüdische Kriegsreporter Robert Capa schoss am 5. September 1936 während des Spanischen Bürgerkrieges das Foto, das einen Republikaner zeigt, der von Frankisten getötet wird. Doch ob der Gefallene wirklich wie behauptet ein Mann namens Federico Borrell García ist, ist heute umstritten.

Fehler gesehen?

Welche historischen Fotos sind ihren Betrachtern im Gedächtnis haften geblieben und somit zu einem Symbol geworden? Die Auswahl war schwer, wie das Beispiel Hiroshima zeigt. Natürlich war der Abwurf der amerikanischen Atombombe ein Einschnitt in der Geschichte, aber welche Aufnahme repräsentiert die Zerstörung? Diejenige, die die Ruinen des Ortes zeigt? Oder das Bild, das die Air Force vom Atompilz machte? Könnten Sie es von anderen Fotos unterscheiden, die den Pilz von Atomtests zeigen?

Ähnlich verhält es sich mit heiklen historischen Themen wie dem Holocaust. Es gibt zahlreiche verstörende Bilder der Konzentrationslager, von ausgemergelten Häftlingen und menschlichem Elend, aber nicht «das eine», das für alle steht. Das bekannte Portraitfoto Anne Franks wäre diesem Anspruch noch am ehesten gerecht geworden. Um menschliches Elend geht es auch bei den bedrückenden Bildern von Hungersnöten wie im Sudan. Das Problem: Die Aufnahmen verschmelzen im Kopf mit anderen Hungerfotos, so dass am Ende kein Bild als Archetyp dienen kann.

Die Grenzen bei so einer Bewertung sind aber selbstverständlich fliessend. Was Szenen mit eingefallenen, unterernährten afrikanischen Kindern heute leider nicht mehr schaffen, hat 1984 ein Portrait eines afghanischen Flüchtlingsmädchens, das Sie in obiger Bildstrecke finden, noch bewirkt: nämlich einer humanitären Katastrophe ein Gesicht zu geben.

In unserer Auswahl von 15 Aufnahmen finden Sie Hintergrundinformationen zu Motiven und Fotografen.

(phi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fizei am 19.12.2011 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsch

    Das Ohr wurde der Maus auf den Rücken transplantiert. Hat überhaupt nichts mit Gentechnologie zu tun. Wird von den Gegnern aber immer wieder dazu benutzt.

    einklappen einklappen
  • Yannic Meier am 20.12.2011 10:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cover

    Das bild mit dem brennenden mönchen ist auch das cover von rage against the machine

  • Yannick Bammert am 19.12.2011 01:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Sehr schöne Bilderreihe, es gäbe natürlich noch einige weitere wichtige Fotografien aber eine solche Zusammenstellung wäre wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Bilder sagen halt wirklick mehr als Worte.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Yannic Meier am 20.12.2011 10:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cover

    Das bild mit dem brennenden mönchen ist auch das cover von rage against the machine

  • Philippe am 20.12.2011 08:09 Report Diesen Beitrag melden

    Et le français ??

    vous ne pouvez pas prendre la peine d'écrire ou de réecrire ces articles en français ?? merci !

  • Fizei am 19.12.2011 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsch

    Das Ohr wurde der Maus auf den Rücken transplantiert. Hat überhaupt nichts mit Gentechnologie zu tun. Wird von den Gegnern aber immer wieder dazu benutzt.

    • dfadfas am 19.12.2011 16:50 Report Diesen Beitrag melden

      adfadf

      sicher hats mit gentechnologie zu tun du vollpfosten das ohr wurde dieser maus eingepflanzt und das ohr ist dann angewachsen nicht einfach transplantiert habt ihr das nicht in der schule durchgenommen?

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  • Kosovare am 19.12.2011 02:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verändert?

    Naja wirklich hat sich die Welt nicht verändert. Die Banken sind die Geldgeber,die Politiker tun es im Namen der Freiheit und Gerechtigkeit,die Religion wird als Fundamentalismus ausgenutzt und die einfachen Menschen arbeiten dafür ohne es zu wissen. Der wirkliche Frieden kommt vom Herzen und nicht vom Bauch oder Kopfstatistiken. Ein bisschen Hoffnung ist noch da, Trotzdem Frohe Festtage an jene die etwas zum feiern haben.

  • Yannick Bammert am 19.12.2011 01:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Sehr schöne Bilderreihe, es gäbe natürlich noch einige weitere wichtige Fotografien aber eine solche Zusammenstellung wäre wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Bilder sagen halt wirklick mehr als Worte.