Schön hässlich

14. August 2016 22:06; Akt: 14.08.2016 22:06 Print

Die seltsamsten Monumente des Ostens

In der Sowjetunion und anderen kommunistischen Ländern schossen pompöse Monumente einst wie Pilze aus dem Boden. Manche sind heute noch da.

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Zu den bemerkenswertesten Monumenten des Kommunismus gehört das Busludscha-Denkmal in Bulgarien. Es befindet sich auf dem Berg Chadschi Dimitar. Errichtet wurde es 1981 zu Ehren der sozialistischen Bewegung Bulgariens. Es steht dort, wo 1868 der Rebellenführer Chadschi Dimitar, der dem Berg seinen heutigen Namen gab, gegen die Türken gekämpft haben soll. Nach der Wende 1989 wurde es dem Zerfall preisgegeben, weil sich niemand mehr darum kümmern wollte. Auch eher auf der gigantischen Seite ist die Mutter-Heimat-Statue auf dem Mamajew-Hügel in Wolgograd. Die Statue ehrt die gefallenen Soldaten der Roten Armee in der Schlacht bei Stalingrad. 1967 errichtet, ist sie total 85 Meter hoch. Das Schwert allein misst 33 Meter und wiegt 14 Tonnen. Wie riesig die Statue ist, zeigt der Vergleich mit den Besuchern am Sockel. Bei Minsk, der Hauptstadt Weissrusslands, steht der Hügel des Ruhms von 1969. Das Denkmal ehrt im Zweiten Weltkrieg gefallene Soldaten der Sowjetunion. Der vierfache Obelisk ist 70 Meter hoch. Er stellt vier Bajonette dar, die ihrerseits für die vier Fronten stehen, die im Krieg gegen die Nazis in Weissrussland eröffnet wurden. Einen Obelisken gibts auch beim Denkmalkomplex Zizernakaberd in Jerewan, Armenien. Er erinnert an den Völkermord an den Armeniern 1915. Gebaut wurde er Mitte der 1960er-Jahre, als Armenien eine Sowjetrepublik war. Riesig: Die Mutter-Heimat-Statue in Kiew. Sie wurde 1981 durch Parteichef Leonid Breschnew eingeweiht. 102 Meter hoch ist die Statue Teil des Nationalen Museums der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg. Näher bei uns, aber nicht minder imposant ist das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park in Berlin. Das Monument wurde 1949 fertiggestellt. Die Statue im Hintergrund ist 30 Meter hoch. Der grösste je errichtete Lenin-Kopf steht bis heute in Ulan-Ude, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Burjatien im südöstlichen Sibirien. Das Haupt des Gründers der Sowjetunion ist 7,70 Meter hoch und etwa 42 Tonnen schwer. Es ist bis heute die grösste Porträtbüste der Welt.1970 wurde sie zum 100. Jubiläum von Lenins Geburt aufgestellt. Deutlich weniger markant ist die Lenin-Statue in Sukleia, Moldau. Nach dem Ende der Sowjetunion wurde sein Kopf zertrümmert. Doch dann besann man sich eines besseren und gab einen Ersatz in Auftrag. Das Problem: Der neue Kopf war viel zu gross. Es dürfte die seltsamste Lenin-Statue der Welt sein. Wunderbar bizarre Monumente gibt es auf dem Balkan zu finden. In Jugoslawien liess Staatschef Tito (1892-1980) am Laufband Denkmäler errichten. Im Bild: Das Denkmal für die Revolution auf dem Schlachtfeld von Podgaric bei Berek in Kroatien. Das Monument wurde 1967 von Dusan Dzamonja, einem der Lieblingskünstler von Tito, gestaltet. Das Makedonium genannte Monument erinnert an den Ilinden-Aufstand von 1903 gegen die Osmanen. Es wurde 1974 eingeweiht und steht in Krusevo in Mazedonien. Auch in Mazedonien: Das Denkmal für die gefallenen Kämpfer und Opfer des Faschismus in Kavadarci. Das Minenarbeiter-Denkmal in Mitrovica im Norden des Kosovo wurde 1973 von Bogdan Bogdanovic gestaltet. Einheimische nennen es den «Grill». In Serbien steht dieses Denkmal. Auf dem Berg Kosmaj nahe Belgrad erinnert es an eine Partisaneneinheit aus dem Zweiten Weltkrieg. Und dass die Liebe zu grotesken Monumenten bei den Kommunisten nach wie vor ungebrochen ist, zeigt ein aktuelles Beispiel aus China. In Jingzhou wurde kürzlich eine Statue des Kriegsgottes Guan Yu fertiggestellt. Sie ist 58 Meter hoch und wiegt über 1300 Tonnen.

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Totalitäre Regimes haben das so an sich: Sie lieben es, die Landschaft mit allerlei überdimensionierten Statuen und Denkmälern vollzustellen. So auch die Kommunisten, die im letzten Jahrhundert über weite Teile Europas und Asiens herrschten. Und da sie systembedingt keine Widerrede zuliessen, konnte sie auch niemand von ihren Vorhaben abhalten.

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So entstanden über die Jahrzehnte einige Monumente, die so hässlich oder überdimensioniert waren, dass von ihnen eine bizarre Faszination ausgeht. Obwohl nach der Wende 1989 und dem Ende der Sowjetunion 1991 viele von ihnen entfernt wurden, gibt es immer noch ein paar Überbleibsel aus dieser Zeit. Die Bildstrecke stellt einige davon vor.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kare am 14.08.2016 22:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Monumente

    Das ist doch mal ein interessanter, ungewöhnlicher Bericht!

  • JAYonly am 14.08.2016 22:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bilder fail

    wiedermal die halben bilder werden nicht angezeigt. S7. swisscom internet 50000. also auf meiner Seite kann das Problem nicht liegen. passiert immer öfters

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  • EGO am 14.08.2016 23:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hammer

    Bild Nr. 6 und das in China Nr. 24 sind gewaltig geil. Ich finde es richtig schön.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ben Gerber am 15.08.2016 22:06 Report Diesen Beitrag melden

    Guan Yu

    Bemerkung am Rande, Guan Yu ist kein Kriegsgott sondern ein General aus der Zeit der drei Reiche in China. Auch wenn den Helden jener Zeit in China fast ein wenig göttliche Fähigkeiten angedichtet werden, würde kein kommunistischer Staat ein Monument für eine Gottheit errichten.

  • S. G. am 15.08.2016 21:13 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr eindrücklich!

    Ich finde diese Monumente sehr eindrücklich und habe bis auf den Lenin-Kopf noch keines jemals vorher gesehen!

  • EGO am 15.08.2016 16:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sozialismus auf einem Papierblatt

    Was viele nicht verstehen ist das Sozialismus/Kommunismus ein perfektes Leben bedeutet, aber leider nur auf einem Papierblatt. Ohne Machtgierige Politiker und ohne Geld politik wäre das perfektes Lebensstil wo alle Menschen gleich sind irrelevant von Status, Religion oder sonst was. Leider leben wir nicht in perfektem Welt sonder in einem Welt die von Macht und Geldgierigen Politiker gesteurt wird, leider direkt zu Selbstzerstörung.

  • Monumentalist am 15.08.2016 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    Gerne auch hier

    Ich hätte den Guan Yu gerne neben dem Joggeli in Basel. Und Zürich kann den Hafenkran wieder haben.

  • Benny am 15.08.2016 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Sozialismus

    Die Sozialistischen "Denkmäler" sind keine Ehrenbauten, sondern Zeichen von Unterdrückung und gehören allesamt eingerissen.

    • Giorgio M. am 15.08.2016 10:20 Report Diesen Beitrag melden

      @Benny

      Zeichen der Unterdrückung, ja. Abgerissen, nein. Aber sie sollten neu als Mahnmale verwendet werden.

    • EGO am 15.08.2016 15:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Benny

      Ich bin in Sozialismus geboren, von unterdruckung kann ich nichts sagen, für mich und viele andere war das die schönste Zeit meines Lebens, alles war viel sicherer, wir hatten nicht viel Geld und irgendwelche Luxus aber wir waren glücklicher und arbeitsklasse war geschätzt. Heute fühle ich mich auf eine Art moderne Sklaverei, super Lohn aber alles super ausgerechnet das am ende des Monats nicht viel übrig bleibt. Also frage ich mich woher behaupten Sie das alles, haben Sie in der Schweiz etwas davon mitbekommen oder durch Medien erfahren?

    • EGO am 15.08.2016 15:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Benny

      Schweiz hat eine funktionierende Demokratie, aber für Länder die Sozialismus hatten und jetzt plötzlich Demokratisch sind wie Kroatien stimmt vieles nicht, Politiker sind korrupt, klauen Geld und jede menge Obdachlose und hungrige. Gabs frühner nicht.

    • Benny am 15.08.2016 15:49 Report Diesen Beitrag melden

      @EGO

      Ich lebe im Sozialismus, man verdient etwas und muss 1/3 abgeben für die, die mit der hohlen Hand da stehen und nichts machen, der Rest geht drauf für das eigene überleben. Der Sozialismus ist bei uns: ständiger Neid, Faulheit, Armut und Kriminalität um aus diesem blinden Kreis auszubrechen. Ein Teufelskreis.

    • EGO am 15.08.2016 16:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Benny

      Darf ich fragen wo leben Sie?

    • Freier Mensch am 15.08.2016 17:23 Report Diesen Beitrag melden

      @EGO

      Ja das Leben im Sozialismus/Kommunismus war ja so toll, dass man das freie Reisen einschränken musste, da sonst die meisten Menschen in den Westen abgehauen wären. Und die welche es trotzdem wagten, wurden an der Grenze (Selbstschussanlagen und Schiessbefehl sind so Begriffe die ich noch kenne) abgeknallt. Vielleicht reden Sie sich da ein bisschen viel schön.

    • EGO am 15.08.2016 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Freier Mensch

      Keine Ahnung wovon Sie da sprechen. Ich mag mich erinern das wir nirgendwo eingeschränkt waren und immer nach Italien gereist sind etwas einzukaufen, war es kleider oder elektronik spielt keine Rolle. Mit eltern bin ich 2 mal nach USA gereist und öffters Ski fahren in der Schweiz sowie Livigno nähe Schweizer Grenze. Ex Yugoslavien war nicht eingeschränkt, übrigens waren unsere Ferien Stattlich bezhalt. Ich rede über meine tatsächliche Erfahrungen und nicht was Sie damals irgendwo gelesen oder gehört haben!

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