Familie Einstein

24. Februar 2011 16:20; Akt: 24.02.2011 16:35 Print

Polizei sucht Mörder von Frau und Kindern

Vor 66 Jahren ermordete ein Trupp deutscher Soldaten die Familie von Albert Einsteins Cousin. Jetzt wird das Verbrechen neu aufgerollt, die Polizei sucht Zeugen.

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Kann der Mord an den Einsteins nach fast 70 Jahren aufgeklärt werden?
(Bilder: Lorenza Mazzetti)

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In Italien fühlten sie sich sicher: Robert Einstein, Cousin und enger Freund des berühmten Physikers Albert Einstein, seine Frau und ihre beiden Töchter. Doch im August 1944, der Zweite Weltkrieg war fast zu Ende, wurden die Einsteins Opfer einer Bluttat. Während Albert Einstein bereits früh in die USA flüchtete, verblieb ein Teil seiner jüdischen Familie im vom Terror deutscher Naziherrschaft und vom Antisemitismus gezeichneten Europa. Eine verheerende Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte.

Mord an Frau und Kindern

Es war der 3. August 1944, als ein Trupp deutscher Soldaten die Villa der Einsteins in Rignano sull’Arno in der Toskana stürmte. Die Soldaten suchten Robert Einstein, doch der war abwesend. Sie zerrten Einsteins Gattin Nina und die Mädchen Luce und Cici ins Kaminzimmer und erschossen die Frau und die beiden Kinder kaltblütig. Zum selben Zeitpunkt bewachte ein junger Soldat, kaum älter als 18 Jahre, zwei Mädchen, die im oberen Stockwerk des Hauses wohnten. Als die Frauen schrien, Schüsse fielen, brach der junge Soldat weinend zusammen.

Später durchsuchte der Trupp das Haus, steckte es anschliessend in Brand. Robert Einstein verkraftete den Verlust seiner Liebsten nicht: Ein Jahr nach dem grausamen Vorfall nahm er sich das Leben. Es war der Hochzeitstag der Einsteins.

Ermittlungen neu aufgenommen - nach fast 70 Jahren

Gestern wurde der Fall in der ZDF-Fahndungssendung «Aktenzeichen XY ungelöst» neu aufgerollt. Die Polizei sucht Zeugen, die Hinweise auf den Soldatentrupp, beziehungsweise den jungen Mann geben können, der die beiden Mädchen während der Bluttat bewachte.

In einem rührenden Brief an die Redaktion machten die beiden Hausbewohnerinnen - beide sind mittlerweile Mitte 80 – darauf aufmerksam, dass sie gegenüber ihrem damaligen Bewacher keinerlei Groll hegten. Sollte er noch leben, hat er auch den Ermittlern zufolge nichts zu befürchten.

Obwohl die meisten Verantwortlichen des Verbrechens nicht mehr am Leben sein dürften, machen sich die deutschen Ermittler Hoffnungen: Mit weiteren Details und Hinweisen sehen die Polizisten Chancen, den Dreifach-Mord nach fast 70 Jahren doch noch aufklären zu können.

Polizei sucht Hinweise und Zeugen

Die Polizisten suchen jetzt Zeugen, die etwas über den Vorfall und den mordenden Soldatentrupp wissen, vielleicht auch durch Erzählungen von bereits verstorbenen Familienangehörigen.
Für Hinweise, die zur Aufklärung des Verbrechens von 1944 führen, hat die zuständige Staatsanwaltschaft in Landau eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt:
LKA Baden-Württemberg, Telefon +41(0) 711 / 54 01 36 22


(rre)