«Isleworth Mona Lisa»

27. September 2012 10:47; Akt: 27.09.2012 12:29 Print

Kunstkrimi um die wahre «Mona Lisa»

von Daniel Huber - Sie ist grösser, jünger und sie wirkt fröhlicher. Aber stammt diese «Mona Lisa» wirklich von da Vinci? Eine Schweizer Stiftung will jetzt den Beweis antreten.

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Die «Mona Lisa» aus dem Louvre (l.) und die «Isleworth Mona Lisa» (r.)
(Bilder: Wikipedia.org / The Mona Lisa Foundation)

Heute um 15 Uhr enthüllt der ehemalige Schachweltmeister Anatoli Karpow im Genfer Hotel Beau Rivage ein Gemälde, das Geschichte – zumindest Kunstgeschichte – schreiben könnte: die «Isleworth Mona Lisa» (20 Minuten Online berichtet live). Dieses Porträt zeigt unverkennbar dieselbe Frau wie Leonardo da Vincis berühmtestes Gemälde, das im Pariser Louvre hängt.

Das Lächeln ist in der Tat beinahe identisch, doch die «Isleworth Mona Lisa» sieht wesentlich jünger aus als die Frau auf Leonardos Meisterwerk. Es soll sich denn auch um Leonardos erste Version des wohl berühmtesten Porträts der Welt handeln, sagt die in Zürich ansässige Mona Lisa Foundation, die im Besitz des Gemäldes ist. Sie hat eine Reihe von namhaften Kunstexperten aufgeboten, darunter Alessandro Vezzosi, Direktor des Museo Ideale Leonardo da Vinci in Vinci und Carlo Pedretti vom Armand Hammer Center for Leonardo Studies der University of California. Sie sollen in Genf historische und wissenschaftliche Beweise für diese These vortragen (20 Minuten Online berichtete).

Pulitzers «Dame»

Die «Isleworth Mona Lisa» ist in Kunstkreisen schon lange bekannt. Bisher galt sie indes als eine der zahllosen Kopien der «Gioconda» (italienisch «die Fröhliche, die Heitere»), wie Leonardos Porträt im Original heisst. Das Gemälde hat seinen Namen vom Londoner Ortsteil Isleworth, wo der Künstler und Kunsthändler Hugh Blaker (1873 - 1936) wohnte, der es kurz vor dem Ersten Weltkrieg in der Sammlung des Earl Brownlow of Somerset entdeckte und aufkaufte.

Aus Blakers Nachlass gelangte die «Isleworth Mona Lisa» zu Beginn der Sechzigerjahre zum amerikanischen Sammler Henry F. Pulitzer. Pulitzer war der erste, der vermutete, dass es sich um ein Werk von Leonardo selbst handelte. Im Vorwort zu seinem Buch «Where Is The Mona Lisa?» («Wo ist die Mona Lisa?») schrieb er: «Die fragliche Dame ist niemand anderes als die lange verschollene Mona Lisa, nicht das Bild im Louvre, das fälschlicherweise bis heute unter diesem Namen bekannt ist. Ich bin überzeugt, dass meine Dame von Leonardo da Vinci in seinem Atelier gemalt worden ist.» Allerdings ist Pulitzers Objektivität nicht über alle Zweifel erhaben, da er immerhin Besitzer des Porträts war. «Seine Dame» vermachte er seiner Freundin, aus deren Nachlass es schliesslich in den Besitz der Schweizer Stiftung gelangte.

Zwei unterschiedliche Versionen?

Die «Isleworth Mona Lisa» ist etwas grösser als das Porträt im Louvre. Die abgebildete Figur ähnelt der «Mona Lisa» aus dem Louvre sehr stark, was Komposition und Lichteinfall anbelangt. Das Gemälde zeigt links und rechts Säulen, die auch auf anderen Kopien der «Mona Lisa» zu sehen sind, im schmaleren Original aber bis auf Teile der Basis fehlen. Möglicherweise sind die Säulen dort abgeschnitten worden.

Pulitzer führte das Zeugnis von Leonardos Biograph Giorgio Vasari, selber ein Maler aus dem 16. Jahrhundert, als Beleg dafür an, dass es sich bei seinem Bild um eine von Leonardo selbst gemalte erste Version handeln könnte. Vasari schrieb, Leonardo habe mit der Arbeit an der «Mona Lisa» 1503 begonnen, sie dann aber unvollendet gelassen. 1517 erschien dann eine vollendete Version in Leonardos Sammlung – jene, die heute im Louvre hängt. Diese zeitliche Abfolge würde auch das unterschiedliche Alter der beiden Figuren erklären. Als weiteres Indiz für seine These zog Pulitzer das Geschichtsbuch «Trattato dell’arte della Pittura Scultura ed Architettura» von Giovanni Lomazzo heran. Lomazzo sprach 1584 von «der Gioconda und der Mona Lisa» – als wären es zwei verschiedene Gemälde und nicht zwei Namen für dasselbe Werk.

Rudimentärer Hintergrund

Freilich ist die «Isleworth Mona Lisa» auf Leinen gemalt, während das Louvre-Bild – wie fast alle Gemälde Leonardos – auf Holz gemalt wurde. Dies ist einer der Haupteinwände von Skeptikern, die bezweifeln, dass es sich bei der «Mona Lisa» aus Isleworth wirklich um ein Werk Leonardos handelt. Auch der nur rudimentär ausgeführte Hintergrund unterscheidet sich stark von Leonardos Meisterwerk. Möglicherweise wurden auch nur Teile des gesamten Porträts – Gesicht und Hände – von Leonardo selbst ausgeführt, während der Rest von Schülern gemalt wurde.

Am 27. September erfahren wir möglicherweise entscheidende neue Erkenntnisse, die den Kunstkrimi endlich auflösen. Für Spannung ist jedenfalls gesorgt. 20 Minuten Online überträgt die Enthüllung live aus dem Hotel Beau Rivage.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claudai Meier am 30.09.2012 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich sehr gut möglich

    Es war durchaus üblich, dass Schüler des Meisters Körper und Hintergrund vormalten. Der Meister machte dann nur noch Gesicht und Ausprägung. Die edlen Leute sind auch nicht tagelange Modell gesessen. Die kamen erst, wenn auch der Meister kam. Völlig logisch also, dass man für eine spätere Fassung den Körper der früheren Fassung noch mal (ab-)gemalt hat - und dann halt einfach das ältere Gesicht dazu. Die jüngere Mona gefällt mir noch besser als die ältere!

  • Christian am 27.09.2012 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Kopierschutz

    Na hätts mal früher auch einen Kopierschutz für Gemälde gegeben, dann wäre diese Diskussion auch hinfällig :)

  • carmen diaz am 27.09.2012 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    nein, das ist wohl kaum...

    ...von da vinci. wenn sie darauf jünger erscheint und fröhlicher, dann müsste sie ja auch auch jünger gemalt worden sein. aber weshalb hat sie dann das selbe kleid, den selben schleier, die selbe frisur, die selbe haltung und prinzipiell auch den selben hintergrund? es fehlt mir da jegliche logik. ich würde viel eher davon ausgehen, dass ein schüler von da vinci dies aufgrund der original vorlage angefertigt hat. da ging es wohl mehr um die mona selbst, weshalb der hintergrund vernachlässigt wurde, was da vinci nie gemacht hätte. welches museum hätte mich denn jetzt gerne als kuratorin?...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Claudai Meier am 30.09.2012 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich sehr gut möglich

    Es war durchaus üblich, dass Schüler des Meisters Körper und Hintergrund vormalten. Der Meister machte dann nur noch Gesicht und Ausprägung. Die edlen Leute sind auch nicht tagelange Modell gesessen. Die kamen erst, wenn auch der Meister kam. Völlig logisch also, dass man für eine spätere Fassung den Körper der früheren Fassung noch mal (ab-)gemalt hat - und dann halt einfach das ältere Gesicht dazu. Die jüngere Mona gefällt mir noch besser als die ältere!

  • Software am 28.09.2012 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Paint

    Auf Youtube gibt es ein Video in dem jemand Monalisa in Paint Malt, gemäss der komischen Erkennungssoftware ist das ding sicher auch von Da Vinci XD (Mona Liasa Paint)

  • Jacky am 27.09.2012 22:24 Report Diesen Beitrag melden

    Quatsch

    schon mal ihren linken ärmel verglichen, die falten sind praktisch identisch.

  • Pablo Pic-Asso am 27.09.2012 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    DaVincis Factory

    Paris, Madrid und jetzt aussm Safe in Genf, mal sehen, wieviele echte Mona Lisas noch ploetzlich auftauchen, fast wie aus Andy Warhols Factory....

  • S. Gruber am 27.09.2012 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übung macht den Meister

    Ich bin kein Kunstexperte und verstehe auch nicht viel davon, jedoch kenne ich das Sprichwort übung macht den Meister. Vielleicht ist es ja von ihm, kein Meister ist noch vom Himmel gefallen... Aber beurteilen kann und will ich nicht, das sollen die Experten machen!