Tödlicher Irrtum

04. März 2015 09:23; Akt: 04.03.2015 13:17 Print

Als US-Bomben auf die Schweiz fielen

In der Nacht auf den 4. März 1945 entluden US-Bomber ihre tödliche Fracht über Basel und Zürich. Fünf Menschen verloren ihr Leben.

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Obwohl sich die Schweiz, so gut es ging, aus den Wirren des Zweiten Weltkriegs heraushielt, gehörte Fliegeralarm auch hierzulande zum Alltag jener Jahre, besonders in den Grenzkantonen. Und es waren keineswegs nur Fehlalarme. Die Schweiz wurde dutzende Male von amerikanischen und britischen Bomben getroffen, neunmal gab es Tote oder Verletzte zu beklagen. Der fatalste Angriff ereignete sich dabei am 1. April 1944 in Schaffhausen. 40 Menschen verloren das Leben, als US-Bomber die Stadt rechts des Rheins ins Visier nahmen. Insgesamt forderten alliierte Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg hierzulande 84 Tote.

Im letzten Kriegsjahr 1945 wurde die Schweiz noch zweimal Ziel alliierter Bomben. Am 22. Februar trafen 11 Sprengbomben Stein am Rhein im Kanton Schaffhausen. Die Schäden am historischen Kern des Städtchens waren enorm. 9 Menschen wurden getötet, 33 verletzt und 54 obdachlos.

Gleichentags trafen die Bomben auch Neuhausen am Rheinfall, wo eine Person starb, sowie das zürcherische Rafz, wo eine achtköpfige Familie im Bombenhagel ihren Tod fand. Als Grund, weshalb an diesem Tag Bomben auf die Schweiz fielen, gaben die Alliierten Navigationsfehler an.

Bomben auf Zürich

Am 4. März waren es dann Zürich und Basel, die das Ziel fehlgeleiteter US-Bomben wurden. Am Rheinknie gingen um 10.13 Uhr die Bomben über dem Güterbahnhof nieder. Teile des Gundeli-Quartiers wurden in Schutt und Asche gelegt und auch ein Personenzug, der von Basel nach Olten fuhr, wurde getroffen. Angesichts der Zerstörung (siehe Bildstrecke) grenzt es an ein Wunder, dass keine Todesopfer zu beklagen waren. Offenbar hatten die vom Kurs abgekommenen Piloten Basel mit Freiburg im Breisgau verwechselt.

Um 10.19 Uhr tauchten dann aus Richtung Winterthur kommend sechs amerikanische Liberator-Bomber am Himmel über Zürich auf. Über dem Gebiet der Landwirtschaftlichen Schule Strickhof im Zürcher Quartier Unterstrass warfen sie 50 Bomben von je 225 Kilogramm Gewicht und sechs Brandsätze ab.

Über 50 Häuser wurden zum Teil massiv beschädigt. Die zwei Häuser Frohburgstrasse 186 und In der Hub 16 wurden total zerstört. Fünf Bewohner konnten nur noch tot geborgen werden. 15 Personen wurden verletzt. Auch sie wurden Opfer eines Navigationsfehlers. Die unerfahrenen Mannschaften hatten im schlechten Wetter Zürich für das badische Pforzheim gehalten.

Prozess in England

Ein amerikanischer Pilot und ein Navigator mussten sich später vor einem Kriegsgericht verantworten. Ihnen wurde grobe Fahrlässigkeit beim Bombardieren einer neutralen Nation vorgeworfen. Ihr Verhalten wurde in der zweitägigen Verhandlung zwar als fahrlässig eingestuft, schliesslich wurden sie aber freigesprochen, da nach Ansicht des Gerichts Wetterverhältnisse und technische Defekte zu dem fatalen Irrtum geführt hätten.

Dass diese alliierten Bombardierungen «Vergeltungsschläge» für Schweizer Geschäfte mit Nazideutschland gewesen sein sollten, was lange Zeit von gewissen Kreisen vermutet wurde, kann nach heutigem Wissenstand definitiv ausgeschlossen werden. Untersuchungen zeitgenössischer Dokumente in amerikanischen und britischen Archiven haben zweifelsfrei ergeben, dass es sich bei allen Angriffen auf die Schweiz um tragische Irrtümer handelte.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • keve am 04.03.2015 09:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wieso 

    wenn die amerikaner und die britten so drauf sind unsere fehler betr banken aufzuzeigen und millionen abzukassieren, wieso kann dann das die schweiz nicht für diesen irrtum oder die ganzen Spionage wo die usa betreibt? ach ich vergass, unsere Regierung ist zu schwach dafür

  • K.Naller am 04.03.2015 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Who knows.

    Ob diese Bombardierung nun "irrtümlich" war.. oder als Warnung an die Schweiz gedacht auf grund vorgängiger Waffenlieferungen aus Oerlikon an Deutschland.. nun .. wer weiss das schon. Offiziell wird es wohl immer ein "Malheur" bleiben.

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  • Rico Scheen am 04.03.2015 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz damals

    Kann mir jemand sagen, warum diese Bomber nicht abgefangen wurden? Die Schweiz unterhielt in der dieser Zeit (1945) eine gute Luftwaffe. Und viele Bomber, welche in die Schweiz flohen wurden zu Landeplätzen begleitet.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jürg Ackermann am 05.03.2015 02:42 Report Diesen Beitrag melden

    Absicht, kein Versehen

    Mein Vater erzählte mir, dass ein vorgesehener Gauleiter für die Schweiz in der Nähe des Strickhofs wohnte. Darum warfen die Amerikaner die Bomben auf Zürich. Es war kein Versehen sondern Absicht.

  • Onkle Sam am 04.03.2015 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fair bleiben

    Hallo, bitte fair bleiben. Ich bin absolut kein Ami Fan, aber diese haben schlussendlich wesentlich zum Ende des 2. Weltkrieges beigetragen und das mit erheblichen Menschen- und Materialverlusten.

  • Navigator am 04.03.2015 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    und die Tradition wird weiter gepflegt..

    Den Piloten eines "Dreamlifters" ist beim Landeanflug ein schwerer Navigationsfehler unterlaufen. 2013 Auf dem falschen Flugpatz gelandet. Ich habe eigentlich ein spezifisches Ereignis gesucht, die erhaltene Liste ist aber beinahe unendlich lang.

  • Granit Viric am 04.03.2015 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schon passiert

    Die schweiz bekam für den Luftangriff in Schaffhausen schon 40 Millionen Franken. Wenn man die Inflation dazurechnet, wird das schon eine beträchtliche Summe sein.

  • Eugen Mahler am 04.03.2015 19:15 Report Diesen Beitrag melden

    Reparationszahlungen

    Wo bleiben die Reparationszahlungen egal ob Irrtum oder nicht?