Unsterbliche Zellen

08. Februar 2016 19:00; Akt: 08.02.2016 19:00 Print

Auch tot rettet sie immer noch Leben

Henrietta Lacks war arm, schwarz und ungebildet. Und doch schrieb sie Medizingeschichte – allerdings unfreiwillig.

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Heftige Bauchschmerzen lassen Henrietta Lacks Anfang des Jahres 1951 das Johns-Hopkins-Spital in Baltimore aufsuchen. Dass sie kaum acht Monate später an Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) sterben würde, weiss sie da noch nicht.

Auch, dass sie in der Klinik nicht nur behandelt, sondern ihr zu Forschungszwecken auch noch Gewebe entnommen werden würde, ahnt sie nicht. Denn auf der Station für farbige Frauen, wo die Behandlung kostenlos ist, fragt die Patientinnen niemand um Erlaubnis. Die Patienten sollten wenigstens der Forschung dienen, wird sich Lacks Arzt, Howard Jones, später einmal rechtfertigen.

Erfreulich unerwartet

Jones schickt die am 8. Februar genommenen Proben an das Labor des Wissenschaftlers George Otto Gey, der sie in ein Gemisch aus Hühnerplasma, einem Extrakt aus Kalbsembryonen und menschlichem Nabelschnurblut gibt und im Kühlschrank versorgt. Sein Ziel: Die Zellen zum Vermehren bringen – etwas, was bis dato noch niemanden gelungen ist.

Und tatsächlich: Die Zellen, die Gey mit «HeLa» – die Anfangsbuchstaben der Patientin – angeschrieben hat, wachsen nicht nur, sondern verdoppeln sich auch über Nacht. Schon kurz darauf verfügt der Wissenschaftler über Millionen menschlicher Zellen. Erstmals in der Medizingeschichte kann ausgiebig an solchen geforscht werden – und zwar weltweit, denn Gey teilt seinen Schatz mit forschenden Kollegen.

Des einen Freund ist des anderen Leid

Und diese nutzen die Möglichkeiten, die die HeLa-Zellen ihnen bieten: So werden sie in der Folge unter anderem mit Mumps, Masern, Windpocken, Tuberkulose und HIV infiziert und bei Atombombentests starker Strahlung ausgesetzt. Henrietta Lacks' Zellen ist es auch zu verdanken, dass es heute einen Impfstoff gegen Kinderlähmung gibt. Auch die Ursache für Krankheiten wie Trisomie-21 konnte mit ihrer Hilfe gefunden werden.

Denn obwohl es sich bei den HeLa-Zellen um bösartige Krebszellen handelt, tragen sie viele elementare Eigenschaften von gesunden Zellen – wie die Funktionsweise von Genen oder die Produktion von Eiweissen.

Was für die Forschung ein Glücksfall werden sollte, ist für Henrietta Lacks eine Tragödie. Denn die so widerstandsfähigen Tumorzellen bringen ihr den Tod. Sie stirbt am 4. Oktober 1951.


Millionen von Menschen verdanken Henrietta Lacks ihr Leben.
(Video: Youtube/CBS News)

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lee Laa am 08.02.2016 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Danke HeLa das es dich gab.

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  • Christian Smith am 08.02.2016 19:35 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    mit nur 31 Jahren .... vielen Dank HeLA

  • Biologe am 08.02.2016 22:03 Report Diesen Beitrag melden

    Verwendet im Biologieunterricht

    Ich habe selber als Biologiestudent mit HeLa Zellen gearbeitet. Von dort kenne ich die Story, denn schon in den 80er Jahren gab's Wissenschaftler die uns auf die Tragödie dieser Frau aufmerksam machten, um uns Student daran zu erinnern, mit diesen Zellen kein Unfug zu machen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Max Hes. am 09.02.2016 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr alt

    Ich erinnere mich daran irgendwo mal gelesen zu haben, dass diese Zellen quasi unsterblich sind. Deswegen kann man auch heute noch - nach fast 70 Jahren - immer noch an ihnen forschen.

    • Sandra am 09.02.2016 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Max Hes.

      Diese Zellen sind potentiell unsterblich. Es sind Krebszellen und die vermehren sich schnell und unkontrolliert. In unserem Körper entsteht Krebs, weil ein Protoonkogen zum Onkogen mutiert ist. Es gibt dann keine körpereigene Kontrolle mehr (Immunsystem erkennt dann die entarteten Zellen nicht und kann keine Apoptose einleiten). Da aber diese Zellen in der Forschung durchaus ihren Vorteil haben, bin ich froh gibt es sie. Mit Krebszellen kann man monoklonale Antikörper basteln.

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  • K.Ritiker am 09.02.2016 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Die Lorbeeren gehören doch aber

    eindeutig Howard Jones!

    • Margrit am 09.02.2016 10:25 Report Diesen Beitrag melden

      Lorbeeren für den Dieb

      Nein, denn er hat aus lauter Bequemlichkeit unethisch gehandelt. Das Resultat hätte er auch auf anständige Weise aus einer freiwilligen Spende erhalten können.

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  • Biologe am 08.02.2016 22:03 Report Diesen Beitrag melden

    Verwendet im Biologieunterricht

    Ich habe selber als Biologiestudent mit HeLa Zellen gearbeitet. Von dort kenne ich die Story, denn schon in den 80er Jahren gab's Wissenschaftler die uns auf die Tragödie dieser Frau aufmerksam machten, um uns Student daran zu erinnern, mit diesen Zellen kein Unfug zu machen.

  • Ursi am 08.02.2016 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nun weiss ich,

    Warum ich vor Impfungen immer Angst hatte. Kann ja nicht gut gehen mit Krebszellen Impfungen zu machen.

    • Arabella Schmieder am 08.02.2016 20:49 Report Diesen Beitrag melden

      Unangebrachte Impf"kritik"

      Hallo Ursi, ich verstehe deinen "logischen" Schluss nicht. Was haben denn die Zellen von Henrietta Lacks mit Krebs-Impfungen zu tun? Und wo kommt das in diesem Artikel vor? Nicht gerade eine Steilvorlage für "Impfkritik"...wenn es zudem damals schon eine Impfung gegeben hätte gegen Gebärmutterhalskrebs, würde Henrietta noch leben - und nicht nur ihre Zellen...

    • Pascal s am 08.02.2016 20:52 Report Diesen Beitrag melden

      Nein absolut nicht

      Es werden ja auch keine zellen geimpft sondern Mittel an zellen getestet.

    • sk am 08.02.2016 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Arabella Schmieder

      wenn der hp virus ausgebrochen ist nützt auch keine impfung mehr!!

    • Pizzaface am 09.02.2016 00:06 Report Diesen Beitrag melden

      @sk HPV

      Die Impfung nützt sowieso nichts... den Beleg dafür bekommt die Gesellschaft in den nächsten 20-30 Jahren.

    • Sabrina am 09.02.2016 04:16 Report Diesen Beitrag melden

      Impfgegner

      Sehr schön wie man hier sieht, wie Impfgegner echt überall etwas suchen, was gegen Impfungen spricht, dabei aber wegen des geringen Intellekts nicht fähig sind richtig zu lesen.

    • Chris am 09.02.2016 05:43 Report Diesen Beitrag melden

      Ursi

      Das ist jetzt etwas peinlich, Ursi. Wenn du schon kritisierst, dann informiere dich wenigstens richtig

    • Bull am 09.02.2016 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Arabella Schmieder

      Arabella S. und wie kommst du darauf dass sonst Henrietta noch leben würde, sie wäre weit über 90zig (wenn)!

    • baerbeisser am 09.02.2016 08:57 Report Diesen Beitrag melden

      @Pizzaface

      Klar, man impft ja erst seit gestern und es hat ja noch niiie was genützt. Oh, wait...

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  • Christian Smith am 08.02.2016 19:35 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    mit nur 31 Jahren .... vielen Dank HeLA