Zweiter Weltkrieg

07. Dezember 2011 07:41; Akt: 07.12.2011 07:43 Print

Japans heimtückischer Überfall

von Rolf Maag - Am 7. Dezember 1941 griffen japanische Luft- und Seestreitkräfte die in Pearl Harbor auf Hawaii stationierte amerikanische Pazifikflotte an. Der folgende Krieg endete für Japan mit einer vernichtenden Niederlage.

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Das schwer getroffene Kriegsschiff «USS Arizona» versinkt in den Fluten des Pazifiks. 1177 Seeleute finden dabei den Tod. Drei amerikanische Schlachtschiffe werden von japanischen Bomben und Torpedos getroffen. Von links nach rechts: «USS West Virginia» (schwer beschädigt), «USS Tennessee» (leicht beschädigt) und «USS Arizona» (gesunken). Dieses Bild der Bombardierung Pearl Harbors wurde von der Besatzung eines japanischen Flugzeugs aufgenommen. Seeleute der amerikanischen Marine stehen inmitten von Flugzeugwracks auf der Ford-Insel. Im Hintergrund explodiert das Schiff «USS Shaw». Nach dem Angriff liegen die Wracks der Zerstörer «USS Downes» und «USS Cassins» in einem Trockendock in Pearl Harbor. Dahinter ist das ebenfalls getroffene Schlachtschiff «USS Pennsylvania» zu sehen. Amerikanische Schiffe brennen während des japanischen Angriffs auf Pearl Harbor. Feuerwehrleute versuchen Häuser und Läden in den japanischen und chinesischen Quartieren Honolulus, der Hauptstadt Hawaiis, zu retten. Ein Boot rettet ein Besatzungsmitglied der «USS Virginia» nach dem Angriff aus dem Wasser. Der Kommandant des japanischen Flugzeugträgers «Hokaku» beobachtet Flugzeuge, die zum Angriff auf Pearl Harbor aufbrechen. Die japanischen Schriftzeichen rufen die Piloten auf, ihre Pflicht zu tun. Die «USS Arizona» steht unmittelbar nach dem Angriff in Flammen. Das mächtige Schlachtschiff sinkt in nur neun Minuten, nachdem es von einer panzerbrechenden 800-kg-Bombe getroffen wurde. Nachdem das Magazin des Zerstörers «USS Shaw» explodiert ist, sind Rauch und Flammen zu sehen. Die «USS West Virginia» brennt und sinkt nach dem Angriff. Ein zerstörtes Flugzeug vom Typ B-17C liegt neben einem Hangar. Eine japanische Fotografie des Angriffs. Am 8. Dezember 1941 setzt sich Präsident Franklin Delano Roosevelt vor dem vereinigten Kongress für eine Kriegserklärung an Japan ein. Sie erfolgt noch am selben Tag. US-Soldaten hören in Boston Roosevelts Rede vor dem Kongress am Radio. Hideki Tojo, der Premierminister Japans während des Zweiten Weltkriegs, ist hier in einer Aufnahme aus dem Jahr 1947 zu sehen. Er wurde von den Allierten als Kriegsverbrecher zum Tod verurteilt und Ende 1948 hingerichtet. Hirohito, der 124. Kaiser Japans, setzt den Kriegstreibern in seinem Kabinett kaum Widerstand entgegen und segnet ihre Angriffspläne ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg bleibt er zwar im Amt, aber er muss sich nun mit einer rein symbolischen Rolle begnügen. Admiral Husband E. Kimmel, Kommandant der amerikanischen Pazifikflotte, sagt 1946 vor dem Untersuchungsausschuss des Kongresses aus. Er und sein Kollege General Walter Short werden für das Desaster verantwortlich gemacht; sie verlieren zwei Generalssterne. 1999 werden sie vom Senat rehabilitiert. Zum 60. Jahrestag des Angriffs nimmt sich Hollywood des Themas an. Im Streifen «Pearl Harbor» (2001) flieht der Schauspieler Ben Affleck vor einer Explosion. Der Film wird ein Grosserfolg. In Pearl Harbor gibt es heute eine Gedenkstätte und ein Mahnmal. Ein Besucher geht beim Mahnmal des Zweiten Weltkriegs in Washington an einem Zitat von Präsident Roosevelt vorbei. Die «USS Arizona» ist heute in Pearl Harbor ausgestellt.

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Nach dem Frühstück betrat der Flugzeugmechaniker George D. Phraner das Deck des Schlachtschiffes «Arizona». Wie immer in Friedenszeiten hatten die Mannschaften sonntags frei und freuten sich auf einen ruhigen Tag. Plötzlich hörte er einen lauten Knall; von der nahe gelegenen Ford-Insel stiegen Rauchschwaden auf. Kurz darauf näherten sich Flugzeuge, deren Flügel das Emblem der aufgehenden Sonne trugen.

Phraner und seinen Kameraden wurde schlagartig klar, dass die kaiserliche japanische Luftwaffe angriff. Phraner hatte Glück: Als eine gewaltige Explosion das Vorderdeck der Arizona erschütterte und 1177 Menschen in den Tod riss, befand er sich weit entfernt im Munitionsmagazin und überlebte.

Bewusste Isolation

Was brachte die Japaner dazu, sich mit der stärksten Industriemacht der Welt anzulegen? Der Inselstaat hatte in den vergangenen Jahrzehnten eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Mitte des 17. Jahrhunderts schottete sich Japan von ausländischen, insbesondere europäischen Einflüssen ab. Einzig die Holländer durften auf einer winzigen künstlichen Insel vor Nagasaki weiterhin eine Handelsniederlassung unterhalten, während spanische und portugiesische Missionare erbarmungslos vertrieben, häufig auch umgebracht wurden. Doch als 1853 vier Dampfschiffe der amerikanischen Kriegsmarine unter dem Kommando von Matthew C. Perry in die Bucht von Edo (heute Tokio) einliefen, war es mit der selbst gewählten Isolation vorbei: Die Japaner mussten ihre Häfen öffnen und Handelsverträge mit den USA, später auch mit den grossen europäischen Nationen abschliessen.

Infografik: Angriff auf Pearl Harbor

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Modernisierung

Japanische Fürsten, die sich gedemütigt fühlten, stürzten nun die seit über 200 Jahren herrschenden Shogune (ursprünglich Feldherren, später Militärdiktatoren) aus dem Geschlecht der Tokugawa und stellten die zuvor eingeschränkte Macht des Kaisers zumindest formal wieder her. 1868 bestieg der erst 15-jährige Mutsuhito den Thron; seine bis 1912 währende Herrschaft stand unter dem Motto «Meiji» (Erleuchtete Regierung). Man studierte nun eifrig die westlichen Errungenschaften und leitete einen Modernisierungsprozess ein, der sich in atemberaubendem Tempo vollzog. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts produzierte Japan nicht nur hochwertige Textilien, sondern auch Stahl, chemische Erzeugnisse und Rüstungsgüter, die zu den modernsten der Welt zählten.

Expansion

Asiens erster Industriestaat wurde aber nun auch zu einer Bedrohung für seine Nachbarn. 1894/95 führte ein Streit um Korea zu einem Krieg mit China, den die schlagkräftige kaiserliche Armee gegen einen zahlenmässig deutlich überlegenen Gegner gewann. 1904/05 sicherten sich die Japaner durch einen Sieg über das zaristische Russland vorübergehend sogar die Herrschaft über die Mandschurei im Nordosten Chinas. 1910 wurde schliesslich Korea besetzt.
Die westlichen Mächte waren allerdings nicht bereit, das rasant aufgestiegene Land als gleichberechtigten Partner anzuerkennen, nicht einmal nach dem Ersten Weltkrieg, den Japan auf Seiten der Siegermächte bestritten hatte. Besonders die hohen Offiziere waren zutiefst verärgert, als Japan im Washingtoner Flottenabkommen von 1922 lediglich 60 Prozent des britischen und amerikanischen Kampfschiffbestandes zugestanden wurden. Unter den ohnehin sehr autoritär gesinnten Eliten machte sich nun zunehmend ein aggressiver Nationalismus breit.

Der Weg in den Krieg

Zudem war das sich rasch industrialisierende Land immer weniger in der Lage, den Lebensmittelbedarf seiner Bevölkerung aus eigener Produktion zu decken. Rohstoffe boten die japanischen Inseln kaum, sodass man insbesondere bei Metallen, Gummi und Erdöl auf Importe angewiesen war.
Den japanischen Nationalisten erschien es offensichtlich, dass sich diese Probleme nur durch Eroberungen in China und den europäischen Kolonien in Südostasien lösen liessen. 1931 inszenierten imperialistisch gesinnte Offiziere einen Anschlag auf einen japanischen Zug in der Mandschurei. Diesen «Mandschurischen Zwischenfall» (bis heute die offizielle Bezeichnung dieses Ereignisses in Japan) nahmen die Machthaber in Tokio zum Anlass, die gesamte Region unter ihre Kontrolle zu bringen. 1937 drängten japanische Truppen den chinesischen Regierungschef Tschiang Kaischek ins Landesinnere ab und besetzten grosse Teile der landwirtschaftlich nutzbaren Gebiete Chinas, wobei sie teilweise fürchterliche Massaker verübten, etwa bei der Eroberung der der neuen Hauptstadt Nanking.

Die USA, der wichtigste Wirtschaftspartner Japans, beobachteten diese Entwicklung mit Sorge, denn sie verstanden sich seit langem als Schutzmacht Chinas und befürchteten zudem, Japan könnte die unter amerikanischem Protektorat stehenden Philippinen bedrohen. Als japanische Truppen am 24. Juli 1941 in die französische Kolonie Indochina einrückten, war das Mass voll: Nach Absprache mit den Briten und Holländern verschärften die Amerikaner die bereits bestehenden Handelssanktionen so sehr, dass sich der japanische Aussenhandel um drei Viertel, die Versorgung mit Erdöl sogar um neun Zehntel reduzierte.

Der Angriff

Die japanische Regierung unter Ministerpräsident Hideki Tojo sah nun den Krieg als den einzigen Ausweg aus der misslichen Situation. Am 5. November wurde die Umsetzung des von Admiral Isoroku Yamamoto ausgearbeiteten Angriffsplans angeordnet. Drei Wochen später verliessen schliesslich die Schiffe, die die Operation durchführen sollten, ihre Häfen und näherten sich Hawaii auf Umwegen. Als 183 Flugzeuge von Flugzeugträgern aus am 7. Dezember kurz vor 8 Uhr die erste Angriffswelle flogen, waren die Einheiten der Pazifikflotte fast völlig unvorbereitet, obwohl es den Amerikanern schon einige Zeit zuvor gelungen war, die Funkcodes sowohl der japanischen Diplomatie als auch der japanischen Marine zu knacken. Verschwörungstheoretiker behaupten daher bis heute, Präsident Roosevelt habe den Überfall bewusst in Kauf genommen, um auf der Seite Grossbritanniens in den Krieg gegen Hitlerdeutschland eintreten zu können. Allerdings gilt es heute als gesichert, dass Roosevelts Wissen sehr lückenhaft war, da die Japaner in den Wochen vor der Attacke strikte Funkstille bewahrten und alle Anweisungen durch Kuriere überbringen liessen.

Nachdem 168 weitere Flugzeuge gegen 9 Uhr einen zweiten Angriff geflogen hatten, waren 2403 Amerikaner gefallen, zwölf Schiffe gesunken oder gestrandet und über 300 Flugzeuge zerstört oder beschädigt. Dennoch war die psychologische Wirkung des Angriffs erheblich grösser als die militärische, da Vizeadmiral Nagumo, der Kommandant der japanischen Truppen, es nicht wagte, eine dritte Attacke anzuordnen, um die Marinedocks und die Öltanks zu zerstören. Die amerikanischen Flugzeugträger waren der Katastrophe ohnehin entronnen; sie befanden sich zu diesem Zeitpunkt auf hoher See.

Das Ende

Von der Euphorie über den vermeintlichen japanischen Erfolg liess sich auch der mit Japan verbündete deutsche Diktator Adolf Hitler anstecken: «Wir können den Krieg gar nicht verlieren», frohlockte er gegenüber seinen Generälen Jodl und Keitel. «Wir haben jetzt einen Bundesgenossen, der in dreitausend Jahren nicht besiegt worden ist.» Tatsächlich erklärte er den USA bereits am 11. Dezember 1941 den Krieg, wozu er durch das rein defensiv ausgerichtete Bündnis mit Japan gar nicht verpflichtet gewesen wäre, und besiegelte damit seinen Untergang.

Die Japaner waren im Kampf gegen die Amerikaner zunächst sehr erfolgreich: Es gelang ihnen, grosse Teile Ostasiens zu überrennen, darunter die Philippinen sowie fast alle Kolonien Grossbritanniens, Frankreichs und der Niederlande.

Doch als die amerikanische Rüstungsmaschine auf Hochtouren zu laufen begann, wendete sich das Blatt. Nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 und dem Kriegseintritt der Sowjetunion am 8. August streckte Japan die Waffen; am 2. September konnte General Douglas MacArthur, der Kommandant der US-Truppen im Pazifik, an Bord des Schlachtschiffes «USS Missouri» die bedingungslose Kapitulation Japans entgegennehmen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • White House am 07.12.2011 23:33 Report Diesen Beitrag melden

    Von wegen Verschwörung...

    Schon mal was von der "Monroe Doktrin" gehört?

  • Aron Franchetti am 07.12.2011 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oerlikonkanone in den flugzeugen der japs

    Wieviele schweizer wissen,das die jap flugzeuge in pearl h mit originalen und unter lizenz gebauten oerlikon maschienenkanonen bestückt waren! Nachzulesen im neusten cokpit ,schweizer luftfahrtmagazin

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  • Mike am 07.12.2011 22:28 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder, der hier gegen die Amerikaner

    hetzt sollte mal "Special Unit 731" googlen. Oder Rape of Nanking, Bantaan Death March undundund..wenn sogar die Nazis von den Japanischen Gräueln angewidert waren, das sagt schon einiges. Übrigens haben die Japaner als Rache für die Unterstützung der Doolittle Flieger sage und schreibe 250'000 Chinesen ermordet.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Alex A. am 08.12.2011 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    Give me More!

    Bitte mehr solcher Artikel!! Das hat mir richtig Spass gemacht und mich gebannt. Das ist Wissen, dass mich interessiert und auch Wissen von öffentlichem interesse!

  • Bojo am 08.12.2011 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Tragische Gestalten...

    Wäre es nicht so bedrückend zu sehen, wie eigentlich vernunftbegabte Menschen jeglichen Verstand beiseite schieben und Verschwörungstheorien kolportieren ('Internationale Banker', Roosevelt/Rockefeller Verschwörung), müsste ich eigentlich lachen. Es ist zwar wesentlich interessanter, wenn man 99% der Fakten ignoriert und nur das Fragment, das der eigenen Theorie hilft, glaubt. Aber irgendwann wird es krankhaft. Die Wahrheit ist nicht 'da draussen' - sie ist direkt vor eurer Nase und viel weniger kompliziert als Ihr sie mit Euren Theorien macht. Aber zugegebenermassen auch langweiliger.

    • Ron Müller am 09.12.2011 16:43 Report Diesen Beitrag melden

      Wer kennt schon wirklich die Fakten?

      Ich finde es, obwohl ich bei vielen abstrusen Verschwörungstheorien deiner Meinung bin, genau so tragisch, Dinge nicht zu hinterfragen und einfach die offizielle Lehrmeinung zu übernehmen. Meine Erfahrung ist, dass wir auf täglicher Basis angelogen und Dinge verschwiegen werden. Daher finde ich es gut, offizielle Statements immer sehr kritisch zu hinterfragen und nehme dafür gerne einige abstruse Verschwörungstheorien in Kauf. Immer noch besser als noch mehr dumme Schafsmenschen auf diesem Planeten, die ihrem Hirten in jede Dummheit folgen und selber nicht mitdenkenken mögen.

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  • traurig am 08.12.2011 00:59 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Ein Trauerkapitel der Weltgeschichte für alle beteiligten Seiten.

    • Zeddozappel am 09.12.2011 06:46 Report Diesen Beitrag melden

      WK II zu Ende?

      Als wäre es zu Ende... Gibt es Fiedensverträge oder so neuerdings ?

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  • White House am 07.12.2011 23:33 Report Diesen Beitrag melden

    Von wegen Verschwörung...

    Schon mal was von der "Monroe Doktrin" gehört?

  • Mike am 07.12.2011 22:28 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder, der hier gegen die Amerikaner

    hetzt sollte mal "Special Unit 731" googlen. Oder Rape of Nanking, Bantaan Death March undundund..wenn sogar die Nazis von den Japanischen Gräueln angewidert waren, das sagt schon einiges. Übrigens haben die Japaner als Rache für die Unterstützung der Doolittle Flieger sage und schreibe 250'000 Chinesen ermordet.