Sensations-Fund

17. Februar 2011 16:07; Akt: 17.02.2011 16:07 Print

Nazis drehten in 3-D

Ein australischer Filmemacher hat in Deutschland einen unerwarteten Fund gemacht: Zwei Filme aus der Nazi-Zeit, die in 3-D-Technologie aufgenommen wurden.

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Im Zuge von Recherchen für eine Dokumentation über Propagandafilme im Dritten Reich entdeckte Philippe Mora im Bundesarchiv in Berlin die beiden 30-minütigen 3-D-Filme aus dem Jahr 1936. «Die Qualität der Filme ist fantastisch», schwärmte Mora gegenüber dem australischen Fernsehsender «Channel Nine». «Die Nazis waren besessen davon, alles aufzuzeichnen, jedes einzelne Bild wurde kontrolliert mit dem Ziel, die Kontrolle über das Land und die Menschen zu erlangen.»

Inhaltlich scheinen die Filme ziemlich banal zu sein: Beim ersten soll es sich um ein Musical handeln, das auf einem Karneval spielt; gezeigt werden unter anderem Bratwürste, die auf einem Grill brutzeln. Der zweite zeigt junge Frauen auf dem Weg ins Wochenende. Mora vermutet, dass es sich um UFA-Schauspielerinnen handelt.

Als «Raumfilme» bezeichnet

Gedreht wurden die Filme im 35mm-Format, offenbar mit einem Prisma, das zwei Linsen vorgeschaltet war. Produziert wurden sie von einem unabhängigen Studio für das Propagandaministerium von Joseph Goebbels und als «Raumfilme» bezeichnet, «vermutlich hat deshalb noch niemand realisiert, dass sie in 3-D gedreht wurden», so der Filmemacher. Philippe Mora ist überzeugt, dass noch weiteres unentdecktes 3-D-Material vorhanden ist.

Qualitativ sollen die Filme ihrer Zeit weit voraus sein. Zwar hatte ebenfalls 1936 ein 3-D-Streifen den Oscar für den besten Kurzfilm gewonnen, doch erst in den 50er Jahren erlebte das Genre einen kurzen Boom in Hollywood, im qualitativ unbefriedigenden Rot-Grün-Verfahren. Bis zum Durchbruch mit Filmen wie «Avatar» dauerte es nochmals Jahrzehnte.

Farbfilme entdeckt

Mora, der 1949 als Sohn eines deutschen Juden und einer Australierin in Frankreich geboren wurde, ist ein Spezialist für unentdecktes Nazi-Filmmaterial. Bei den Arbeiten für seinen Dokumentarfilm «Swastika» hatte er 1973 die Farbaufnahmen entdeckt, die auf dem Obersalzberg in Berchtesgaden von Adolf Hitler und Eva Braun gedreht wurden. «Swastika» hatte bei seiner Premiere in Cannes für eine heftige Kontroverse gesorgt, weil er die biedere Seite des «Monsters» Hitler zeigte.

(pbl)