Mafiamassaker

14. Februar 2016 17:31; Akt: 14.02.2016 17:31 Print

Der blutigste Valentinstag der Geschichte

Mafiaboss Al Capone war scharf auf die Nordseite von Chicago. Um sein Ziel zu erreichen, organisierte er das blutigste Verbrechen der Prohibitionszeit.

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Von 1921 bis 1933 waren in den USA die Herstellung und der Verkauf von Alkohol verboten, es herrschte die sogenannte Prohibition. Für das organisierte Verbrechen war es eine goldene Zeit, schliesslich waren die Menschen trotz Verbot nicht weniger durstig.

In Chicago machte die Prohibition aus einem dicklichen Italo-Amerikaner einen der gefürchtetsten – und reichsten – Mafiabosse aller Zeiten. Al «Scarface» Capone verdiente mit Alkoholschmuggel zu seinen besten Zeiten 60 Millionen Dollar pro Jahr, was unglaublichen 700 Millionen Dollar in heutigem Geld entspricht.

Blutiger Revierkampf

Der Gangster beherrschte in den 1920er-Jahren die Südseite Chicagos. Der Norden war hingegen in der Hand von George «Bugs» Moran. Die Bosse und ihre Gangs lieferten sich einen bitteren Kampf um die Vorherrschaft in Chicago. So zersiebten Moran und seine Spiessgesellen einmal ein Restaurant, in dem Capone zu Mittag ass, mit mehr als 1000 Kugeln.

Um die Alleinherrschaft über Chicago zu erlangen, setzte Moran, der als nicht besonders hell galt, schliesslich ein Kopfgeld von 50'000 Dollar auf Capone aus. Das war eine schlechte Idee, denn nun forderte Capone erst recht den Skalp seines Rivalen.

Inszenierte Razzia

Capone arbeitete einen teuflischen Plan aus. Dafür liess er Moran und seine Gang im Glauben, dass sie am 14. Februar 1929 in ihrem Hauptquartier eine grössere Whiskeylieferung in Empfang nehmen könnten. Das Hauptquartier war eine Garage an der Clark Street, wo am Valentinstag tatsächlich sieben Gangster auf die vermeintliche Alkohollieferung warteten.

Damit hatten sie unwissentlich ihr eigenes Todesurteil unterschrieben. Denn plötzlich betraten zwei Männer in Polizeiuniform und zwei Zivile die Garage und täuschten eine Razzia vor. Sie forderten Morans Männer auf, sich mit dem Gesicht voran an eine Wand zu stellen. Diese erkannten nicht, dass die Polizisten in Wirklichkeit Capones Männer waren, und taten, wie ihnen geheissen.

Kaum standen die Männer an der Wand, ging das Gemetzel los. Capones Männer zogen ihre Maschinenpistole und feuerten rund 90 Kugeln in ihre Rivalen. Dann machten sich die Killer in einem schwarzen Cadillac aus dem Staub, wie Augenzeugen später berichteten.

Zeuge schweigt

Als die Chicagoer Polizei am Tatort eintraf , fand sie sechs zum Teil bizarr entstellte Leichen vor. Der siebte Mann, ein Killer namens Frank Gusenberg, lag im Sterben. Die Beamten versuchten noch eine Aussage aus ihm herauszupressen, aber der Killer hielt sich an die Gangsterehre. Auf die Frage wer auf ihn geschossen hatte, antwortete er: «Keiner. Niemand hat auf mich geschossen.» Kurz darauf war er tot.

Moran selbst blieb unverletzt. Offenbar kam er zu spät und sah einen Polizeiwagen vor der Garage stehen. Ob es der falsche Wagen der Gangster war oder ein richtiger der Chicagoer Polizei ist unklar. Auf jeden Fall machte Moran rechtsumkehrt und überlebte so das Attentat.

Keine Verurteilungen

Und obwohl jedem in Chicago klar war, dass Capone hinter dem Valentinstag-Massaker stand, konnten sie ihn dafür nie drankriegen. Zum Tatzeitpunkt befand er sich übrigens praktischerweise bei einem Anwalt – in Florida. Auch Capones Killern konnte nie etwas nachgewiesen werden.

Um Moran, der alle seine Topleute verloren hatte, wurde es nach dem Valentinstag-Massaker still. Capones-Herrschaft war ebenfalls bald zu Ende. 1931 wurde er zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Nicht wegen Mordes, nicht wegen Alkoholschmuggels, sondern wegen Steuerhinterziehung.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Clown am 14.02.2016 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gern mehr davon

    finde ich einen spannenden Artikel. Solche Ereignisse die vorgestellt werden kann man gerne öfters bringen.

  • Faruk am 14.02.2016 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trennung

    Wenigstens wurde die Zivilbevölkerung zumindest nicht direkt in diese Bandenkriege verwickelt. Heute ist es genau DIE Zielgruppe.

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  • Joe Mafiosi am 14.02.2016 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mob Museum

    Empfehle allen Interessierten das MOB Museum in Las Vegas, seit 2012 eröffnet. Top Aktuell, sogar Blatter und die Fifa sind schon erwähnt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Klaus am 15.02.2016 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Illegalität fördert Kriminalität

    Nur dank der Prohibition konnte die mafia solche Geschäfte machen. Genau so wie die drogenkartelle in Südamerika nur dank der Verbote ihre Geschäfte machen können, denn wären Drogen legal gäbe es keinen Markt. Das ist eigentlich sehr simpel und alle wissen das, trotzdem hält man am Verbot fest weshalb wohl?

    • Phil am 15.02.2016 08:49 Report Diesen Beitrag melden

      Wären Drogen legal....

      gäbe es sehr wohl einen Markt, aber die Margen wären durch das fehlende Risiko derart gering das es sich nicht lohnen würde andere dafür in die Pfanne zu hauen. Psychopathen und Soziopathen befinden sich gerne in Institutionen (Staat, Mafia usw.) in welchen sie ihr persönliches Risiko minimieren und ihren Gewinn maximieren können. Ihr Kerngeschäft ist nicht der Handel, sondern die Monopolstellung und das Gewissenlose vorgehen gegen jegliche Konkurrenz welche ihnen den ungeheuren Profit ermöglichen.

    • Michi am 15.02.2016 11:34 Report Diesen Beitrag melden

      @Klaus

      Nur dank dem Verbot von Menschenschmuggel, Sklaverei, etc. können sich kriminelle Organisationen daran bereichern. Würden wir das alles legalisieren, gäbe es keinen Markt. Trotzdem hält man am Verbot fest... Denk in Zukunft etwas mehr nach als Merkel damals zur Parteifinanzierung: "Je schärfer man die Parteispendengesetze fasst, desto schwerer ist es ja, sich daran zu halten."

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  • Fabian am 15.02.2016 04:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin Single

    Irgentwie ist es auch befriedigend mal so einen Artikel zu lesen da ich schon mal kein Valentinstag schaz habe

  • DCSB am 15.02.2016 02:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so wird immer sein

    das sind Zeiten gewesen, Zeit von heute wird sicher in 100 Jahre auch so kommen das Drogen illegal waren unter viele Geld und Todes Menschen gab's Sicherheit von Polizei hat

  • Saccellaphyllaccass am 15.02.2016 02:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Some Like It Hot!!!

    In der überragenden (schwarz/weiss gefilmten!) Krimi-Komödie "Some Like It Hot" ("Manche mögen's heiss") von Billy Wilder aus dem Jahre 1959, spielt die erwähnte (und in dem Film verwendete) "Valentine's-Szene" aus dem Jahre 1929 einen perfekten Einstieg in die turbulente, tempo- und geistreiche Geschichte. Grossartig und unsterblich, u.a.: Marilyn Monroe, Jack Lemmon und Tony Curtis. Gehört in die Top-Ten-Platzierung der Kinogeschichte - ein Filmklassiker!

  • Einer am 14.02.2016 22:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Capone

    Ja ich weiss, es ist nicht gut was passiert ist. Aber: Wenn man sich überlegt, wie das heute gehandhabt wird, war das damals noch wirklich Ehrenhaft (für Mafia Verhältnisse). Damals hatte man noch Ehre und Stolz, obwohl man ein Krimineller war. Heute zieht man den Ärmsten Schutzgeld ab. Heutige Mafiosi sollten sich eine Scheibe von früheren abschneiden!

    • Der Meister am 14.02.2016 22:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Naja

      Das ist nichts weiter als Verklärung der "guten alten Zeit".

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