Der Drang nach Freiheit

08. Mai 2012 21:14; Akt: 09.05.2012 01:08 Print

Wenn Wildtiere auf Kurve gehen

Der Oberaargauer Panther ist nicht das erste Wildtier, das die Schweiz in Atem hält. Auch Flamingos, Kängurus, Tiger und Elefanten gerieten schon auf Abwege. Nicht immer gabs ein Happy-End.

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Ausgebüxte Wildtiere sorgen in der Schweiz immer wieder für Schlagzeilen. Der Panther, der zurzeit durch den Oberaargau streifen soll, hatte berühmte Vorgänger. 1933 suchte ein Artgenosse aus dem Zürcher Zoo das Weite und machte zehn Wochen lang die Kantone Zürich und St. Gallen unsicher. Erst der gezielte Schuss eines Taglöhners bereitete der Freiheit – und dem Leben – des Panthers ein jähes Ende. Drei Jahre später war der Zoo Zürich immer noch nicht ganz dicht. Ein Leopard nutzte die Gunst der Stunde und machte sich auf, das örtliche Nahrungsangebot zu probieren. Weit kam er nicht. Auch ihn ereilte der Tod durch Erschiessen.

Mehr Glück hatte der Tiger Amur, der im September 1997 kurz vor dem Ende der Vorstellung seine Arbeit im Zirkus Royal niederlegte und sich im zürcherischen Embrach ein schattiges Plätzchen für ein Nickerchen suchte. Einen halben Kilometer von der Manege entfernt wurde er fündig und legte sich vor einem Schulhaus unter einen Baum. Statt einer Schusswaffe genügte diesmal eine Beruhigungsspritze, um die Gefahr für die Öffentlichkeit zu bannen. Der sedierte Fleischfresser liess sich brav wieder in seinen Käfig zurückbringen.

Auch für den Serval, der Ende 2006 in Sennwald SG entwischte, gab es ein Happy-End. Nach zehn Tagen Wanderschaft wurde die afrikanische Wildkatze von unerschrockenen Touristen in eine Scheune in Ennetbühl gelockt und dort eingesperrt, bis die Polizei kam. Bereits im August des selben Jahres hatte die breite Öffentlichkeit die bis zu einen Meter lange Spezies kennengelernt. Damals büxte ein privat gehaltener Serval im grenznahen Konstanz aus. Nach einigen Tagen beendete ein mit Betäubungspillen versetzter Köder dessen Stadtspaziergang.

Kängurus auf dem Sprung

Doch nicht nur wenn Raubkatzen einen Abgang machen, gibt es ein grosses Hallo. Im Januar vor zwei Jahren trauten viele Aargauer ihren Augen nicht, als am Flachsee nahe Bremgarten ein Flamingo auftauchte. Tagelang wurde nach dem Besitzer des Vogels gesucht. Aus dem Zürcher Zoo hiess es schnell, die eigene rosa Population sei vollständig anwesend. So schritt die Aargauer Jagdverwaltung zur Tat und ahndete die Flucht mit der Todesstrafe. Die Verhältnismässigkeit dieser Aktion sollte noch zu reden geben. Ebenso die Tatsache, dass sich der Zoo Zürich verzählt hatte und nun mit einem Flamingo weniger auskommen musste.

Immer wieder gut für einen spektakulären Ausbruch sind hierzulande auch die Kängurus. 1996 hüpfte Fred aus dem Zirkus Nock durch das Bündnerland. Sechs Jahre später tat es ihm sein Kollege Walter – ebenfalls aus dem Nock – in Scuol gleich. Walter kehrte nach drei Tagen freiwillig zurück, während Fred seinen Häschern einen Monat lang immer wieder entwischen konnte. Dass er dann doch eingefangen wurde, war zu seinem Besten – kurz danach wurde zur Bündner Hochjagd geblasen. Traurig endete dagegen 2008 die Flucht eines Wallabys im Emmental. Es wurde unweit von seinem Gehege von einem Auto tödlich verletzt.

Elefanten auf Achse

Legendär ist die Flucht von sechs Berberaffen aus dem Plättli-Zoo in Frauenfeld. Offenbar gefiel ihnen ihr neues Gehege nicht, denn sie verliessen es im August 2010, kaum waren sie drin. Bei der anschliessenden Einfangaktion mit Narkosemittel und Futterfalle war viel Geduld gefragt. Es dauerte mehr als einen Monat, bis der letzte Flüchtling wieder hinter Schloss und Riegel sass.

Schweizweit bekannt wurde schliesslich 2010 Elefantdame Sabu. Weil ihr der Pfleger das gewohnte Bad im Zürichsee nicht gestatten konnte, kehrte sie dem Zirkus Knie kurzerhand den Rücken und holte das Versäumte nach. Anschliessend spazierte der Dickhäuter durch die Zürcher Innenstadt, wo er anderthalb Stunden später eingefangen werden konnte. Auch seine zweite Flucht drei Tage später in Wettingen endete unblutig. 1866 machte man mit freilaufenden Elefanten hierzulande noch deutlich weniger Federlesens: Nachdem ein rasender Zirkuselefant das Städtchen Murten für mehrere Stunden in Atem gehalten hatte, griff man kurzerhand zur Kanone und bereitete dem Spuk ein Ende.


Die spektakuläre Flucht der Elefantendame Sabu in Zürich (Video: Leser-Reporter)

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stella Devito am 09.05.2012 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Angst

    Hört auf, vor Tiere Angst zu haben, fürchtet euch lieber vor dem Menschen!

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  • K. Arnold am 08.05.2012 22:18 Report Diesen Beitrag melden

    2. Runde

    Jetzt geht der Medienrummel in die 2. Runde! Der Bär ist ausgequetscht, dann muss jetzt der Panter her! Dem nicht genug, man nimmt noch schnell einen halbfertigen Bericht aus der Schublade um die Storry auch schön auf zu blähen! Als nächsten werden dann die Fotos von toten Tieren die irgend wo von einem Panter gerissen wurden gezeigt. Und bevor das Tier dann geschossen wird, kommen noch die Zeichnungen aus dem Mittelalter von kinderraubenden Bestien! Bitte Leute, berichtet doch mal über wichtige Dinge. Bären, Panter, Luchse und Wölfe sind absolut harmlos!

  • Hans K. am 08.05.2012 21:25 Report Diesen Beitrag melden

    Sie selber zuerst

    Wenn man Menschen gefangen hält ist das gegen das Menschenrecht. Aber bei Tieren findet mans gut. Also haben die Tiere demnach keine Recht. Tja so sind die Menschen hauptsache Sie selber

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stella Devito am 09.05.2012 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Angst

    Hört auf, vor Tiere Angst zu haben, fürchtet euch lieber vor dem Menschen!

    • Mino am 09.05.2012 12:32 Report Diesen Beitrag melden

      Wie mans nimmt

      Angst muss man nicht unbedingt haben, aber einen gebührenden Respekt. Bei der Elefantendame würde ich zumindest nicht im Weg stehen wollen, wenn sie erschrickt. Auch beim Panter bleibe ich lieber auf Abstand, auch wenn er wahrscheinlich mehr Angst vor mir als ich vor ihm habe. Bei den Affen hätte ich wohl versucht mit ihnen zu spielen. Ich meine man sollte angemessen reagieren und auf keinen Fall in Panik geraten.

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  • K. Arnold am 08.05.2012 22:18 Report Diesen Beitrag melden

    2. Runde

    Jetzt geht der Medienrummel in die 2. Runde! Der Bär ist ausgequetscht, dann muss jetzt der Panter her! Dem nicht genug, man nimmt noch schnell einen halbfertigen Bericht aus der Schublade um die Storry auch schön auf zu blähen! Als nächsten werden dann die Fotos von toten Tieren die irgend wo von einem Panter gerissen wurden gezeigt. Und bevor das Tier dann geschossen wird, kommen noch die Zeichnungen aus dem Mittelalter von kinderraubenden Bestien! Bitte Leute, berichtet doch mal über wichtige Dinge. Bären, Panter, Luchse und Wölfe sind absolut harmlos!

  • Judith am 08.05.2012 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lieber, liebe (jcg) - Journalist/in

    ... vielen Dank für diesen Bericht, der so heiter zu lesen war, dass ich noch immer still vor mich hin grinse (auch wenn es natürlich traurig ist, das Tiere ihr Leben verloren haben). Vielen Dank!

  • Hans K. am 08.05.2012 21:25 Report Diesen Beitrag melden

    Sie selber zuerst

    Wenn man Menschen gefangen hält ist das gegen das Menschenrecht. Aber bei Tieren findet mans gut. Also haben die Tiere demnach keine Recht. Tja so sind die Menschen hauptsache Sie selber

    • Tieger Ente am 08.05.2012 22:12 Report Diesen Beitrag melden

      ahh mann

      ahhh diese mainstream, hipstergedanken gehen mir langsam auf die nerven. Tiere denken und fühlen nicht wie wir und geben sich mit weniger zufrieden als wir menschen und des weiteren sind diese tiere in "gefangenschaft" aufgewachsen => sie kennen nichts anderes!

    • C. am 08.05.2012 23:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      100%!!

      Ja da hast du absolut recht!!

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