Norman G. Baker

02. Januar 2020 20:25; Akt: 02.01.2020 20:25 Print

Er gab sich als Heiler aus und tötete 40 Menschen

Das Crescent Hotel & Spa in Eureka Springs gilt als Amerikas gruseligstes Hotel. Nun hat sich dort tatsächlich der Horror der Vergangenheit gemeldet.

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Krebs ist auch ohne Schulmedizin heilbar – dieses Versprechen von Norman G. Baker, Leiter des Baker Hospitals in Eureka Springs, lockte zwischen 1938 und 1940 viele Kranke ... ... in die Ozark Mountains im US-Bundesstaat Arkansas. Die meisten verstanden ihren Besuch in der Institution als letzte Möglichkeit, dem Krebstod zu entkommen. Doch ... ... für mindestens 40 von ihnen sollte es die letzte Station werden. Sie starben in der Obhut von Baker. Was keiner der Heilungsuchenden ahnte: Sie waren mit Baker einem Scharlatan aufgesessen, der in den herrschaftlichen Räumen keine Genesung vorantreiben, sondern sich offenbar lediglich bereichern wollte. Norman G. Baker verfügte über kein medizinisches Fachwissen. Vor der Eröffnung seines Spitals hatte er sein Geld als Jahrmarktkünstler, Radiochef und Magazinherausgeber verdient. Zudem gilt er als der Erfinder des Calliaphone, einer mit Luft betriebenen Dampforgel. Über seinen Radiosender KTNT («Know the Naked Truth») verbreitete Baker in erster Linie seine Ansichten. Er schimpfte mit Vorliebe über Juden und Katholiken, die Fluoridierung von Trinkwasser und die Schulmedizin – bis man ihm 1931 wegen der «Nutzung einer obszönen und unanständigen Sprache» die Lizenz entzog. Die Themen behandelte er auch in dem von ihm publizierten Magazin «TNT» (The Naked Truth). In beiden Medien machte Baker Werbung für sein Krebsmittel, das er bei seinen Vorträgen im ganzen Land den Anwesenden auch gleich einflösste – gegen Bezahlung natürlich. Doch in «America's most beautiful hospital-resort» wurden den Patienten keine Wirkstoffe verabreicht, sondern Mixturen aus Maisbart, Rotklee, gemahlenen Melonenkernen, Pfefferminze und Glycerin. Gerüchten zufolge war auch Phenol beigemischt. Das ist der Stoff, mit dem später Nazi-Ärzte KZ-Häftlinge ermordeten. (Im Bild: Speisesaal des Spitals) Ob die Mittel nur wirkungslos gegen Krebs waren oder auch zum Ableben der Patienten beitrugen, könnte sich bald endgültig klären. Im Garten des ehemaligen Spitals, das heute ein Hotel ist und ... ... dank seiner düsteren Geschichte als gruseligstes Hotel in Amerika gilt, ... ... wurden im Jahr 2019 bei Gartenarbeiten Gefässe aus der Baker-Ära gefunden. Dass zwischen dem aktuellen Fund und dem Treiben Bakers ein Zusammenhang besteht, war einem Hotelmitarbeiter aufgefallen. Er hatte bemerkt, dass die gefundenen Behältnisse den Abbildungen auf einem Werbeplakat aus der Zeit ähneln Bislang haben die hinzugezogenen Archäologen rund 400 bis 500 Objekte ausgegraben. Neben den Gläsern auch medizinische Messlöffel, Medikamente, Chemikalien, ... ...eine Knochensäge sowie einige 16-Millimeter-Filmrollen. Die seien zwar stark beschädigt, doch auf einem Stück hätten sie den Schriftzug «Before Baker Treatment» (Vor der Baker-Behandlung) entziffern können, so die Archäologen. Wahrscheinlich seien es alte Werbefilme. Ob einige der Behältnisse tatsächlich wie vermutet menschliches Gewebe und Tumoren enthalten, müssen Analysen zeigen. Ein Teil der geborgenen Proben wurde bereits ins Labor geschickt. Die Forscher gehen davon aus, dass Baker die Objekte, die er wohl allesamt zur Vermarktung genutzt hat, vergaben hat, als er 1940 wegen Betrugs verurteilt und sein Hotel geschlossen wurde.

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Sie waren auf der Suche nach einem neuen Platz für den Kompost, als unter der Schaufel ihres kleinen Baggers plötzlich alte Glasbehälter auftauchten – kleine Fläschchen und Schraubgläser. Manche waren mit Flüssigkeit gefüllt, andere mit Pulvern oder Pillen. Und wieder andere mit etwas, was wie menschliches Gewebe aussah.

Möglich, dass den Gärtnern in diesem Moment ein gehöriger Schreck in die Glieder fuhr. Schliesslich befanden sie sich auf dem Grund des 1886 Crescent Hotel & Spa in Eureka Springs im US-Bundesstaat Arkansas, dem laut Medienberichten gruseligsten Hotel der USA.

Dunkle Geschichte

Ihren Ruf verdankt die 3-Stern-Herberge in den düsteren Ozark Mountains jenen zwei Jahren, in denen sie als letzte Hoffnung für Krebskranke aus ganz Amerika fungierte – den zwei Jahren, in denen hier Norman G. Baker sein Unwesen trieb.

Als er 1938 das Baker Hospital eröffnete, war Baker bereits eine Berühmtheit. In jungen Jahren war der aus Muscatine im US-Bundesstaat Iowa stammende Mann als Jahrmarktkünstler umhergereist, mit Anfang 30 erfand er das Calliaphone, eine mit Luft betriebene Dampforgel, die sich äusserst gut verkaufte.

Rassist und Schulmedizinverweigerer

1925, im Alter von 43 Jahren, gründete er seine eigene Radiostation: KTNT («Know the Naked Truth» – Kenne die nackte Wahrheit). Darüber verbreitete Baker in erster Linie seine Ansichten. Er schimpfte über Juden und Katholiken, die Fluoridierung von Trinkwasser und die Schulmedizin. Alles Themen, die er auch in dem von ihm publizierten Magazin «TNT» (The Naked Truth) behandelte.

In beiden Medien machte Baker Werbung für sein Krebsmittel, das er bei seinen Vorträgen im ganzen Land den Anwesenden auch gleich einflösste – gegen Zahlung einer stattlichen Summe, versteht sich.

Von wegen Krebsmedikament

1931 entzog man Baker wegen der «Verwendung einer obszönen und unanständigen Sprache» die Lizenz für seinen Radiosender. Doch der Abgestrafte setzte sich nach Mexiko ab, wo er weiter funkte und hetzte. Zu hören waren seine Tiraden auch in weiten Teilen der USA. Und auch seine Heilungsversprechen hatten sich weiterverbreitet. Deshalb standen die Krebspatienten Schlange, als er 1938 sein Spital eröffnete.

Geheilt hat Baker wohl keinen einzigen von ihnen. Seine selbst kreierten Mittel enthielten gemäss den Originalrezepten lediglich Maisbart, Rotklee, gemahlene Melonenkerne, Pfefferminze und Glycerin. Gerüchten zufolge war auch Phenol beigemischt. Das ist der Stoff, mit dem später Nazi-Ärzte KZ-Häftlinge ermordeten.

Tumoren, Knochensäge, Chemikalien

Ob die Mittel nur wirkungslos gegen Krebs waren oder auch zum Ableben der Patienten beitrugen, könnte sich bald endgültig klären. «Die von den Gärtnern gefundenen Gefässe stammen aus der Zeit Bakers», sagt Michael Evans, Archäologe des Arkansas Archeological Survey. Wahrscheinlich habe Baker sie vergraben, als er 1940 wegen Betrugs verurteilt und sein Hotel geschlossen worden war.

Evans war zum Fundort gerufen worden, nachdem ein Hotelmitarbeiter bemerkt hatte, dass die Behältnisse den Abbildungen auf einem Werbeplakat aus der Baker-Ära ähneln (siehe Bildstrecke).

Bislang haben Evans und seine Kollegen rund 400 bis 500 Objekte ausgegraben, neben den Gläsern auch medizinische Messlöffel, Medikamente, Chemikalien, eine Knochensäge sowie einige 16-Millimeter-Filmrollen. Die seien zwar stark beschädigt, doch auf einem Stück hätten sie den Schriftzug «Before Baker Treatment» (vor der Baker-Behandlung) entziffern können, so der Archäologe. Wahrscheinlich seien es alte Werbefilme.

Ob einige der Behältnisse tatsächlich wie vermutet menschliches Gewebe und Tumoren enthalten, müssen Analysen zeigen. Ein Teil der geborgenen Proben wurde bereits ins Labor geschickt. «Die meisten Fundstücke belassen wir dort. Sie werden mit einer Glasscheibe bedeckt», so Evans. Die Spuktouren durchs Hotel sollen so eine neue Attraktion bekommen.

Norman G. Baker starb 1958 in Miami an Leberzirrhose.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kaa73 am 02.01.2020 22:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ....

    Könnten nicht täglich oder mind. wöchentlich, solche oder ähnliche, geschichtsträchtigen Artikel kommen? Wär ne "nette" Abwechslung....

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  • Neumann am 02.01.2020 23:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja

    Guter Artikel, bitte mehr davon und dafür weniger Mord-Totschlag und Loredana-Schrott.

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  • Butterblüemli am 02.01.2020 22:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Finde es einen interessanten Bericht. Bitte mehr davon.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ogi am 07.01.2020 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, interessant, aber..

    Müssen es immer Geschichten aus Amerika sein? Bieten die Schweiz und Europa in dieser Hinsicht etwa nicht genug? Die Antwort, liebe Leser, ist einfach: nichts von dem, was ihr hier lest, ist selbst recherchiert, sondern einfach bei einem US-Blatt abgeschrieben und übersetzt.

  • Ratzapak am 04.01.2020 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    Postbetrug

    Wissenswert ist auch, dass Normann G. Baker erst 1941 verurteilt wurde, nicht wegen Scharlantanerie, sondern wegen Postbetrug. Als er 3 Jahre im Gefängnis sass wurde sein Hotel und seine Radiostation geschlossen. In 1946 wollte er eine Forschungsinstitut gründen, was ihm verboten wurde. Er starb 1958.

    • Manu J. am 05.01.2020 22:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ratzapak

      Hört sich voll an als wollte man einfach NICHTS weiteres in Sachen Scharlatanerie aufwühlen was sonst noch so in der Welt lief.. Sonst hätts, was nun Heute läuft, schon damals gegeben und 10j nach Ende des WW2 wär direkt WW3 Bürgerkrieg losgegangen! Das haben die erfolgreich auf Heute verschoben..

    einklappen einklappen
  • Real am 04.01.2020 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Real Doc

    Und das gleiche treiben heutige Scharlatane u.a. im Internet und ohne Strafe zu fürchten.... die Mythen, dass die "Schulmedizin" böse ist und nicht wirksam, werden so am Leben erhalten. Vgl. die unsägliche Impfdiskussion und vieles andere!

    • Curandero am 04.01.2020 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Real

      ist leider so. ich beschäftige mich zwar intensiv mit Naturheilkunde und schamanistischer Heilkunst. ich kann auch einiges behandeln, aber im Zweifelsfall ist für mich die "Schulmedizin" immer noch die bessere Wahl. weil ich meine Grenzen kenne.

    • Manu J. am 05.01.2020 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Curandero

      Warum kennen immer nur die Guten ihre Grenzen..

    einklappen einklappen
  • MadChengi am 03.01.2020 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Profit schlagen aus der Verzweiflung

    Ein fieser Film zum Thema "Der Mondmann" von Jim Carrey über die tragische Komikerlegende Andy Kaufmann.

  • Anna-Maria am 03.01.2020 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Berner Heiler

    Hat Maurice Galié aus Bern auch getan und zig Leute mit HIV infiziert. - Warum die Leute jedoch so leichtgläubig sind, würde mich schon interessieren.