Pompejis Untergang

30. Mai 2018 17:21; Akt: 30.05.2018 18:02 Print

Sein letzter Tag war richtig, richtig schlecht

Er rannte um sein Leben, hinter ihm glühende Lava, über ihm giftige Asche – und es kam noch schlimmer. Was ein kopfloses Skelett über das Schicksal eines jungen Mannes verrät.

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Die Nähe zum Vesuv brachte beim Ausbruch des Vulkans im Jahr 79 vielen Pompejanern den Tod. Auch ihm wurde die historische Naturkatastrophe zum Verhängnis: das Skelett eines etwa 35 Jahre alten Mannes, der beim Ausbruch des Vesuvs den Tod fand. (29. Mai 2018) Vorsichtig legt die Anthropologin Valeria Amoretti das Skelett mit einem Pinsel frei. Was die fast 2000 Jahre alten Knochen über den einstigen Mann aus Fleisch und Blut verraten: Aufgrund einer Beininfektion war er offenbar gehbehindert. Wo eigentlich der Schädel des Opfers ruhen sollte, lag ein grosser Steinblock. Das führte erst zur Annahme, dass der Mann erschlagen worden war. Der spätere Fund des intakten Schädels macht diese These nun aber zunichte. Der Mann wahr wohl wie viele seiner Leidensgenossen aufgrund der heissen Gas- und Aschewolke erstickt. Doch auch wer rechtzeitig vor dem Vulkanausbruch floh und diesen überlebte, dürfte den Einfluss des Feuerbergs gespürt haben. (Im Bild: Pompeji und der Vesuv um 1900) Das geht aus einer Studie von dänischen Forschern hervor, in der sie die Wasserleitungen der Stadt chemisch untersuchten. Die Analyse der historischen Rohre zeigte, dass sie nicht nur mit Blei, sondern auch mit Antimon verseucht waren. Das Element gilt als so giftig wie Blei und Arsen und soll krebserregend sein. Schon kleine Dosen können zu akuten Schäden an Organen wie Leber und Nieren führen, in jedem Fall lösen sie starken Durchfall und Erbrechen aus. Bereits 200 bis 1200 Milligramm des Halbmetalls gelten als tödlich. Die in Pompeji nachgewiesenen «Konzentrationen waren definitiv hoch genug, um für die alten Römer zu Problemen zu führen», zitiert die Hochschule die Forscher. «Ihr Wasser war eindeutig gesundheitsschädlich.» Laut den Forschern seien damals offenbar nicht nur die Rohre mit dem giftigen Antimon versetzt gewesen, sondern auch das in Stadt und Umgebung geförderte Grundwasser. Schliesslich komme das Element häufig in der Nähe von Vulkanen vor. (Im Bild: der Vesuv von Pompeji aus gesehen, 1998) Ein Forscher trägt ein zu Stein gewordenes Pompeji-Opfer aus der Ausgrabungsstätte. Der kleine Stadtbewohner ist einer von vielen, ... ... die am 24. August 79 beim Ausbruch des Vesuvs lebendig begraben wurden. Knapp 1900 Jahre nach der Naturkatastrophe hat ein interdisziplinäres Forscherteam nun 86 dieser Steinmumien mithilfe eines Computertomografen untersucht. Die Aufnahmen können sich sehen lassen. Sie zeigen, dass vor allem die Skelette der Verstorbenen die Zeit überdauert haben – manche besser erhalten, ... ... manche weniger gut. Je nach Aufnahmetechnik sind teilweise auch die Weichteile der Opfer gut zu erkennen. Bei diesem etwa dreijährigen Kind blieb sogar die Kleidung, die es zur Zeit des Vesuv-Ausbruchs getragen hat, erhalten. Doch das ist noch nicht alles: Die Forscher um Stefanie Giudice vom Archäologischen Nationalmuseum in Neapel entdeckten auch versteinerte Haut sowie ... ... erstaunlich gut erhaltene Zähne. Ein Umstand, der laut den Experten auf die gesunde Ernährung in Pompeji zurückzuführen ist. Doch die Forscher beliessen es nicht bei den Menschen: Sie untersuchten auch versteinerte Tiere wie diesen Hund.

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Archäologen in Italien haben einen Aufsehen erregenden Fund gemacht. In den Ruinen der einstigen römischen Metropole Pompeji, gelegen in der Nähe des heutigen Neapel, entdeckten sie das fürchterlich zugerichtete, kopflose Skelett eines etwa 35-jährigen Mannes.

Zum Verhängnis geworden war dem Mann einst eine Naturkatastrophe historischen Ausmasses. Im Jahr 79 nach Christus brach in Süditalien der Vulkan Vesuv aus. Pompeji, glitzernde Metropole des römischen Reiches, wurde mitsamt seinen rund 30'000 Bewohnern unter Lavamassen und einer gigantischen Aschewolke begraben.

Vom Kopf keine Spur

Zurück zum Skelettfund: Während der rund 35-jährige Mann damals also verzweifelt versucht haben muss, sein Leben zu retten, meinte es das Schicksal gleich doppelt schlecht mit ihm.

Zu Boden gepresst von einer heissen Gas- und Aschewolke, stürzte ihm ein rund 300 Kilogramm schwerer Steinblock auf den Oberkörper. Auch am Kopf getroffen, fand der Bewohner Pompejis seine ewige Ruhe unter der vulkanischen Asche.

Auf der Flucht ausgebremst

Bis heute. 2000 Jahre später haben Archäologen sein Skelett nun im Norden Pompejis freigelegt. Ein völlig zerschmetterter Brustkorb und dort, wo der Schädel sein sollte, ein gigantischer Gesteinsbrocken. Vom Kopf keine Spur.

Ausgrabungschef Massimo Osanna spricht von einem «aussergewöhnlichen Fund», der helfe, die Geschichte dieser verlorenen Zivilisation und des Hergangs der Naturkatastrophe besser zu verstehen.

Was den für heutige Verhältnisse jungen Mann bei seiner Flucht vor Lava und Asche weiter behindert haben mag: Wie Archäologen vermuten, machte ihm eine Knochenentzündung am Bein zu schaffen. Beim fatalen Steinblock handelte es sich offenbar um ein in den Wirren der Katastrophe gelöstes Türgesims.

(jdr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • JayCee am 30.05.2018 17:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Run Forest

    Habt ihr den Text selber gelesen? "Er rannte um sein leben" vs. "Durch eine Beininfektion war er vermutlich Gehbehindert"

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  • Willi wills wissen am 30.05.2018 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso noch schlimmer?

    Ich stelle mir den Tod dieses Menschen um einiges angenehmer als den aller anderen in Pompej vor.

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  • Martin am 30.05.2018 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Das kleinere Übel

    So ein Stein auf dem Kopf ist wohl weit weniger schlimm als über Tage elendiglich zugrunde gehen zu müssen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Butch am 01.06.2018 19:39 Report Diesen Beitrag melden

    Merkwürdig

    Ich dachte es wäre verboten, dort Ausgrabungen zu machen?

  • Vesuvianer am 31.05.2018 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopflos oder doch nicht

    vom Kopf keine Spur.....einfach mal unter dem Stein nachschauen

  • Tonto am 31.05.2018 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    #%! ¿×!! Microsoft

    Hätte er gewusst, wie es ist, im Büro zu arbeiten, hätte er wohl sein Schicksal dennoch so gewählt.....

  • Gigan Tisch am 31.05.2018 15:08 Report Diesen Beitrag melden

    Gigantischer Gesteinsbrocken?

    Wo ist dieser gigantische Gesteinsbrocken? Sehe nur den grossen Stein. Ach so, Tamedia lässt Grüssen.

  • MArtin am 31.05.2018 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Smartphone ...

    ... hätten wohl viele erst mal Filmchen und Selfie gemacht mit der brennenden Lava im Hintergrund, dann uploaden um dann drauf zu gehen XD

    • Cejlco am 31.05.2018 14:57 Report Diesen Beitrag melden

      @MArtin

      Man darf gespannt auf den Ausbruch des Vesuvs warten, denn genau das wird passieren. Blöd nur, dass der heisse Asche-Strom dann auch das Handy oder die Kamera zerstören wird.

    • Mario am 04.06.2018 21:52 Report Diesen Beitrag melden

      @Cjelco

      Muss mal halt schnelles Internet haben um schnell noch hochzuladen...

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