Kriminell gut

30. Januar 2016 18:19; Akt: 30.01.2016 18:19 Print

Schmuggler narrten Polizei mit Kuhschuhen

Als der Alkohol in den USA verboten war, florierte der Schwarzhandel. Dank einer einfachen Idee waren die Gangster der Polizei oft einen Schritt voraus.

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In den Vereinigten Staaten galt von 1919 bis 1933 ein striktes Herstellungs-, Transports- und Verkaufsverbot für Alkohol. Die sogenannte Prohibition war sogar in der Verfassung verankert. Das einzige Problem am 18. Zusatzartikel war, dass sich die freiheitsliebenden Amerikaner keinen Deut darum scherten.

Die Nachfrage nach Alkohol war auch nach Inkrafttreten des Gesetzes ungebrochen. Um den Bedarf zu stillen, entstand eine ganze Industrie innerhalb des organisierten Verbrechens. Die Bosse verdienten sich eine goldene Nase – der berühmteste unter ihnen war Al Capone, der dank des Schwarzhandels mit Alkohol zum unangefochtenen König der Chicagoer Unterwelt aufstieg.

Schwarzbrennereien im Wald

Männer wie Al Capone stellten den Whiskey aber nicht selber her. Das besorgten sogenannte Moonshiners, die nachts tief in den Wäldern des Südens Hochprozentiges destillierten. Um den örtlichen Gesetzeshütern nicht die Lage der illegalen Brennereien zu verraten, mussten sie Mittel finden, ihre Spur zu tarnen.

Inspiration holten sie sich dafür bei Sherlock Holmes, wie der «Evening Independent» aus St. Petersburg, Florida, im Mai 1922 schrieb. In der Kurzgeschichte «Die Abtei-Schule» (im Original «The Adventure of the Priory School») von 1904 legt der Bösewicht im Moor eine falsche Spur, indem er seinem Pferd falsche Kuh-Hufe überstülpte.

Kuhschuhe aus Holz

Die Moonshiners adaptierten die Idee und fertigten sich Kuh-Schuhe an, die sie über ihre normalen Schuhe stülpen konnten. Der «Evening Independent» beschrieb ein Exemplar, das von der Polizei nahe einer aufgeflogenen Brennerei gefunden wurde, wie folgt: «Der Kuhschuh ist ein Metallstreifen, an dem ein Holzblock befestigt ist, der so geschnitzt wurde, dass er einem Kuh-Huf gleicht. Dieser kann an den menschlichen Fuss gebunden werden. Ein Mann, der ein Paar davonträgt, würde eine Spur hinterlassen, die der einer Kuh gleicht.»

Statt verräterischer Schuhabrücke fanden die Ermittler also nur unverdächtige Kuhspuren. Der Trick schien – wie viele andere auch – zu funktionieren, gab es doch auch während der Prohibition immer genügend Alkohol für durstige Kehlen. Allein in New York soll es bis zu 30'000 sogenannte Flüsterkneipen («Speakeasys») gegeben haben, wo Menschen heimlich Alkohol tranken.

1933 beendete Washington schliesslich das Experiment Prohibition wieder. Mit dem 21. Zusatzartikel zur Verfassung wurde der 18. aufgehoben und der Alkohol auf Bundesebene wieder erlaubt. Dennoch gibt es in den USA bis heute Dry Counties. Das sind Bezirke, in denen ein Alkoholverbot herrscht. Der wohl berühmteste ist Moore County mit dem Städtchen Lynchburg im Bundestaat Tennessee – wo der Jack Daniel’s Whiskey herkommt.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jane38 am 31.01.2016 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schuhe

    der mit den kuhschuhen ist so simpel und doch brilliant

  • Igel am 31.01.2016 05:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das waren noch Zeiten....?

    Ja damals spazierten die Kühe noch auf zwei Beinen. Aber mit den heutigen Milchleistungen braucht es vier Beine.

  • JG am 31.01.2016 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was wäre wenn?

    Jetzt stellt Euch mal vor, Alkohol würde in der CH verboten werden... was würde wohl passieren? Da wären Hanfplantagen wohl kein Thema mehr... resp. das kleinere Übel...

Die neusten Leser-Kommentare

  • JG am 31.01.2016 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was wäre wenn?

    Jetzt stellt Euch mal vor, Alkohol würde in der CH verboten werden... was würde wohl passieren? Da wären Hanfplantagen wohl kein Thema mehr... resp. das kleinere Übel...

  • Jane38 am 31.01.2016 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schuhe

    der mit den kuhschuhen ist so simpel und doch brilliant

  • Andrew am 31.01.2016 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tipp:

    Schaut Euch die Serie "Boardwalk Empire" an...

  • Igel am 31.01.2016 05:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das waren noch Zeiten....?

    Ja damals spazierten die Kühe noch auf zwei Beinen. Aber mit den heutigen Milchleistungen braucht es vier Beine.

  • Trummler am 30.01.2016 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Bierdemonstration"

    Ganz ehrlich, das hört so bekloppt an xD Dann möchte ich gerne mal eine Pfefferminzsirupdemontration starten. Warum haben die Migros diese Köstlichkeit nur aus dem Sortiment genommen!? :*(

    • ich am 31.01.2016 02:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Trummler

      Bezüglich Sirup: Real (DE) Wenn sie ihn aus dem Sortiment nehmen sind sie selbst Schuld wenn man ihn anderswo zB im Ausland kauft.

    • Heinz Maier am 31.01.2016 07:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Trummler

      Das waren noch zeiten :). Zu ihrer frage: vermutlich war die nachfrage nach diesem sirup zu gering. Ich habe noch nie von ihm gehört?

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