Hexenwahn

08. Februar 2013 13:52; Akt: 12.02.2013 15:44 Print

Sogar Kinder wurden verbrannt

von Corinne Hodel - Hexenkinder galten als vom Bösen besessen. Deshalb wurden sie hingerichtet – auch in der Schweiz. Mehr als 40 Kinder ereilte dieses grausame Schicksal.

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Illustration des niederländischen Grafikers Jan Luyken: Hinrichtung von Frauen, die der Hexerei verdächtigt wurden. Manche Kinder ereilte das gleiche Schicksal. (Bild: PD)

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Bis in die frühe Neuzeit galt Hexerei als Schwerverbrechen und wurde mit dem Tod bestraft. Dabei machte man auch vor Kindern nicht halt. Das letzte so genannte Hexenkind der Schweiz wurde vor 300 Jahren hingerichtet.

Als Hexenkinder wurden Mädchen und Jungen bis 14 Jahre bezeichnet, die aus einer Familie stammten, in der es Hexen gab. Diesen wurde nachgesagt, sie seien von Dämonen besessen oder verfügten über Zauberkräfte. Um als Hexenkind zu gelten, reichte es aber auch, von Erwachsenen als Hexe beschimpft zu werden.

«Bei lebendigem Leib verbrannt»

Die Historikerin Nicole Bettlé hat im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Uni Freiburg knapp 130 Fälle von Hexenkindern aufgearbeitet. Ihr Resultat: Nicht alle mussten sterben. Viele von ihnen wurden weggesperrt oder aus der Heimat geschafft. Bei knapp einem Drittel verhängten die Richter allerdings tatsächlich die Todesstrafe. «Ein Hexenkind haben die Vollstrecker sogar bei lebendigem Leib verbrannt», sagt Bettlé. Die anderen zum Tode verurteilten Jungen und Mädchen bekamen die so genannte Gnadenstrafe und wurden vor dem Verbrennen erhängt, geköpft oder erwürgt.

«Das war im Sinne des Christentums», so die Historikerin. Überhaupt seien die Todesurteile und deren Vollstreckung nach damaligem Recht legal gewesen. «Es herrschte keine Willkür», sagt Bettlé. «Vielmehr sah man bei gewissen Kindern die Verbrennung als einzigen Weg, das Böse auszutreiben.»