Skandale im Vatikan

01. April 2013 16:18; Akt: 28.11.2013 00:55 Print

So toll trieben es die Päpste

von Daniel Huber - Papst Franziskus gilt als Ausbund der Bescheidenheit. Ungleich mancher seiner Vorgänger: Habgier war nur eines ihrer Laster. Auf dem Stuhl Petri sassen Ehebrecher, Vergewaltiger und eine Leiche.

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Er war als Ehebrecher berüchtigt. Deswegen wurde er bei einer Prozession vom Pferd gestossen. Seine Gegner wollten ihm die Zunge abschneiden und die Augen ausstechen. Er wurde in ein Kloster verschleppt, aus dem ihm jedoch die Flucht gelang. Er konnte nach Paderborn fliehen, wo er auf den Frankenkönig Karl den Grossen traf, den er Weihnachten 800 zum Kaiser krönte (Bild). Der erste von acht mittelalterlichen Päpsten, die einen gewaltsamen Tod starben, wurde im Kampf gegen die Sarazenen erschlagen oder von seinen Verwandten ermordet. Diese sollen versucht haben, ihn zu vergiften. Als das Gift nicht schnell genug wirkte, sollen sie ihn mit einem Hammer erschlagen haben. Manche behaupten, Johannes VIII. sei nicht ein Mann gewesen, sondern die legendäre Päpstin Johanna. Formosus krönte Guido von Spoleto zum Kaiser. Als dieser aber zu mächtig wurde, rief er den deutschen König Arnulf aus Kärnten zu Hilfe, der daraufhin Rom eroberte und selbst zum Kaiser wurde. Formosus starb eines natürlichen Todes. Schaurige Berühmtheit erlangte er erst als Leiche – er wurde, bereits verstorben, von seinem Nachfolger vor Gericht gestellt. . Stephan VI., der Anhänger des ehemaligen Kaisers Spoleto, dessen Entmachtung Formosus betrieben hatte, liess die halbverweste Leiche des Formosus vor Gericht zerren. Nach einem dreitägigen Prozess wurden dem Leichnam alle Papstwürden aberkannt und die drei Schwurfinger abgeschlagen. Der Körper wurde in den Tiber geworfen. Stephan aber blieb nicht lange Papst: 897 wurde er in den Kerker geworfen und dort erwürgt. Stephans Nachfolger Theodor II. rehabilitierte Formosus, dessen Leiche aus dem Tiber geborgen worden war. Sergius III. liess dann die Leiche ein weiteres Mal exhumieren und in den Tiber werfen, wo sie aber wieder geborgen und schliesslich im Petersdom beigesetzt wurde. Sergius III. liess vermutlich seine beiden Vorgänger, Papst Leo V. und Papst Christophorus, erwürgen. Sergius zeugte mit seiner Mätresse Marozia (Bild) einen Sohn, den späteren Papst Johannes XI. Mit dem Pontifikat des Sergius begann die Periode der , mit der elf weitere Päpste in Verbindung gebracht werden und die erst im Jahr 963 mit dem Tod von Papst Johannes XII. endete. Johannes wurde als Jugendlicher Papst (im Bild bei der Krönung Ottos des Grossen) und wurde 963 wegen Unwürdigkeit abgesetzt. Er war ungebildet und beherrschte nur die Vulgärsprache. Er soll Pilgerinnen im Petersdom vergewaltigt, heilige Gefässe an Prostituierte verschenkt und dem Teufel mit Trinksprüchen gehuldigt haben. 964 wurde er angeblich von einem gehörnten Ehemann erschlagen. Man nannte ihn auch den «Kinderpapst», doch bis heute ist nicht gesichert, ob er wirklich schon mit 12 Jahren auf den Heiligen Stuhl kam – oder erst mit Anfang 20. Er soll bisexuell veranlagt gewesen sein, Sex mit Tieren gehabt haben und sich mit Hexerei und Satanismus beschäftigt haben. Ein Autor nannte ihn «Dämon der Hölle hinter der Maske eines Priesters». Der Name Innozenz IV. ist eng verbunden mit den Schrecken der Inquisition. In seiner Bulle «Ad Extirpanda» legte er 1252 fest, dass bei der Strafverfolgung von Ketzern die Folter ein probates Mittel darstelle. Er soll sogar bei der Entwicklung möglichst brutaler Foltermethoden mitgeholfen haben. Als einige Kardinäle sich nach der Papstwahl gegen ihn stellten, liess er alle foltern, die er als Verschwörer verdächtigte. Er soll sich beschwert haben, wenn die Gepeinigten nicht laut genug schrien. Kardinäle, die seinen Geisteszustand kritisierten, wurden besonders heftig gefoltert, fünf von ihnen später in Genua sadistisch hingerichtet. Möglicherweise wurde Urban vergiftet. Sein Tod soll im Vatikan Jubel ausgelöst haben. Er wurde von Zwingli scharf attackiert, weil er sich Gott nennen liess. Er hatte vermutlich ein Verhältnis mit seiner eigenen Tochter Lucrezia Borgia, der bekanntesten Giftmischerin der Geschichte. Gegner räumte er mit dem berüchtigten «Borgia-Gift» aus dem Weg. Er soll neun Kinder von verschiedenen Mätressen gehabt haben. Noch als Siebzigjähriger hielt er sich eine sehr junge Mätresse namens Giulia Farnese, die die Römer blasphemisch «sponsa christi» (Braut Christi) nannten. Er war der Papst, der den Kirchenbann über Luther verhängte. Seinen Hofnarren, den er immer dabei hatte, liess er brutal verprügeln, wenn der nicht lustig genug war. Leo X. wurde vermutlich vergiftet. Er hinterliess so viele Schulden, dass nicht einmal die Kerzen zu seiner Beerdigung bezahlt werden konnten. (Quelle: )

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Seit dem 13. März 2013 ist Jorge Mario Bergoglio als Papst Franziskus das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Der erste Jesuit, der zum Papst gewählt wurde, gilt als «Papst der Armen», der mit Traditionen bricht und bescheiden auftritt.

Doch unter seinen 265 Vorgängern auf dem Heiligen Stuhl gab es einige, die ganz und gar nicht bescheiden waren, sondern ihr Amt als Gelegenheit sahen, in jeder Beziehung auf ihre Kosten zu kommen. Habgier war da bei weitem nicht das einzige Laster – zahlreiche Stellvertreter Christi waren auch den fleischlichen Genüssen keineswegs abgeneigt. Berüchtigt sind da natürlich vor allem die Renaissancepäpste des 16. Jahrhunderts, als die Prachtentfaltung des Papsttums ihren Höhepunkt erreichte. Damals gab es in Rom so viele Prostituierte, dass man die Ewige Stadt spasseshalber nicht mehr caput mundi («Haupt der Welt»), sondern cauda mundi («Schwanz der Welt») nannte.

Inzest und Gift

Auch Papst Alexander VI. (1492 - 1503) aus der berüchtigten Familie der Borgia, der seine Wahl zum Pontifex gekauft hatte, war dem weiblichen Geschlecht trotz seinem Keuschheitsgelübde sehr zugetan. Er hatte mehrere Kinder mit verschiedenen Frauen, überdies soll er mit seiner eigenen Tochter Lucrezia eine inzestuöse Beziehung geführt haben – dies mag aber auch ein Gerücht sein, das von seinen Gegnern in die Welt gesetzt wurde. Dasselbe gilt für die Gruppensex-Orgien, die er während seines Pontifikats veranstaltet haben soll. Seine Gegner soll Alexander mit dem berüchtigten «Borgia-Gift» aus dem Weg geräumt haben.

Video: «Horrible Histories - Pope Alexander VI»
Ein nicht ganz ernst gemeinter Blick auf Alexander VI. (engl.):

(Quelle: Youtube/TheElviniho)

Aber auch schon früher lebten manche Päpste keineswegs dem keuschen Ideal nach, das die Kirche predigte. Im frühen 10. Jahrhundert begann mit Papst Sergius III. (904 – 911) eine Periode des Papsttums, die heute den unrühmlichen Namen «Pornokratie» (von griech. porne, «Hure») trägt. Während dieser Mätressenherrschaft standen die Päpste unter dem Einfluss von zum Teil käuflichen Geliebten. Besonders Marozia, eine Tochter des Grafen von Tusculum, beherrschte Rom als selbst ernannte senatrix (Senatorin). Gleich vier Päpste nacheinander – Johannes X., Leo VI., Stephan VII. und Johannes XI. – waren völlig von ihr abhängig.

Vom gehörnten Ehemann erschlagen

Den zweifelhaftesten Ruf der «pornokratischen» Päpste aber geniesst wohl Johannes XII. Er wird als eine der erbärmlichsten Figuren beschrieben, die je in der Geschichte Roms eine Rolle gespielt haben; 963 wurde er wegen Unwürdigkeit abgesetzt. Johannes, der mit 16 (oder spätestens 18) Jahren Papst wurde, soll Pilgerinnen im Petersdom vergewaltigt und Trinksprüche auf den Teufel ausgegeben haben. Ein Jahr nach seiner Absetzung wurde er angeblich von einem gehörnten Ehemann erschlagen, als er gerade mit dessen Frau im Bett lag.

Mit dem Tod kehrte auch für die meisten Päpste Ruhe ein. Nicht so für Formosus (891 - 896): Papst Stephan VI. (896 - 897) liess den Leichnam seines Vorvorgängers aus dem Grab holen und vor Gericht stellen. Der Grund dafür waren politische Machtkämpfe zwischen verschiedenen Adelshäusern, in die auch die Päpste involviert wurden. In der sogenannten «Leichensynode» wurde Formosus verurteilt; man schnitt der Leiche die drei Schwurfinger ab und warf sie in den Tiber. Stephans Nachfolger Theodor II (897) rehabilitierte Formosus und liess dessen Leichnam, den Anhänger aus dem Tiber geborgen hatten, wieder im Petersdom bestatten. Damit nicht genug: Sergius III, ein Anhänger Stephans, liess die verweste Leiche wieder exhumieren, enthaupten und in den Tiber werfen – wo sie sich in einem Fischernetz verfing und erneut geborgen wurde.

Eine naturgemäss willkürliche Auswahl an päpstlichen Skandalen finden Sie in der Bildstrecke oben (Quelle: www.stammbaum24.com).