Von 1891 bis 2015

20. Februar 2015 12:00; Akt: 23.02.2015 13:05 Print

Diese Zugunfälle erschütterten die Schweiz

Der Zusammenstoss zweier Züge in Rafz ist eines der schwersten Zugunglücke der letzten Jahre, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt.

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Die Liste schwerer Zugunfälle in der Schweiz ist lang. Am 14. Juni 1891 stürzt eine Brücke in der Nähe von Münchenstein BL ein. Dabei kamen 73 Passagiere ums Leben, 130 wurden verletzt. Dies gilt bis heute als schwerstes Zugunglück der Schweizer Eisenbahngeschichte. Sechs Personen sind am 20. Februar 2015 bei einer Zugskollision in Rafz ZH verletzt worden, eine davon schwer. Beim Schwerverletzten handelt es sich um den einen Lokführer. Damit ist es das schwerste Zugunglück seit August 2014. Damals sprangen bei Tiefencastel GR wegen eines Erdrutsches drei Wagen einer RhB-Komposition aus den Schienen. Eine Person starb, zehn wurden verletzt. Dabei hätte die Opferbilanz noch deutlich höher ausfallen können. Der eine Wagen stürzte 20 Meter in die Tiefe, bevor er von Bäumen aufgehalten wurde. Auch in der ferneren Vergangenheit forderten Unfälle im Schweizer Bahnverkehr zum Teil viele Opfer. Am 24. Juni 1968 kollidieren in Sitten VS zwei Züge. Beim Unglück werden 13 Menschen getötet, 103 werden verletzt. Bei einem Unfall zwischen Herrliberg und Feldmeilen ZH verlieren am 18. Januar 1971 sechs Personen ihr Leben. 17 Passagiere werden beim Unglück verletzt. Technische Defekte und Fehler von Stationsbeamten sind die Gründe für den Unfall. Am 18. Juli 1982 rammt ein Güterzug in Othmarsingen AG einen Schnellzug. Sieben Wagen des Personenzugs werden aus den Schienen geworfen. Sechs Menschen sterben, 59 werden verletzt. Im selben Jahr kommt es zu einem weiteren schlimmen Bahnunglück. In Pfäffikon ZH wird ein deutscher Reisebus auf einem Bahnübergang von einem heranfahrenden Zug gerammt. Die von Hand bediente Barriere war nicht heruntergelassen worden. 39 Insassen des Cars verlieren ihr Leben, nur zwei überleben. Am 8. März 1994 entgleisen in Zürich-Affoltern Kesselwagen eines Benzinzugs. Es kommt zu einem Grossbrand, Bei dem Unfall werden drei Menschen schwer verletzt. 21. März 1994: Der Ausleger eines SBB-Schienenkrans schlitzt bei Däniken SO einen Schnellzug seitlich auf. Neun Passagiere kommen ums Leben, 19 weitere werden zum Teil schwer verletzt. Beim Bahnhof Hueswil LU ist es am Dienstag, 6. Juni 2000, zu einem Zusammenstoss zwischen einem Personenzug und einem Kiestransportzug gekommen. Eine Person stirbt, drei werden verletzt. 7. August 2003: Beim Zusammenstoss zweier Personenzüge der Berner-Oberland-Bahnen (BOB) in Gsteigwiler BE stirbt ein Passagier an den Folgen seiner Verletzungen. 63 Menschen werden verletzt. Die Züge sind zeilweise entgleist. Am 24. Oktober 2003 prallen zwei Schnellzüge am Bahnhof Oerlikon ineinander. Bei einem der Züge waren die Bremsen geschlossen. Eine Frau wurde beim Crash getötet, 45 Personen wurden verletzt. Die eingedrückte Führerkabine zeugt von der Wucht des Zusammenstosses. Ein Bauzug prallt am 17. Mai 2006 auf einen in Thun stehenden anderen Bauzug. Die Bremsen des Zugs hatten versagt. Drei Menschen sterben beim Zusammenstoss. Unglaubliche Bilder eines am 23. Juli 2010 entgleisten Glacier Express im Walliser Obergoms. Eine japanische Touristin kommt dabei ums Leben. 42 Personen werden verletzt. Unfallursache war überhöhte Geschwindigkeit in einer Kurve. Zu einem Zusammenstoss zwischen zwei Zügen der SBB kam es im Januar 2013 in Neuhausen SH, als ein Zugführer ein Rotlicht überfuhr. Dabei wurden 26 Personen verletzt. Ende Juli 2013 verlor bei einer Frontalkollision in Granges-près-Marnand ein Lokführer sein Leben, 26 Passagiere wurden verletzt.

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Sechs Verletzte, einer davon schwer: Das ist die traurige Bilanz der Zugkollision bei Rafz ZH. Damit ist es das schwerste Zugunglück seit vergangenem August, als bei Tiefencastel GR wegen eines Erdrutsches drei Wagen einer RhB-Komposition aus den Schienen sprangen. Einer davon stürzte rund 20 Meter einen Abhang hinunter, bevor er von Bäumen aufgehalten wurde. Eine Person starb, zehn wurden verletzt, vier davon schwer.

Das schwerste Unglück in der Geschichte des Schweizer Schienenverkehrs liegt aber schon über hundert Jahre zurück. Am 14. Juni 1891 stürzte eine Eisenbahnbrücke in der Nähe von Münchenstein BL unter der Last eines 324 Tonnen schweren Zugs ein. Der Extrazug war zum Gesangsfest nach Münchenstein unterwegs – wegen des grossen Andrangs waren zwei zusätzliche Wagen angehängt worden. Dabei kamen 73 Passagiere ums Leben. 130 weitere erlitten Verletzungen.

Viele Beispiele tragischer Unfälle

Die Liste schlimmer Schweizer Bahnunfälle ist damit aber keineswegs komplett. Ein besonders tragischer Fall ereignete sich am 12. September 1982 in Pfäffikon ZH. Wegen einer nicht heruntergelassenen Barriere wurde ein deutscher Reisecar auf einem Bahnübergang von einem heranfahrenden Zug erfasst. 39 Passagiere wurden getötet, nur 2 überlebten.

Ein weiteres Beispiel von schon etwas weiter zurückliegenden Unglücken ist der Zusammenstoss von zwei Passagierzügen der Südostbahn am 26. Juli 1947 bei Bennau SZ. Bei diesem Unfall wurden 73 Personen verletzt, 10 Menschen starben. Noch schlimmer ist die Bilanz einer Frontalkollision am 24. Juni 1968 in Sitten VS. Diese forderte das Leben von 12 Personen, 103 wurden verletzt.

Sechs Tote an der Goldküste

Auch in den 70er-Jahren ereigneten sich tragische Zugunfälle. So verloren bei einem Unfall mit dem «Goldküstenexpress» zwischen Herrliberg und Feldmeilen am 18. Januar 1971 sechs Personen ihr Leben. Technische Defekte und Fehler von Stationsbeamten hatten zu dieser Katastrophe geführt. 1976 starben sieben Personen bei einer Frontalkollision auf der Linie Yverdon-Sainte-Croix VD, 40 Passagiere wurden verletzt.

Und noch ein Fall aus dem Kanton Waadt: Am 14. September 1985 kamen beim Zusammenstoss des Regionalzugs Lausanne–Genf mit zwei Lokomotiven in Bussigny VD 5 Menschen ums Leben. Verletzt werden 56 Personen. Am 21. März 1994 starben neun Passagiere bei einem Unfall in Däniken SO: Der Ausleger eines SBB-Schienenkrans hatte einen Schnellzug seitlich aufgeschlitzt. Über 50 Personen erlitten Verletzungen. Genauso wie beim Zusammenstoss eines Regionalzugs mit einem Schnellzug im Bahnhof Bern-Weissenbühl am 1. November 1999: Der Lokführer des Regionalzugs übersah ein Rotlicht, zwei Passagiere starben.

Mehrere Vorfälle im Jahr 2013

Als Unglücksjahr ging 2013 in die Schweizer Bahngeschichte ein. Im Januar kam es in Neuhausen SH zu einem folgenschweren Zusammenstoss zwischen einem Regionalzug und einem Doppelstockzug der SBB, als ein Zugführer ein Rotlicht überfuhr. Dabei wurden 27 Personen leicht verletzt. Ende Juli kollidierten in Granges-près-Marnand VD zwei Züge frontal miteinander. Der Aufprall war so heftig, dass der von Lausanne her kommende Zug um acht Meter verkürzt wurde. Ein Lokführer starb, 26 der 45 Passagiere wurden verletzt. Mit dem Schrecken davon kamen Mitte Juli die Passagiere in einem Interregio bei Zürich-Oerlikon, auf den ein Baukran gekippt war. Dabei wurde ein Doppelstockwagen seitlich eingedrückt und Scheiben gingen zu Bruch.

(ame/jcg)