Geld und Leichen

01. Juni 2019 13:50; Akt: 01.06.2019 13:50 Print

Als die Niagarafälle trockengelegt wurden

von Fee Riebeling - Donnerndes Wasser – die Niagarafälle machen ihrem indianischen Namen eigentlich alle Ehre. Ausser im Jahr 1969.

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Die Niagarafälle könnten bald etwa so aussehen, zumindest die ganz auf US-Gebiet gelegenen American Falls. Zu den Niagarafällen zählt neben den 260 Meter langen American Falls (links) auch der 670 Meter lange Horsehoe Fall (rechts), durch den die Grenze zwischen den USA und Kanada verläuft. Dazwischen liegt die Grüne Insel. Die Grüne Insel ist durch zwei mehr als 100 Jahre alte Brücken oberhalb der American Falls erschlossen. Diese sollen nun renoviert werden, weshalb die American Falls trockengelegt werden sollen. Zur Erinnerung: So sehen die American Falls normalerweise aus. Das könnte bald von ihnen übrig sein. Die Aufnahme entstand im Juni 1969, als den American Falls erstmals das Wasser abgedreht wurde. Die Massnahme erfolgte damals, um das Gestein zu untersuchen und die Erosion zu stoppen. Die Geröllhalde unterhalb der American Falls ist die Folge eines Felssturzes von 1954. Bei der fünfmonatigen Trockenlegung sammelten die Experten eimerweise Münzen ein, die von abergläubischen Besuchern über die Jahrzehnte in die Fälle geworfen worden waren. Auch die Überreste von zwei Menschen tauchten auf. (Im Bild: Trockengelegte Fälle, 1969) Im November 1969 wurde das Wasser dann wieder durchgelassen. Übrigens stürzt bereits jetzt nicht das ganze Wasser des Niagara Rivers über die Fälle in die Tiefe. Von durchschnittlich 5750 Kubikmetern pro Sekunde wird rund die Hälfte zur Stromgewinnung abgezweigt. In der Nacht und in der Nebensaison können es sogar bis zu 75 Prozent sein.

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Sie sind die wohl bekanntesten Wasserfälle der Welt: Die Niagarafälle an der Grenze zwischen den USA und Kanada. Doch so natürlich wie sie auf den ersten Blick wirken, sind sie nicht. Denn die Menge der herabstürzenden Wassermassen bestimmt der Mensch. Ohne sein Zutun wäre diese etwa doppelt so gross. So sind es – je nach Jahreszeit – «nur» 2,8 bis 5,7 Millionen Liter pro Sekunde.

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Die Drosselung dient vor allem der Energiegewinnung. Die zurückgehaltenen Wassermassen werden an den Klippen vorbei und in ein Stauwehr geleitet, wo sie mithilfe von Turbinen Strom erzeugen. Ausserhalb der Saison und nachts nehmen gar 90 Prozent des vorhandenen Wassers diesen Weg.

Genau hingeschaut

Ein massiver Eingriff durch den Menschen, der erst einmal – im Jahr 1969 – übertroffen wurde. Damals wurden ein grosser Teil der Fälle für fünf Monate stillgelegt. Eine bislang einmalige Sache, die sich auf amerikanischer Seite (siehe Box 1) jedoch bald wiederholen könnte (siehe Bildstrecke).

Grund für den damaligen Wasserstopp an den American Falls waren wissenschaftliche Untersuchungen. Forscher untersuchten das Gelände geologisch und prüften, welche Spuren das sonst kontinuierlich fliessende Wasser im Stein hinterlässt.

Neue Erkenntnisse – und Überraschungen

Unter anderem wurde Beton in den Fels gedrückt, um die Erosion zu stoppen. Diese hatte 1954 einen Felssturz ausgelöst, der eine riesige Geröllhalde unterhalb der American Falls hinterliess. Entgegen den ursprünglichen Plänen räumte man diese 1969 aber nicht weg. Man hatte erkannt, dass sie eine wichtige Stützfunktion übernimmt.

Bei den Arbeiten entdeckten die Wissenschaftler ausserdem zwei Leichen, die vermutlich von Personen stammten, die sich freiwillig das Leben genommen haben. Weiter fanden die Forscher jede Menge Münzen im Geröll. Offenbar waren diese von abergläubischen Menschen in die Strömung geworfen worden.

Dort, wo sonst Wasser steht, standen damals Bagger. (Video: Youtube/CBC News)

So speziell das Bild der trockenen Fälle auch sein mag: Auch wenn das Wasser von den Klippen stürzt, sind sie mehr als sehenswert. Und das nicht nur, wenn Wagemutige und Draufgänger dort für Aufsehen sorgen. Die Mutigsten lernen Sie in folgender Bildstrecke kennen:

Einmal im Leben die Niagarafälle runterstürzen

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • pater007 am 01.06.2019 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich mag solche Geschichten

    Tolle Story, vielen Dank. Bitte mehr davon!

  • Alex B. am 01.06.2019 16:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte mehr davon...

    Solche Artikel sind interessant und lesenswert! Danke.

  • Denise am 01.06.2019 16:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Donnerndes Wasser

    Sehr interessanter Beitrag; war sehr lehrreich,Danke.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Neumann am 01.06.2019 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Story

    Gute Story, ineressant. Mehr davon und weniger Promi-und Influencer-Käse bitte.

  • Mr Spock am 01.06.2019 22:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wohin?

    Toller Bericht, schon fast gedacht, ich hätte die falsche Zeitung geöffnet! ;-) Habe es aber zweimal gelesen, und nicht herausgefunden wohin denn das Wasser umgeleitet wird?

  • Peter Pan am 01.06.2019 22:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Als die....

    Trockengelegt wurden floss kein Wasser, whow - never gets better

  • Dumby am 01.06.2019 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toller Bericht

    Mal was interessantes bei dem es nichts zum Empören gibt

  • Mickey House am 01.06.2019 21:51 Report Diesen Beitrag melden

    Geröllhalden müssten weg

    Wegen den Geröllhalden ist jemand der dort runterfällt, praktisch chancenlos zu überleben.Die müssten weg. Wär nicht wirklioch schwierig. Auch das Stützproblem liesse sich auch einfach lösen.