Rassistisch

18. Februar 2019 13:11; Akt: 18.02.2019 13:32 Print

Diese Kinderbücher sind heute problematisch

Einst wimmelte es in Kinderbüchern von «Negerlein» und «Zigeunern». Heute hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Begriffe dort nichts verloren haben.

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Was früher gesellschaftlich akzeptiert war, geht heute nicht mehr. «Freund Globi im Urwald» mag im Erscheinungsjahr 1950, als Afrika noch mehrheitlich unter den europäischen Kolonialherren aufgeteilt war, dem Zeitgeist entsprochen haben, heute gilt der Band als rassistisch. Ebenfalls problematisch: Die Kasperli-Geschichte «De Schorsch Gaggo reist uf Afrika» von 1970. Im Original reist Kasperli zu den «Gaggo-Negern» und trifft das «schnusige Negermeitli Susu» und «Negerhäuptling Krambambuli». In den 1990er-Jahren wuchs die Erkenntnis, dass die Wortwahl so nicht mehr geht. Seit 2000 kommt die Neuaufnahme ohne das N-Wort aus. Aus «10 kleine Negerlein» wurde in den 2000er-Jahren «10 kleine Kinderlein». Seit 2009 wird Pipis Vater in der deutschen Übersetzung von «Pippi Langstrumpf in Taka-Tuka-Land» (1948) nicht mehr als «Negerkönig» beschrieben, sondern als «Südseekönig». Ausserdem spricht er nun nicht mehr die «Negersprache», sondern die «Taka-Tuka-Sprache». 2013 sorgte die Ankündigung des Thienemann Verlags, dass in «Die kleine Hexe» (1957) von Otfried Preussler künftig keine «Negerlein» und «Zigeuner» mehr auftauchen werden, für Diskussionen in Deutschland. Die Schweizer Märchentante Trudi Gerster erzählte einst die Geschichte «Vom dumme Negerli». Später nannte sie das Märchen nach seinem Hauptdarsteller «Wumbo-Wumbo» und aus dem «kleinen Negerli» wurde ein «Afrikanerli». Ebenfalls ein veraltetes Afrikabild zeigt «Tim im Kongo». Hier werden die Eingeborenen als naiv und arbeitsscheu dargestellt. Dabei kommt die aktuell erhältliche Ausgabe von 1946 gegenüber der ersten, 1930 noch schwarz-weiss erschienenen Geschichte bereits deutlich entschärft daher. Im heute umstrittenen Erziehungsbuch «Struwwelpeter» (1845) von Heinrich Hoffmann werden die drei frechen Buben, die sich über das «Mohrenkind» lustig gemacht haben, zwar bestraft. Doch was ist die schlimme Strafe? Die Buben müssen selber mit schwarzer Haut herumlaufen, nachdem sie der Nikolaus in ein Tintenfass getunkt hat.

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Wenn Schulkinder im Jahr 2019 vom «Negerhäuptling Grosser Löwe» lesen müssen, sorgt das für Kopfschütteln. So geschehen in der Primarschule Wil SG. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass «tummi Negerbüebli» und «Gaggo-Neger» in Kindergeschichten eine Selbstverständlichkeit waren, wie die Beispiele in der Bildstrecke oben zeigen.

(jcg)