Erste Bundesrätin

08. Dezember 2013 22:15; Akt: 08.12.2013 22:26 Print

Das Telefonat, das Kopp die Karriere kostete

Vor 25 Jahren musste die erste Frau im Bundesrat ihren Hut nehmen. Ein Telefongespräch mit ihrem Mann war Elisabeth Kopp zum Verhängnis geworden.

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Die erste Frau im Bundesrat: Elisabeth Kopp, FDP-Nationalrätin aus Zürich, wird am 2. Oktober 1984 vereidigt. In ihrem Wohnort Zumikon, wo sie bis zu ihrer Wahl in den Bundesrat auch Gemeindepräsidentin war, wird sie am selben Abend mit grossem Applaus empfangen. Kurz darauf nimmt sie an ihrer ersten Sitzung als Bundesrätin teil. Moritz Leuenberger, damals Nationalrat und später Vorsitzender der Parlamentarischen Untersuchungskommission zur Kopp-Affäre, im Gespräch mit der Bundesrätin während der Herbstsession 1986. Am 12. Dezember 1988 trat Elisabeth Kopp zurück. Sie stolperte über ein Telefongespräch mit ihrem Mann, Anwalt Hans W. Kopp. Darin warnte sie ihn über Ermittlungen wegen Geldwäscherei gegen die Firma Shakarchi, bei der er im Verwaltungsrat sass. Ihr Nachfolger im Bundesrat wurde Kaspar Villiger (links), der sich gegen seinen Kollegen Franz Steinegger (rechts) durchsetzten konnte. Elisabeth Kopp - hier mit ihrem Mann Hans W. Kopp am 2. Februar 1990 vor dem Bundesstrafgericht in Lausanne - wurde vom Vorwurf der Amtsgeheimnisverletzung freigesprochen. Auch das Verfahren gegen Shakarchi wurde eingestellt. Nach Jahren der gesellschaftlichen Ächtung trat Elisabeth Kopp in den letzten Jahren wieder vermehrt öffentlich auf. Hier am 3. März 2007 mit Ruth Dreifuss, der zweiten Frau im Bundesrat. Die SP-Politikerin wurde 1993 gewählt. Anlässlich einer Session mit Schülerinnen und Schülern kehrte Elisabeth Kopp am 25. Februar 2010 für eine Ansprache in den Nationalratssaal in Bern zurück. Elisabeth Kopp mit Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf bei der Feier 40 Jahre Frauenstimmrecht am 6. Juni 2011. Widmer-Schlumpfs Vater Leon Schlumpf war zur gleichen Zeit wie Elisabeth Kopp im Bundesrat.

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Der tiefe Fall der 1984 gewählten ersten Frau in der Landesregierung bahnt sich im Herbst 1987 an. Damals werden im Tessin Ermittlungen gegen Jean und Barkev Magharian wegen Waschens von Drogengeldern aufgenommen. Mit dem libanesischen Bruderpaar gerät auch die Shakarchi Trading AG ins Visier der Justiz. Im Verwaltungsrat der Zürcher Devisen- und Goldhandelsfirma von Mohamed Shakarchi amtiert ein prominentes Mitglied als Vizepräsident: Anwalt und Bundesratsgatte Hans W. Kopp.

Im Juli 1988 werden die beiden Libanesen in Zürich festgenommen. Am 27. Oktober des gleichen Jahres informiert Justizministerin Kopp ihren Ehemann telefonisch, dass die Shakarchi Trading ebenfalls der Drogengeldwäscherei verdächtigt wird. Noch am gleichen Tag tritt Hans W. Kopp aus dem Verwaltungsrat zurück.

Anfang November berichtet der «Tages-Anzeiger» erstmals über die «Libanon-Connection». Nach und nach enthüllt die Presse Details. Die Grossbanken, die Zürcher Behörden, die Bundesanwaltschaft und Kopp geraten unter Beschuss. Vor allem das Unvermögen der Bundesrätin, Fehler einzugestehen, bringt sie unter Rücktrittsdruck.

Fataler Telefonanruf

Zwei Tage nach ihrer Wahl zur Vizepräsidentin gibt sie am 9. Dezember im Bundesrat endlich zu, ihren Mann gewarnt zu haben. Am 12. Dezember kündigt Kopp den Abgang aus der Landesregierung auf Ende Februar 1989 an. Vor den Medien gibt sie sich unbeirrt: «Mich trifft weder rechtlich noch moralisch irgendeine Schuld.» Ein «kurzes Telefongespräch» habe «übergrosse Bedeutung» erlangt.

Die Landesregierung beauftragt Hans Hungerbühler als Besonderen Staatsanwalt mit einem gerichtspolizeilichen Ermittlungsverfahren im EJPD. Hungerbühler äussert am 11. Januar 1989 den dringenden Verdacht, dass die Bundesrätin und zwei ihrer Mitarbeiterinnen das Amtsgeheimnis verletzt hätten. Er verlangt die Aufhebung der Immunität von Elisabeth Kopp. Tags darauf tritt die damals 52-Jährige mit sofortiger Wirkung von ihrem Amt zurück.

Am 31. Januar 1989 setzen National- und Ständerat jene Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) ein, die später unter dem Vorsitz des nachmaligen Bundesrats Moritz Leuenberger den Fichenskandal beim Staatsschutz aufdecken sollte. Elisabeth Kopp wird bescheinigt, ihr Amt «kompetent, umsichtig und mit Engagement» geführt zu haben.

Im Herbst 1989 wird gegen Elisabeth Kopp Anklage wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses erhoben. Das Bundesstrafgericht spricht die Ex-Bundesrätin am 23. Februar 1990 von diesem Vorwurf frei. Die Ermittlungen der Zürcher Justiz gegen Shakarchi wegen des Verdachts auf Geldwäscherei werden eingestellt.

«Unten durch»

Trotzdem bleiben die einstigen Vorzeigemitglieder des Zürcher Freisinns geächtete Personen. Der früher als «Medienpapst» und TV-Talkmaster bekannte Hans W. Kopp wird 1991 wegen Betrugs und Urkundenfälschung im Zusammenhang mit der Pleite seiner Risikokapitalgesellschaft Trans-KB zu einem Jahr Gefängnis bedingt verurteilt und verliert das Anwaltspatent. Das Paar gerät in finanzielle Schieflage, es kommt zu Betreibungen in Millionenhöhe. Die Zwangsversteigerung ihrer 11-Millionen-Villa an der Zürcher Goldküste können die Kopps mehrmals nur knapp abwenden.

Am 28. Januar 2009 stirbt Hans W. Kopp 77-jährig, ohne je in die Öffentlichkeit zurückgefunden zu haben. Auch Elisabeth Kopp meidet nach ihrem Rücktritt lange Zeit öffentliche Auftritte. Sie arbeitet zunächst als Europarecht-Spezialistin in der Anwaltskanzlei ihres Mannes. In den letzten Jahren tritt sie auch als Referentin zu politischen Themen auf. Am 16. Dezember wird sie 77 Jahre alt.

Die Affäre Kopp ist in mehreren Büchern und Filmen aufgearbeitet worden. So inspirierte sie Mark M. Rissi 1990 zum Kinothriller «Der Gatte». Im selben Jahr erschien das Buch «Kopp & Kopp» von Catherine Duttweiler, 2004 «Abgewählt - Frauen an der Macht leben gefährlich» von Esther Girsberger. 2006 kam der Dokumentarfilm «Elisabeth Kopp - Eine Winterreise» von Andreas Brütsch in die Kinos, und am 12. Dezember 2013, am 25. Jahrestag des Rücktritts, erscheint die Biografie «Elisabeth Kopp» des designierten «Blick»-Chefredaktors René Lüchinger.

(lmm/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Walter R am 09.12.2013 02:48 Report Diesen Beitrag melden

    Es gäbe noch weitere...

    Es gäbe noch weitere, aktuelle Bundesrätinnen, die der Schweiz einen grossen Dienst erweisen würden, wenn sie zurücktreten würden.

    einklappen einklappen
  • Oettli Alex am 08.12.2013 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    Es war einmal.

    Lasst doch Frau Kopp, in Ruhe, wir haben ganz andere sorgen .

    einklappen einklappen
  • Franz Painlisch am 09.12.2013 01:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ruhe

    Ich mag mich erinnern: eine leidige und peinliche Angelegenheit. Heute würde Frauebenq nicht mehr davon gejagt werden. Was sich die "Sieben in Bern" bisher geleister haben, geht unter keiner Kuhhaut! Lasst diese Frau endlich mal in Ruhe!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Heinz Bättig am 09.12.2013 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Unrecht

    Von den Vorwürfen gegen Frau Kopp ist nichts übrig geblieben, im nachhinein war's wohl einfach eine Hexenjagd gegen eine sehr kompetente Bundesrätin. Schade für die Schweiz.

  • Hans am 09.12.2013 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Kopp`s Telefonat

    Muss wirklich wieder über das leidige Thema geschrieben werden,kann man Frau Kopp nicht in Ruhe lassen. Sie wäre mir noch heute lieber im Bundesrat,als alle anderen wo dort sitzen.

  • John am 09.12.2013 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Frau Kopp

    Die Erste, Beste, Einzige Frau, die das BR nie gehabt haben. Sie hat das schweizer Volk vertreten. Die Nachfolge... amn kann sie vergessen.

  • Mäder Heinz am 09.12.2013 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unsere beste Frau in Bern aller Zeiten!

    Sämtliche Gegner von damals, können noch heute nicht eingestehen, dass den Kopp's keine Schuld traf! Sie war die beste Bundesrätin aller Zeiten?? Leider hatte Sie zu viele Neider!

  • PeterPan am 09.12.2013 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Euer Ehren: Keine weiteren Fragen!

    Meine Frage damals wie auch Heute: Werden Telefonate vom Bundesräten prinzipiell abgehört und aufgezeichnet? Oder nur dieser eine, so als purer Zufall?