Unverhoffte Attraktion

13. März 2016 08:14; Akt: 13.03.2016 08:14 Print

Als plötzlich ein 81-Meter-U-Boot am Strand lag

Die Leute von Hastings rieben sich die Augen an jenem Aprilmorgen 1919: Am Strand vor dem Queens Hotel war ein deutsches U-Boot angeschwemmt worden.

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Am 15. April 1919 um 0.45 wurde das englische Seebad Hastings um eine Touristenattraktion reicher, um die es nicht gebeten hatte. Das deutsche U-Boot SM U 118 strandete zu diesem Zeitpunkt direkt vor dem Queens Hotel an der berühmten fünf Kilometer langen Strandpromenade. In der Folge zog es Tausende von Schaulustigen an.

Das U-Boot befand sich eigentlich auf dem Weg zur Verschrottung. Es war nach dem Ende des Ersten Weltkriegs als Kriegsbeute an Frankreich gegangen. Doch in einem Sturm auf dem Ärmelkanal rissen die Schlepptrosse, worauf das U-Boot auf den Strand von Hastings geworfen wurde.

Die Schaulustigen kamen von nah und fern, um das 81 Meter lange Minenleger-U-Boot zu bestaunen. Die britische Admiralität erteilte den Stadtbehörden daraufhin die Genehmigung, gegen eine Gebühr die Leute auch ins Innere des U-Boots zu lassen. So kamen insgesamt 300 Pfund zusammen, mit denen ein Fest für heimkehrende Soldaten ausgerichtet wurde.

Mysteriöse Todesfälle

Für wichtige Gäste wurden sogar zwei Mitglieder der Küstenwache mit Führungen betraut, was fatale Folgen hatte. Die beiden Männer wurden schwer krank und starben kurz nacheinander. Die Führungen wurden sofort gestoppt. Erst später kam man hinter die Todesursache. Aus den Schiffsbatterien strömte Chlorgas aus, was bei den Männern zu schweren Abszessen in Lunge und Hirn führte.

Die Franzosen versuchten das U-Boot wieder freizukriegen. Doch der Einsatz von drei Schleppern blieb erfolglos, worauf ein französischer Zerstörer auf das U-Boot schoss, um es zu zerkleinern. Bei den Bewohnern von Hastings kam das weniger gut an, lag doch das Wrack an einem öffentlichen Strand direkt vor einem Hotel.

Schliesslich beschloss man, das Wrack an Ort und Stelle zu verschrotten. Nicht zuletzt darum, weil sich die örtliche Jugend einen Spass daraus machte, Nacht für Nacht Steine gegen das Wrack zu werfen und damit die braven Bürger von Hastings um ihren wohlverdienten Schlaf zu bringen. Und so blieben Ende Dezember 1919 vom ungebetenen Gast nur noch die Erinnerung und einige höchst eindrückliche Fotos.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • K. Kuster am 13.03.2016 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr von dem, weniger Klatsch, bitte.

    Stellt Euch mal vor wie es wäre, wenn dieses Blatt sämtlichen Klatsch und Tratsch durch Informationen und interessante historische Geschichten ersetzen würde. Ein Traum! Dann käme nämlich der Erste Artikel über Spiess-Hegglin, wenn ich schon lange Tod bin. Ein Traum!

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  • M.I.B am 13.03.2016 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Besten Dank, für den Beitrag.

  • Herbi am 13.03.2016 09:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Super beitrag! Gerne mehr davon ;)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefanie Reber am 14.03.2016 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopfschüttel...

    Was bitteschön hat eine "Schlagzeile" von 1919 in der "Tagespresse" von heute zu suchen??

  • Roman M. am 13.03.2016 20:46 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte um Aufklärung

    Chlor hat doch eigentlich einen starken Eigengeruch, den man kaum unbemerkt einatmen kann. Sehe ich das falsch oder war die Dosierung zu gering in der Luft um nur bei langem Aufenthalt diese schweren Schäden in den Atemwegen zu verursachen?

    • txtDealer am 14.03.2016 04:00 Report Diesen Beitrag melden

      chlor nicht gleich chlor :)

      Trichlormethan (Chloroform) hat eher einen süsslichem geruch. Das, was die meisten als "riecht nach Chlor" bezeichnen, ist in Wirklichkeit der Geruch der Hypochlorigen Säure welche in kleinen mengen deutlich zu riechen ist. Chlorgas selbst riecht ganz anders - und die wenigsten werden diesen Geruch kennen. Ev gibts ja noch ein chemiker hier der das genauer deuten kann, ist ja nur mein hobby :D

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  • Forsti am 13.03.2016 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    U-Boot bau

    Man kann geteilter Meinung sein über die Deutschen. Aber die haben schon vor hundert Jahren solch grosse U-Boote gebaut. In der Schweiz brächte man das wohl heute noch nicht fertig oder würde zuerst hundert Jahre diskutieren ob es nötig ist oder nicht.

    • Peter P. am 13.03.2016 19:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Forsti

      Und das obwohl die Schweizer Marine in der ganzen Welt bekannt ist :D

    • El Gitano am 13.03.2016 21:33 Report Diesen Beitrag melden

      Faltboote

      Na ja, bei der berühmten Schweizer Gebirgsmarine hätten sie bestenfalls nur Faltboote hingekriegt. Und bei Made in Switzerland hätten diese Faltboote dann bei jeder anderen Gebirgsmarine reissenden Absatz gefunden.

    • ein Mitbürger am 14.03.2016 11:51 Report Diesen Beitrag melden

      @Forsti

      Ich finde es auch sehr schade, dass wir nicht wenigstens ein 150m U-Boot in der Aare irgendwo zwischen zwei Kraftwerken haben... :-)

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  • Babtist am 13.03.2016 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    U-Boot

    könnte man nicht eine Rubrik machen,wo es auch um Historische,wenn auch Skuriele oder Mysteriöse Berichte aus dem In oder Ausland sich zugetragen haben.Ich glaube,das Interresse wäre da,und die Leser hätten auch eigene Spannende Geschichten zu erzählen!Bitte weiterverfolgen.

  • Thomi Balder am 13.03.2016 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Guter Beitrag

    Wow, faszinierende Story, die mich sehr gefesselt hat. Macht weiter so und bringt mehr solche spannende, geschichtsträchtige Beiträge und weniger Gossip und möchte-gern-Servelat-Promi-Zeugs, dass eh nur ein paar Aussenseiter interessiert.