Brauchtum

06. Januar 2016 12:16; Akt: 07.01.2016 12:06 Print

Warum essen wir heute Dreikönigskuchen?

von Fee Riebeling - Am 6. Januar ist klar: Es werden Dreikönigskuchen gegessen. Jedes Jahr rund 1,5 Millionen Stück. Weniger klar ist der Ursprung des Brauchs.

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Der Dreikönigstag ohne den entsprechenden Kuchen ist für viele Schweizer undenkbar. Doch wem sie diese Versüssung des Tages verdanken, ist unklar. Laut dem mittlerweile verstorbenen Brotforscher Max Währen aus Bern könnte der Ursprung des Dreikönigskuchen im 5. Jahrhundert vor Christus liegen. In der römischen Antike soll ein Vorläufer des süssen Gebäcks anlässlich eines Volksfests zu Ehren des Gottes Saturn verteilt worden sein. Mit den römischen Legionären soll der Brauch dann nach Mitteleuropa und damit auch in die Schweiz gekommen sein. (Symbolbild) Doch dieser Überlieferung sei «sehr vorsichtig zu begegnen», so der Historiker Konrad J. Kuhn. Dafür spreche nicht nur die «dünne Quellengrundlage», sondern auch, dass die «rund 1000 Jahre ohne jegliches Zeugnis für diesen Brauch» in Währens Ausführungen übergangen würden. Fest steht hingegen, dass der Vorläufer unseres heutigen Dreikönigskuchens - der Bohnenkuchen - zwischen 1390 und 1952 eine eher untergeordnete Rolle spielte und - wenn überhaupt - nur in ein paar wenigen Kantonen bekannt war. Das änderte sich, als Brotexperte Währen 1952 mit Experten des Schweizerischen Bäcker- und Konditorenverbandes SBKV zusammenspannte und sich mit ihnen für die «Wiederbelebung des Brauches» stark machte. Das neue alte Gebäck wurde schliesslich an einer Medienkonferenz präsentiert und die Öffentlichkeit mit dem wiederbelebten Brauch vertraut gemacht. Das zahlte sich aus: 1953 wurden rund 50'000 Kuchen verkauft, 1970 schon 200'000 Stück und 1980 rund eine Million.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Kaum ein Haushalt, in dem heute kein Dreikönigskuchen (siehe Box) auf dem Tisch steht. Er gehört zum 6. Januar wie das Feuerwerk zu Silvester. Doch wer hat ihn erfunden? Und wie hat er es so weit gebracht?

Dieser Frage ist zu Lebzeiten der Berner Brotforscher Max Währen (1919-2008) nachgegangen. Seine Nachforschungen ergaben, dass ein vergleichbares süsses Gebäck in der Schweiz mindestens seit dem Jahr 1390 bekannt ist. Damals wurde erstmals ein solches urkundlich erwähnt.

Auch Sklaven konnten König werden

Doch laut dem Experten liegt der Ursprung des Kuchens noch weiter zurück, nämlich im 5. Jahrhundert vor Christus. In der römischen Antike soll der Kuchen anlässlich eines Volksfests zu Ehren des Gottes Saturn verteilt worden sein.

Zwar waren damals Bohnen statt Plastik-Figürli im Kuchen versteckt, aber der Brauch war der gleiche: Wer eine fand, durfte sich für den Rest des Tages als König sehen. Das soll sogar für die Sklaven gegolten haben, schreibt Währen. Mit den römischen Legionären sei der Brauch dann nach Mitteleuropa und damit auch in die Schweiz gekommen.

Der Schweizer Historiker Konrad J. Kuhn begegnet dieser Ursprungssuche in einer aktuellen Untersuchung (hier als Pdf herunterladbar) allerdings mit Skepsis. Er schreibt, dass dieser Überlieferung aus «volkskundlich-wissenschaftlicher Perspektive sehr vorsichtig zu begegnen» sei. Dafür spreche nicht nur die «dünne Quellengrundlage», sondern auch, dass die «rund 1000 Jahre ohne jegliches Zeugnis für diesen Brauch» in Währens Ausführungen übergangen würden.

Grosse Wissenslücke

Fest steht hingegen, dass der Vorläufer unseres heutigen Dreikönigskuchens – der Bohnenkuchen – zwischen 1390 und 1952 eine eher untergeordnete Rolle spielte und – wenn überhaupt – nur in ein paar wenigen Kantonen bekannt war.

Das änderte sich, als Brotexperte Währen 1952 mit Experten des Schweizerischen Bäcker- und Konditorenverbandes SBKV zusammenspannte und sich mit ihnen für die «Wiederbelebung des Brauches» starkmachte.

Neuer alter Brauch

Dafür entwickelte er zusammen mit der Fachschule Richemont der Bäcker und Konditoren in Luzern ein spezielles Dreikönigskuchen-Rezept, das «aus Hefeteig, Butter, Sultaninen und Mandeln besteht, und die Form des Kuchens wurde auf ein grosses Mittelstück mit kreisförmig angeordneten, runden Kuchenstücken festgelegt, was als Sinnbild des König mit seinen Vasallen erklärt wurde», heisst es bei Kuhn.

Doch damit nicht genug: Das neue alte Gebäck wurde schliesslich an einer Medienkonferenz präsentiert; schweizweit wurden Bäckermeister mit Infomaterial versorgt und die Öffentlichkeit mit dem wiederbelebten Brauch vertraut gemacht.

Die Mühen zahlten sich aus. Schon im Jahr darauf gingen rund 50'000 Dreikönigskuchen, wie wir sie heute kennen, über die Bäckertheken. Bald mischten auch Migros und Coop mit und die Streuung des Kuchens wuchs: 1970 wurden schon 200'000 Stück verkauft, 1980 waren es rund eine Million.

Der Brauch, wie wir ihn heute feiern, geht also streng genommen auf eine nicht über alle Zweifel erhabene Arbeit eines Brotforschers zurück, die vom Bäcker- und Konditorenverband als Geschäftsidee dankend aufgenommen wurde.


So entsteht der Königskuchen. (Video: Stefan Tschumi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roger am 06.01.2016 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganzer Kuchen

    Habe heute morgen den ganzen Kuchen gegessen und ich wurde König :)

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  • Königin am 06.01.2016 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mmmm, fein

    Weil er einfach mega lecker ist!

  • Oliver am 06.01.2016 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    My Day

    Hatte heute Morgen zu Hause und im Geschäft den König in meinem Dreikönigskuchen-Stück!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Benedict am 07.01.2016 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Krone zu vermieten !

    Wurde Doppelkoenig einmal zu Hause und dann noch in der Firma. Hmmm wie geh ich nur damit um ?

  • Jaenelle am 06.01.2016 23:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider nicht in Wien

    In Wien kennt man leider den brauch nicht:( Das schliesse ich aus dem verwirrten Gesicht des Bäckers als ich ganz natürlich einen 3 Königskuchen wollte..^^

  • Tina Stettler am 06.01.2016 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aus Gewohnheit

    Bis vor kurzem mit den Kindern zelebriert. Heute nur zu zweit mit der Freundin, aber es musste sein!

  • Mutti am 06.01.2016 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehrere Könige

    Alls meine Kinder noch klein waren,gab es jedes Jahr gezanke wegen dem König. Ich sammelte Könige und steckte sie selbermin den Kuchen.So wurde jedes König und der Frieden war gesichert.

    • Royals am 06.01.2016 20:15 Report Diesen Beitrag melden

      Demokratie-Kuchen

      Also ein demokratischer Kuchen. Aber ein (1!) König ist doch etwas Spezielles! Man darf als Kind auch lernen, nicht König zu sein, fair zu "verlieren" und nicht immer im Mittelpunkt zu stehen, ohne dass die Welt untergeht. So wie es im Leben halt auch ist. Sogar Kinder können dies begreifen und den Nicht-Königstag neben dem frischgekürten Eintagskönig ohne Trauma überleben.

    • clclcl am 06.01.2016 23:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mutti

      Hat meine Mutter auch gemacht. ..

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  • Julfest am 06.01.2016 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ekelhaft

    Das Königsbrot schmeckt mir nicht. Ausserdem kann man sich nen Zahn abbrechen am König...

    • Urs Beck am 07.01.2016 11:48 Report Diesen Beitrag melden

      Free Willy

      Zum Glück besteht ja kein Kaufzwang. Aber es gibt ja schon noch einen Unterschied zwischen "schmeckt mir nicht" und "ekelhaft".

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