Horst Faas

11. Mai 2012 11:43; Akt: 11.05.2012 12:48 Print

Der Fotograf ist tot – die Bilder leben

Er machte Fotojournalismus der besten Sorte: Der Deutsche Horst Faas brachte Bilder aus dem Vietnamkrieg, die aufwühlten und vielfach ausgezeichnet wurden. Jetzt ist er mit 79 Jahren gestorben.

Bildstrecke im Grossformat »
Für die US-Nachrichtenagentur AP leitete Horst Faas ab 1962 in Saigon die Bildberichterstattung aus dem Vietnamkrieg. 19. März 1964: Ein Vater hält sein totes Kind in den Armen und zeigt es südvietnamesischen Soldaten. 27. November 1965: Nach einem Kampf im Viet Cong bei der Michelin Gummiplantage liegen tote US- und Vietnamsoldaten auf einem Weg. Ein Aufräumer schützt sich vor dem Gestank. April 1969: Eine Vietnamesin aus dem Süden trauert um ihren toten Ehemann, der zusammen mit 47 anderen Leichen in einem Massengrab in der Nähe von Hue gefunden wurde. Juni 1965: Geschockte Überlebende eines Angriffs in Dong Xoai in Angst und Schrecken. 9. Januar 1964: Ein südvietnamesischer Soldat westlich von Saigon schlägt einen Bauern, der mit den Nordvietnamesen kollaboriert haben soll. März 1965: Soldaten in US-Army-Helikopter beschiessen vietnamesischen Boden, um den Vorstoss der Truppen des Südens zu unterstützen. Diese wollen ein Camp der Viet-Cong-Soldaten in Tay Ninh angreifen. 30. März 1965: Verletzten Vietnamesen wird in Saigon nach einer Bombenexplosion vor der US-Botschaft erste Hilfe geleistet. 1. Januar 1966: Frauen und Kinder verstecken sich in Bao Trai in einem Sumpf vor den Nordvietnamesen. März 1973: Amerikanische Kriegsgefangene im Internierungslager von Ly Nam De in Hanoi im Norden Vietnams. August 1962: Südvietnamesische Soldaten schlafen in einem US-Lastwagen. Sie sind auf dem Rückweg in die Provinzhauptstadt Ca Mau. 15. Juli 1966: Nachdem ein CH-46 Helikopter in der neutralen Zone zwischen Nord und Süd abgeschossen wurde und am Boden zerschellte, bringen sich US-Marines in Sicherheit. 2. April 1967: Ein toter US-Soldat auf dem Schlachtfeld in Vietnam. 16. Januar 1966: US-Leutnant George Eyster aus Florida wird von Kollegen auf die Bahre gehievt, nachdem er in Trung Lap von Vietkong-Scharfschützen angeschossen wurde. Dezember 1965: US-Soldaten begleiten vietnamesische Schulkinder und Frauen, die in ihr Dorf Xuan Dien zurückkehren. Januar 1965: Südvietnamesische und amerikanische Soldaten ruhen sich nach einer kalten Nacht im Dschungel von Binh Gia aus. Sie erwarten einen Angriff der Nordvietnamesen, der aber nie eintritt. 11. Mai 1965: Näher kann man nicht ran. Fotograf Horst Faas versucht in Vietnam auf einen US-Helikopter zu gelangen. Er steckt im überfluteten Schilf fest. Faas war auch in anderen Kriegsgebieten unterwegs, wie zum Beispiel im Kongo. 26. Januar 1961: Kongolesische Helfer verteilen Menschen im Spital von Miabi in Süd-Kasai gedörrten Fisch und Palmenöl. 28. November 1961: Kongolesische Kindersoldaten in improvisierten Uniformen werden in Elisabethville im Kongo mit hölzernen Gewehren ausgebildet und gedrillt. 26. Januar 1961: Ein krankes und hungriges Baluba-Kind im Spital Miabi in Süd-Kasai im Kongo. 18. Dezember 1971: Zuvorderst beim Geschehen - wie hier im unabhängig gewordenen Bangladesh. Bengalen foltern und töten anschliessend vier Männer, die verdächtigt wurden, mit den Pakistani kollaboriert zu haben. 4. Mai 1962: Ein Kind mit Spielzeuggewehr spaziert mit seiner Mutter dem Bastille Palast in Oran, Algerien entlang - beobachtet von französischen Soldaten. 14. Juni 1974: Der ägyptische Präsident Anwar Sadat und US-Präsident Richard Nixon bei den Pyramiden von Gizeh in Kairo. Oktober 1974: Mohammed Ali vor seinem Kampf gegen George Foreman in Zaire. Von Horst Faas gibt es viele Porträts: Hier im Einsatz in Südvietnam. Mai 1968: Horst Faas mit seiner Fotokamera in Saigon. Faas in Ca Mau, Vietnam. März 1998: Horst Faas (links) und AP-Chef von Saigon Richard Pyle posieren in Laos, wo 1971 ein Helikopter abgestürzt ist und vier Vietnamkrieg-Fotografen getötet wurden. 1967: Alles durch die Linse. «Horst Faas war ein Gigant in der Welt des Fotojournalismus. Sein ausserordentliches Engagement beim Erzählen schwieriger Geschichten war einzigartig und bemerkenswert», sagte AP-Vizepräsident Santiago Lyon. Nach Komplikationen mit Medikamenten war Faas seit 2005 von der Hüfte abwärts gelähmt. Seit 2008 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zusehends, seit Februar lag er im Krankenhaus. Im Mai 2012 ist er gestorben.

Fehler gesehen?

Der 1933 in Berlin geborene Horst Faas galt als einer der profiliertesten Fotojournalisten weltweit. Gleich zweimal wurde er mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet: 1965 für seine Arbeit während des Krieges in Vietnam und 1972, zusammen mit Michel Laurent, für Bilder von der Ermordung Angehöriger der Bihari-Minderheit in Dakar in Bangladesch. Der auch sozial stark engagierte langjährige Fotoreporter und Bildredakteur der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) starb am Donnerstag im Alter von 79 Jahren in München.

Faas begann seine Karriere 1951 bei der Bildagentur Keystone in München. 1952 wechselte er zur AP, für die er danach an den Brennpunkten der Welt fotografierte. Von 1963 bis 1974 leitete er die AP-Fotoredaktion in Saigon und berichtete damit praktisch über den gesamten Verlauf des Vietnam-Krieges. 1976 wurde er AP-Fotochef für Europa, Afrika und den Nahen Osten in London.

In Vietnam fast gestorben

Im Dezember 1967 wurde Faas in Südvietnam selbst schwer verwundet und wäre ohne die Hilfe eines Sanitäters wohl verblutet. Danach konnte er zunächst nur noch an Krücken gehen und nicht selbst im Februar 1968 über die Tet-Offensive berichten. Stattdessen koordinierte er vom Büros aus die Bildberichterstattung. AP-Fotograf Eddie Adams kam dabei mit einem der berühmtesten Bilder des Krieges zurück: Wie der südvietnamesische Polizeichef einen gefangenen Vietcong auf einer Strasse in Saigon erschiesst. Zusammen mit AP-Reporter Peter Arnett produzierte Faas Reportagen, etwa über eine Einheit, die sich weigerte, gegen den Feind vorzugehen.

Faas ging es aber nicht nur um die Bilder, er engagierte sich auch stark für den Nachwuchs und bildete in Vietnam viele Fotografen aus, darunter auch viele Vietnamesen. Sein Auftrag an sie lautete, mit «guten Bildern» zurückzukommen. Zu seinen Schülern gehörte auch Huynh Cong «Nick» Ut, der für sein weltweit bekannt gewordenes Bild eines schwer verbrannten vietnamesischen Mädchens, das vor einem Napalmangriff flieht, 1972 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde.

Schwer erkrankt in Vietnam

Später widmete sich Faas über die Tagesarbeit hinaus den Schicksalen von in Vietnam und Indochina getöteten oder verschollenen Kollegen. Er veröffentlichte die Bücher «Lost over Laos» und zusammen mit Tim Page den Bildband «Requiem». Auf seiner letzten Reise nach Vietnam, wo er sich auch nach seiner Pensionierung sozial engagierte und den beruflichen Nachwuchs förderte, erkrankte Faas schwer. Er war seitdem querschnittsgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Trotzdem reiste er noch 2005 und 2008 zweimal in die USA.

Faas wurde 2005 mit dem Dr.-Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) ausgezeichnet. Der Preis gilt als höchste Auszeichnung in der deutschen Fotografie. Faas wurde so für sein Lebenswerk als AP-Fotoreporter und Bildredakteur sowie für sein soziales Engagement geehrt.

Fass hinterlässt seine Frau Ursula und seine Tochter Clare.

(kub/ap)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Magal am 12.05.2012 08:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krieg ist die Hölle 

    Der Fotograf bringt das gut zum Ausdruck.Nur lernt die Menschheit etwas daraus? Ich denke nicht. Der Mensch wird sich selbst zerstören. Eine allzu menschliche Eigenschaft wie man sieht..

  • N.t. am 11.05.2012 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so traurig, aber die pure Realität 

    Das gefährlichste Lebewesen auf dieser Erde ist der Mensch. Die Bilder sollten jeden zum nachdenken anregen. Warum machen wir uns gegenseitig kaputt? Leben und leben lassen.

  • Heinz Balmer am 11.05.2012 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wahre Bilder

    Furchtbar, was Menschen anderen Menschen antun können.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • p.k. am 13.05.2012 23:40 Report Diesen Beitrag melden

    ich bin traurig

    ich hatte das glück ihn persönlich zu kennen, einer der liebenswürdigsten und spannendsten menschen.

  • maister am 12.05.2012 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    respekt

    wow, atemberaubend die bilder.Leider hört es nie auf mit dem Krieg.

    • Phil am 13.05.2012 16:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Doch doch!

      ...doch, am Ende der Zeit. ;-) Die Hoffnung stirbt zuletzt.

    einklappen einklappen
  • Magal am 12.05.2012 08:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krieg ist die Hölle 

    Der Fotograf bringt das gut zum Ausdruck.Nur lernt die Menschheit etwas daraus? Ich denke nicht. Der Mensch wird sich selbst zerstören. Eine allzu menschliche Eigenschaft wie man sieht..

  • N.t. am 11.05.2012 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so traurig, aber die pure Realität 

    Das gefährlichste Lebewesen auf dieser Erde ist der Mensch. Die Bilder sollten jeden zum nachdenken anregen. Warum machen wir uns gegenseitig kaputt? Leben und leben lassen.

  • Philip Birmi am 11.05.2012 21:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Wow, atemberaubende Bilder