Prohibition

27. Januar 2019 08:05; Akt: 27.01.2019 08:05 Print

Als in den USA der Alkohol verboten wurde

von Rolf Maag - Vor 100 Jahren wurde in den USA die Verfassungsgrundlage für die Prohibition geschaffen. Das Alkoholverbot wurde ein riesiger Misserfolg.

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«Er ist schlimmer als Krieg oder Pest. Er ist das Verbrechen aller Verbrechen. Und dieser Inkarnation des Teufels eine Lizenz zu erteilen, ist das schmutzigste, niedrigste und verdammteste Geschäft auf dieser alten Erde. Es gibt nichts Vergleichbares.»

So wetterte der Laienprediger Billy Sunday gegen den Saloon und damit gegen den Alkohol. Am 29. Januar 1919 hatte er Grund zur Euphorie, denn an diesem Tag hatten genügend US-Staaten den 18. Verfassungszusatz ratifiziert, der die Herstellung und den Verkauf von Alkohol unter Strafe stellte. Ein Jahr später wurde er umgesetzt.

Feindliche Industrie

Schon während des 19. Jahrhunderts hatten vor allem religiöse Kreise für ein Alkoholverbot geworben, waren damit aber nicht durchgekommen. Das änderte sich mit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg am 6. April 1917. Nun hiess es, das Getreide, das zur Herstellung von alkoholischen Getränken verwendet wurde, werde zur Ernährung der Truppen benötigt.

Ausserdem waren die meisten Schnapsbrennereien im Besitz von jüdischen Immigranten, während viele Bierbrauereien von Deutschamerikanern betrieben wurden. Wer den Alkoholkonsum verdammte, konnte sich somit sowohl den vermeintlich raffgierigen Juden als auch den Bier trinkenden Horden des deutschen Kaisers moralisch überlegen wähnen. «Ich greife keine amerikanische Institution an. Ich greife ein ausländisches Geschäft an», sagte John Newton Tillman, ein Kongressabgeordneter aus Arkansas, 1917 vor dem Repräsentantenhaus.

Ausnahmen

Ein Problem bei der Umsetzung der Prohibition waren die zahlreichen Ausnahmen, die das Gesetz vorsah. Alkohol durfte nämlich weiterhin für industrielle, medizinische und rituelle Zwecke produziert und konsumiert werden. Das hatte zum Beispiel die kuriose Folge, dass Ärzte bald schon jährlich rund 300'000 Rezepte für Whisky ausstellten, weil er angeblich zur Therapie von Krankheiten erforderlich war.

Illegale Herstellung und Schmuggel

Zudem entstanden nicht nur zahllose illegale Brennereien und Brauereien, sondern alkoholische Getränke wurden auch in grossem Stil über die fast 9000 Kilometer lange kanadisch-amerikanische Grenze geschmuggelt. Die Behörde, die das Gesetz durchsetzen sollte, das Prohibition Bureau, war personell hoffnungslos unterbesetzt. Weil die Beamten dazu auch noch schlecht verdienten, drückten sie gern ein Auge zu, wenn sie dafür ein paar Scheine erhielten.

Natürlich entwickelte sich unter diesen Umständen der Handel mit Alkohol zu einer wahren Goldgrube für Verbrecher. Der berühmteste von ihnen, Al Capone, verdiente zu Spitzenzeiten 60 bis 100 Millionen Dollar pro Jahr.

Speakeasies

Konsumiert wurde die ungesetzliche Ware in den «Speakeasy» genannten illegalen Bars und Clubs, die überall im Land wie Pilze aus dem Boden schossen. Was sich dort abspielte, trieb den Moralaposteln, die die Prohibition erzwungen hatten, die Zornesröte ins Gesicht. Zur Kundschaft zählten nämlich auch immer mehr Frauen, die zuvor in den Kneipen kaum präsent gewesen waren. In den Speakeasies führten sie sich höchst «unweiblich» auf: Sie tranken Alkohol, rauchten Zigaretten und legten zu Jazzklängen sinnliche Tänze aufs Parkett. Dabei waren ihre Partner nicht selten schwarze Männer, was damals als unerhört galt.

Das Ende

Auch konservative Amerikaner mussten nun einsehen, dass die Prohibition nicht nur erfolglos war, sondern auch einen Wertewandel bewirkte, der nicht in ihrem Interesse lag. Am 5. Dezember 1933 wurde der 21. Verfassungszusatz erlassen, der den 18. aufhob. Einige Staaten hielten aber weiterhin an der Prohibition fest. Der letzte, der sie beerdigte, war 1966 Mississippi.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hänne am 27.01.2019 09:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Guter Artikel

    Danke für den interessanten Artikel! Gerne mehr von dieser Sorte!!

  • Isodor am 27.01.2019 08:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eh voila

    Wird dem Volk der Alkohol verboten, drehen alle durch, bei allen anderen Drogen scheint das nichts auszumachen und jeder sagt ja zum Verbot.... Seltsam oder? :)

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  • Oerlikoner am 27.01.2019 08:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Bild 2

    werden etwa mannshohe Behaelter gezeigt, von denen jeder angeblich knapp 57 Kubikmeter Inhalt gehabt haben soll?!? Als Ueberschlagsrechnung: selbst wenn sie nur 3m x 3m x 3m gross waeren, haetten sie gerade mal 27 Kubikmeter...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Prost am 31.01.2019 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Verbot von Alkohol

    Es war nicht verboten, während der Prohibition Alkohol zu trinken. Das Gesetz verbot lediglich die Herstellung, den Verkauf und den Transport von berauschenden Likören - nicht deren Verbrauch.

  • ;) am 28.01.2019 15:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da sieht man mal

    Verbietet man Cannabis, gibt es paar Demos und das wars. Verbietet man Alkohol, endet es im Kugelhagel... was sagt das über die Konsumenten? :)

  • Blasius am 28.01.2019 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reich

    Dadurch sind einige Amerikaner sehr reich geworden, u.a. auch ein ehemaliger US Präsident!

  • Phil am 28.01.2019 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Dieses Beispiel.....

    zeigt uns auf anschauliche Weise wie nutzlos und kontraproduktiv Verbote von Seite der Politik letztendlich sind. Das Zauberwort lautet "Freiwillig", aber dazu benötigt man keine Politiker, keinen Staat, keine ausufernden Gesetze und keine Menschen die anderen am Zeug flicken. Erwachsene, selbstbestimmte und freie Menschen sind von der Politik nicht erwünscht, sie könnten plötzlich auf den Gedanken kommen die Gesellschaft auf freiheitlicher Basis untereinander zu regeln, was all jene Moralprediger aus der Politik von einem Tag auf den anderen arbeitslos machen würde.

  • vinc am 27.01.2019 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    w la droga

    Alle Drogen legalisieren, ist das sinnvollste...

    • Der Türst am 28.01.2019 11:34 Report Diesen Beitrag melden

      Spannende Idee

      Finde ich auch, nur müsste dann das bei der Krankenkasse mit rauchen und Alkohol zusammen angegeben und dem entsprechend mit höheren Prämien abgegolten werden. Damit können alle, die Drogenschäden haben auch adäquat behandelt werden.

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