Nationalsozialismus

26. Januar 2010 11:56; Akt: 15.03.2010 11:36 Print

Führers Weihnachten

von Daniel Huber - Jul-Tanne statt Christbaum: Die Nazis taten sich schwer mit dem Weihnachtsfest und versuchten, es zu entchristlichen. Eine Ausstellung in Köln zeigt jetzt, was für die Nazis zur «Deutschen Weihnacht» gehörte.

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Die Nazis mochten das Christentum nicht. Abgesehen davon, dass schon das zentrale Gebot der Nächstenliebe — von der Feindesliebe gar nicht zu reden — ihrer mörderischen Weltsicht fundamental widersprach, musste sie schon die simple Tatsache reizen, dass Jesus Jude war. Zwar bekannte sich das Parteiprogramm der NSDAP von 1925 zu einem «positiven Christentum», allerdings nur «soweit es mit dem Deutschtum vereinbar» sei. Der Nazi-Chefideologe Alfred Rosenberg hingegen fand 1930, das Christentum sei geistig zu überwinden und politisch ohnmächtig zu halten.

Der «arteigene Weihnachtsbaum»

Das zeigte sich auch am Beispiel des mit Abstand beliebtesten christlichen Fests — Weihnachten. Auch dem antiklerikalsten Nazi-Fanatiker musste indes klar sein, dass man den Deutschen den lichtergeschmückten Tannenbaum nicht einfach wegnehmen konnte. Die Nazis versuchten es daher mit einer Methode, die — Ironie der Geschichte — seinerseits schon einmal vom Christentum angewandt worden war: das Ritual beibehalten, den Inhalt neu besetzen. Immerhin hatten christliche Missionare es geschafft, die heidnischen Lichterfeste zur Wintersonnenwende christlich zu überformen.

Nun versuchten sich die Nazis dabei, das christliche Weihnachtsfest heidnisch zu unterwandern. Sie verwiesen auf das germanische Julfest als Wurzel des Weihnachtsbrauchs und ersetzten den Christbaum durch den «arteigenen Weihnachtsbaum», die Jultanne. Passend dazu gab es auch «Jul-Schmuck» mit nationalsozialistischen Motiven. Statt der Krippe sollte ein Weihnachtsgärtchen unter dem Baum stehen.

«Sinngebäck» in Runenform

Auch der St. Nikolaus sollte entchristlicht werden. Die Nazis versuchten ihn durch den geschenkebringenden Schimmelreiter zu ersetzen und behaupteten, in Wahrheit stecke der Gott Wodan in dieser Figur. Weiter wurde aus dem Christstollen runenförmiges «Sinngebäck» und populäre Weihnachtslieder wurden umgetextet: Aus der Zeile «Jesus, der Retter, ist nah» im bekannten Lied «Stille Nacht» wurde «jetzt werdet Lichtsucher alle».

Ausstellung: «Von wegen Heilige Nacht!»

Eine aktuelle Sonderausstellung in Köln zeigt jetzt, wie die Nazis versuchten, Weihnachten zu vereinnahmen. Unter dem Titel «Von wegen Heilige Nacht! – Weihnachten in der politischen Propaganda» präsentiert das NS-Dokumentationszentrum noch bis zum 17. Januar 2010 eine Reihe von Schaustücken, die den propagandistischen Umgang mit Weihnachten illustrieren. Die Sammlung beschränkt sich dabei nicht auf die Nazi-Zeit, sondern beginnt mit der Vereinnahmung des Weihnachtsfests durch die Machthaber im Deutsch-Französischen Krieg von 1871 und berücksichtigt auch die Propaganda im Ersten Weltkrieg.

Kein Erfolg

Allen Propaganda-Anstrengungen zum Trotz: Weder die Jultanne noch die neuen Liedtexte konnten sich durchsetzen. Die Entchristlichungs-Erfolge der Nazis hielten sich stets in engen Grenzen; die überwältigende Mehrheit der Leute zog es vor, an den vertrauten Formen und Liedtexten festzuhalten. Nach dem Krieg war man dann ohnehin gut beraten, verfänglichen Baumschmuck zu entsorgen.

Entchristlicht: Hakenkreuz als Kerzenhalter


(Bild: NS-Dokumentationszentrum)