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30. August 2012 19:25; Akt: 31.08.2012 12:51 Print

Elián González (18), Held der Revolution

Vor zwölf Jahren wurde der damals sechsjährige Elián González bekannt, nachdem sich die USA und Kuba einen Streit um ihn geliefert hatten. Heute ist Elián González das Aushängeschild der kubanischen Revolution.

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: Das Bild des verängstigten kleinen Jungen ging um die Welt. Im Morgengrauen hatten zwei schwer bewaffnete Soldaten des US-amerikanischen Immigrationsamtes eine Wohnung in Florida gestürmt. Der kleine Junge auf dem Bild ist Elian Gonzalez und der Mann, der ihn in seinen Armen hielt, ist der Fischer, der ihn Tage zuvor aus dem Meer gerettet hatte. Das Bild sollte später einen Pulitzer-Preis gewinnen. Das Kind wurde seinem Grossonkel Lázaro González übergeben. Als der Fall publik wurde, meldete sich aus Kuba der leibliche Vater Juan Miguel Gonzalez (im Bild). Was als ein «simpler» Sorgerechtsstreit begann und im Familienkreis hätte gelöst werden können, wurde bald zum Politikum. Kuba und sein Revolutionsführer Fidel Castro setzten sich für die Freigabe des Jungen ein. Der Kampf um «Eliansito» sah Castro gleichzeitig als einen Kampf gegen den Imperialismus. Schliesslich kehrte Elian Gonzalez am nach La Habana zurück. Sein Vater hatte inzwischen mit seiner zweiten Frau Nersy (links) eine neue Familie gegründet. Elian Gonzalez wurde von der kubanischen Revolution als Aushängeschild aufgenommen. Jedes Jahr besuchte der Maximo Lider Eliansito zum Geburtstag. Mit 11 hielt der Junge seine erste Rede vor der Tribuna Antimperialista in La Habana. Mit 14 erhielt er von Fidel Castro höchstpersönlich seine Mitgliederkarte bei der «Kommunistischen Jugend». Seit er 18 ist, besucht Elian Gonzalez die Militärschule. «Der Junge wohnt komplett abgeschottet», schrieb kürzlich der kubanische Journalist Iván García. Die Führungsriege sieht das anders: «Ein Jahrzehnt nachdem er als Spielzeug der Feinde der Revolution missbraucht wurde, trägt er seine olivgrüne Uniform», kündigte die regierungsnahe Zeitung «Juventud Rebelde» an.

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Das Bild des verängstigten kleinen Jungen ging um die Welt. Es war der 22. April des Jahres 2000, als im Morgengrauen zwei schwerbewaffnete Soldaten des US-amerikanischen Immigrationsamtes die Wohnung seines Grossonkels in Florida stürmten. Der kleine Junge war Elián González, und der Mann, der ihn, versteckt in einem Kleiderschrank, in seinen Armen hielt, war ein Fischer, der ihn Tage zuvor aus dem Meer gerettet hatte. Das Bild sollte später einen Pulitzer-Preis gewinnen.

Die Geschichte des Jungen hatte damit angefangen, dass seine Mutter Elizabeth Brotons mit dem kleinen Elián aus ihrer Heimat Kuba flüchten wollte, um ein neues Leben in Miami zu beginnen. Dort wartete ein Grossteil der Familie auf die beiden. Auf der Reise geriet die Fähre jedoch in Seenot und Brotons ertrank. Ihr Sohn wurde in einen Pneu gesetzt und trieb – überwacht von einem Delfinschwarm - zwei Tage lang alleine auf dem Meer, bis ihn der Fischer Donato Dalrymple fand.

Streit zwischen Kuba und den USA

Das Kind wurde dem Grossonkel Lázaro González übergeben. Als der Fall publik wurde, meldete sich aus Kuba der leibliche Vater Juan Miguel González. Elián sei ohne seine Bewilligung aus dem Land gebracht worden – er wolle ihn sofort zurück. Was als ein «simpler» Sorgerechtsstreit begann und im Familienkreis hätte gelöst werden können, wurde bald zum Politikum.

Revolutionsführer Fidel Castro setzte sich für die Freigabe des Jungen ein. Der Kampf um «Eliansito» war für Castro gleichzeitig ein Kampf gegen den Imperialismus – obwohl sich der damalige Präsident Bill Clinton ebenfalls für die Rückkehr des Kleinen in seine Heimat aussprach. Am 28. Juni 2000 war es schliesslich vorbei: Vater und Sohn landeten in Havanna. Lange blieb es danach ruhig um die Familie González.

Elián, gestern und heute

Dennoch ist in der Zwischenzeit vieles passiert. Heute lebt «Eliansito» mit seinem Vater, seiner Stiefmutter und zwei Halbgeschwistern in seiner Heimatstadt Cárdenas, allerdings nicht mehr in dem einfachen Haus, das er mit seiner Mutter vor zwölf Jahren verlassen hatte. Die Familie wohnt etwas ausserhalb der Stadt, abgeschottet vom Rest. Sein Vater ist ausserdem nicht mehr Kellner. Juan Miguel González sitzt im kubanischen Parlament.

Elián González wurde zum Aushängeschild der Revolution. Jedes Jahr besuchte der Máximo Líder «Eliansito» zum Geburtstag. Mit 11 hielt der Junge seine erste Rede vor der Tribuna Antimperialista in Havanna, mit 14 erhielt er von Fidel Castro höchstpersönlich seine Mitgliederkarte bei der «Kommunistischen Jugend». Ein Jahr später wurde er Teil der «Batalla de Ideas», einer Kampagne, mit der den Kubanern die wichtigsten Gedanken der Revolution eingehämmert werden sollten; sie war nach der «Entführung» von Elián ins Leben gerufen worden. Seit zwei Jahren besucht Elián González eine Militärschule. «Der Junge wohnt komplett abgeschottet», schrieb kürzlich der kubanische Journalist Iván García. Die Führungsriege sieht das anders: «Ein Jahrzehnt, nachdem er als Spielzeug der Feinde der Revolution missbraucht worden ist, trägt er seine olivgrüne Uniform», kündigte die regierungsnahe Zeitung «Juventud Rebelde» an.

Heute ist «Eliansito» der perfekte Werbeträger für die Revolution, die besonders bei den jungen Kubanern nicht mehr viel Unterstützung geniesst. «Kommandant Fidel Castro ist das Grösste in der Geschichte unseres Landes. Das Volk gewinnt seine Hoffnung wieder und fühlt sich glücklich bei seinem blossen Anblick», sagte er.

(kle)