Die ersten Astronauten

18. August 2012 11:04; Akt: 14.01.2013 12:28 Print

Piccards Höhenflug

von Daniel Huber - Er gehört in eine Zeit, als Wissenschaftler noch Abenteurer sein konnten: Der Naturforscher Auguste Piccard stieg vor 80 Jahren mit einem Ballon in fast 17 Kilometer Höhe auf – Weltrekord.

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Professor Auguste Piccard (vorn Mitte) und sein belgischer Assistent Max Cosyns (in der Kapsel) posieren am 18. August 1932 in Dübendorf vor dem Start zu ihrem Stratosphärenflug. In der Stratosphäre beträgt der Luftdruck nur noch ein Zehntel des Werts auf Meereshöhe, und die Temperatur sinkt auf ungefähr -60° C. Bild: Die Kapsel des Ballons steht vor dem Start in einem Hangar des Flugfeldes in Dübendorf. Piccard (M.) und der Physiker Cosyns (l.) vor der Aluminiumkapsel. Techniker befördern die Kapsel vom Hangar auf das Flugfeld. Vor dem Start. Eine Batterie von Wasserstoff-Flaschen zum Befüllen des 14 000 Kubikmeter grossen und 800 Kilo schweren Seidenballons. Piccard steigt in die Kapsel. Der Start erfolgte um 5:07 Uhr; es war noch dunkel. Piccard und Cosyns Stratosphärenflug erreichte um 10:40 Uhr irgendwo hoch über dem Vierwaldstättersee die Höhe von 16 201 Meter (barometrische Messung) bzw. 16 940 Meter (geometrische Messung). Bild: Piccard richtet vor dem Start die Seile über der Kapsel. Das war bereits Piccards zweiter Weltrekord. Ein gutes Jahr zuvor war er mit seinem Assistenten Paul Kipfer von Augsburg-Gersthofen aus in die Rekordhöhe von 15 781 Metern vorgestossen. Bild: Der Start in Dübendorf. Piccard und Kipfer waren die ersten Menschen, die mit eigenen Augen die Erdkrümmung betrachten konnten. Sie können deshalb als die ersten Astronauten betrachtet werden. Bild: Piccard in der Gondel des Ballons. Kurz vor 17 Uhr landeten die beiden Männer bei Monzambano südlich des Gardasees in Italien. Bild: Erschöpft liegen Piccard und Cosyns vor der Kapsel. Zahlreiche Schaulustige und Journalisten fanden sich vor der Albergo Reale Mayer ein, wo sich Piccard und Cosyns nach der Landung auf dem Balkon der Menge präsentierten.

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Es war noch dunkel, als die beiden Männer am 18. August 1932 bei Dübendorf in die kugelförmige Kapsel stiegen. Um 5:07 Uhr hoben der Schweizer Wissenschaftler und Erfinder Auguste Piccard und sein belgischer Assistent Max Cosyns ab. Der Gasballon trug die Aluminiumgondel mit den wagemutigen Flugpionieren hoch in die Stratosphäre hinauf. In dieser unwirtlichen Höhe beträgt der Luftdruck nur noch ein Zehntel des Werts auf Meereshöhe, und die Temperatur sinkt auf ungefähr –60° C.

Als die beiden erschöpften Männer kurz vor 17 Uhr bei Monzambano südlich des Gardasees in Italien landeten, hatten sie einen neuen Höhen-Weltrekord aufgestellt: Um 10:40 hatten Piccard und Cosyns irgendwo hoch über dem Vierwaldstättersee die Höhe von 16 201 Meter (barometrische Messung) bzw. 16 940 Meter (geometrische Messung) erreicht.

Zwei Weltrekorde in Folge

Das war bereits Piccards zweiter Weltrekord. Ein gutes Jahr zuvor, am 27. Mai 1931, war er mit seinem Assistenten Paul Kipfer von Augsburg-Gersthofen aus in nur 30 Minuten in die Rekordhöhe von 15 781 Metern aufgestiegen. Sie waren die ersten Menschen, die mit eigenen Augen die Erdkrümmung betrachten konnten. Die NASA betrachte die beiden Pioniere deshalb als die ersten Astronauten, sagte 2006 Jean-François Rubin, Konservator des Musée du Léman in Nyon, anlässlich des 75-jährigen Jubiläums dieses ersten Flugs.

Bei diesem ersten Stratosphärenflug fand derselbe 14 000 Kubikmeter grosse und 800 Kilo schwere Seidenballon Verwendung, der dann auch beim zweiten Flug benutzt wurde. Der erste Ausflug in die Stratosphäre verlief freilich nicht problemlos: Ein Seil blockierte ein Gasventil, mit dem die Ballonfahrer Wasserstoff ablassen wollten, um den Sinkflug einzuleiten. Piccard kommentierte dies mit den Worten, er habe noch nie einen Ballon nicht wieder herunterkommen sehen – die Frage sei nur wann. Mit den sinkenden Temperaturen in der Nacht sank dann aber auch der Ballon und der erste Stratosphärenflug endete etwas unsanft auf einem Tiroler Gletscher.

Vom Höhen- zum Tiefenrekord

Nach seinem zweiten Rekordflug kehrte Piccard dem Himmel den Rücken zu und widmete sich künftig der Erforschung der Tiefsee. Auch hier brach der Erfinder Rekorde: Mit dem von ihm entworfenen Tauchboot, dem Bathyskaph «Trieste», tauchte er 1953 im Thyrrenischen Meer zusammen mit seinem Sohn Jacques in die bisher noch nie erreichte Tiefe von 3150 Metern. Auguste Piccard war damals bereits 69 Jahre alt. Darum wohl war er im Januar 1960 nicht an Bord der «Trieste», als Jacques zusammen mit dem Amerikaner Don Walsh den ultimativen Tiefenrekord aufstellte: Die beiden tauchten 10 916 Meter tief auf den Grund des Challengertiefs im Marianengraben. Gut zwei Jahre später starb Auguste Piccard am 24. März 1962 in Chexbres bei Lausanne.

Piccards zweiter Stratosphären-Rekordflug aus dem Jahr 1932 hielt übrigens nicht allzu lange. Schon am 23. Oktober 1934 stieg in Detroit, USA, ein Ballon auf beeindruckende 17 341 Meter Höhe. An Bord waren Piccards in die USA ausgewanderter Zwillingsbruder Jean Félix und dessen Gattin Jeannette. Der Höhenrekord blieb so gewissermassen in der Familie.