Pascals Wette

19. August 2012 09:24; Akt: 19.08.2012 09:24 Print

Wetten, dass es Gott gibt?

von Rolf Maag - Vor 350 Jahren starb der Universalgelehrte Blaise Pascal. Berühmt machte ihn unter anderem ein raffiniertes Gedankenexperiment.

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Anonymes Porträt von Pascal aus dem 17. Jahrhundert (Ausschnitt) (Bild: PD)

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Stellen Sie sich vor, Sie müssten auf Gottes Existenz oder Nicht-Existenz wetten. Die Wahrscheinlichkeit seiner Existenz soll zumindest grösser als null sein. Nehmen Sie ausserdem an, dass Gott Gläubige mit ewiger Seligkeit belohnt, Ungläubige aber völlig auslöscht oder ewig in der Hölle schmoren lässt. Gehen Sie schliesslich davon aus, dass der Glaube den Verzicht auf gewisse irdische Freuden (gutes Essen, Alkohol, Fleischeslust etc.) erforderlich macht.

Mit anderen Worten: Wenn Gott existiert, hat der Gläubige unendlich viel zu gewinnen (ewige Seligkeit), der Ungläubige aber unendlich viel zu verlieren (das Nichts oder ewige Verdammnis droht). Wenn er aber nicht existiert, verliert der Gläubige nur wenig (flüchtige Vergnügungen), während der Ungläubige ebenso wenig gewinnt. Wer würde unter diesen Voraussetzungen nicht auf Gottes Existenz setzen?

Gott ist unbeweisbar

Dieses Gedankenexperiment steht in Blaise Pascals postum (1670) veröffentlichtem Werk «Pensées sur la religion et sur quelques autres sujets» (Gedanken über die Religion und einige andere Themen). Manchen ist der 1623 in Clermont-Ferrand geborene Sohn eines hohen Steuerbeamten wohl eher aufgrund seiner grossen Leistungen in der Mathematik und den Naturwissenschaften ein Begriff. So ist etwa das «Pascal’sche Dreieck», mit dem sich unter anderem Binomialkoeffizienten bestimmen lassen, nach ihm benannt. Eine Masseinheit für den Druck heisst heute Pascal, weil es ihm 1647 gelang, in einem berühmten Experiment die Existenz des Vakuums nachzuweisen.

Nach einem mystischen Erlebnis beschäftigte er sich gegen Ende seines kurzen Lebens immer mehr mit religiösen Fragen. Dabei gelangte der Vernunftmensch Pascal zu der Überzeugung, dass die Vernunft Gottes Existenz weder beweisen noch widerlegen kann; allein der Glaube kann uns die Gewissheit verleihen, dass das höchste Wesen existiert. Dass dieser Glaube aber seinerseits nicht irrational ist, versuchte er mit dem oben erwähnten Argument nachzuweisen.

Fragwürdige Voraussetzungen

Ist es überzeugend? Wenn man Pascals Voraussetzungen akzeptiert, ist daran nicht zu zweifeln; der Atheist hätte in diesem Fall schlechte Karten. Allerdings erscheint es mehr als fraglich, ob man das tun sollte.

Wenn Gott existiert, dann ist er allmächtig, allwissend und uneingeschränkt gut. Würde ein gütiger Gott aber wirklich ewige Höllenstrafen verhängen? Würde er nicht vielmehr gutes Handeln auf Erden nach dem Tod belohnen und versuchen, irdische Übeltäter nach ihrem Ableben auf den Pfad der Tugend zu führen? Dies könnte er aber kaum durch grausame Züchtigungsmassnahmen erreichen, die im Allgemeinen eher kontraproduktiv sind. Wir sollten uns also nicht allzu sehr vor der Hölle fürchten.

Ist es für Gott wirklich so wichtig, dass Menschen seinetwegen auf die Freuden des Lebens verzichten und ihm so ihre Reverenz erweisen? Es wäre doch merkwürdig, wenn er in seiner unendlichen Grösse so viel Wert auf die Verehrung durch so unbedeutende Wesen wie uns Menschen legen würde. Abgesehen davon zeigt die enorme Vielfalt der existierenden Religionen, dass wir von einem Konsens über die richtige Form der Verehrung weit entfernt sind; nicht alle Glaubensrichtungen fordern von ihren Anhängern strikte Askese.

Ist es eigentlich plausibel, dass Gott Menschen bestraft, die nicht fähig sind, an ihn zu glauben? Das wäre doch ein starkes Stück von ihm, denn schliesslich war es ja er, der den Menschen erschaffen und mit unzureichenden Erkenntnismitteln ausgestattet hat. Der Philosoph, Mathematiker und bekennende Atheist Bertrand Russell wurde einmal gefragt, was er sagen würde, wenn Gott wider Erwarten doch existieren und ihn nach seinem Tod wegen seines Unglaubens zur Rede stellen sollte. Er antwortete: «Not enough evidence, God, not enough evidence» (Nicht genug Beweise, Gott, nicht genug Beweise).

Wenn man ein derartiges Gottesbild zugrunde legt, scheint es nicht darauf anzukommen, wie man sich bei Pascals Wette entscheidet. Ein gütiger Gott würde keinen wesentlichen Unterschied zwischen einem Gläubigen, einem Agnostiker und einem Atheisten sehen, solange er ein guter Mensch war.

Natürlich bleibt es dem Leser unbenommen, zu einer gänzlich anderen Schlussfolgerung zu gelangen.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Pascals Wette ist so überholt und antiquiert wie die Zeit in der er lebte und seine Wette kann in ins unendliche modifziert und zu Gunsten jeden Glaubends oder Nicht-Glaubens angepasst werden. Die Angst vor dem Tod ist der Trieb jedes Wunschgedanken und Glaubens und wird es auch weiterhin bleiben. Ein intellektuler und rationaler Mensch akzeptiert das definitive Ende jedoch, und macht aus seinem einzigen Leben das beste was er kann. – Daniel. T.

Auf welchen "Gott" soll diese Wette denn nun angewendet werden? Es gibt tausende verschiedene Glaubensrichtungen, alleine dieser Fakt zieht die Pascal'sche Wette ins Absurde. Abgesehen davon gibt es mittlerweile genug Theorien welche die Existenz eines übernatürlichen Wesens überflüssig machen. – W. Jansen

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anna K. Tanner am 19.08.2012 12:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NICHT Gott trägt die Schuld für alles Schlechte...

    Eine solche Frage in die Runde zu werfen, ist gewagt und wird für viele Diskussionsteilnehmer ein "Frass"sein, um leider gegen den Glauben, gegen Gott zu spötteln! Ich glaube und bin tief in meinem Herzen überzeugt, dass GOTT existiert. Gott trägt aber nicht die Schuld, wenn es auf dem Erdenrund nach einiger Leute Ansicht, nicht gut geht! Würden die Menschen nach Gottes Regeln und Geboten leben und handeln, könnte viel Hass, Streit, Kriege und Elend vermieden werden. Gott ist die Liebe und NIE strafend! Der Mensch selbst hat es mit seinem Handeln in der Hand, ob Frieden auf Erden sein kann!!

  • Stefan Wanzenried am 19.08.2012 10:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eingeschränkt?

    Gottes Güte aus menschlichen Blickwinkel zu betrachten, bzw. zu beurteilen ohne bereits mit IHM zu rechnen, bzw. mit IHM zu leben, kann nur ein kümmerlicher Versuch sein Licht ins Dunkel der Allmacht und Güte Gottes zu bringen. Von "aussen" betrachtet scheint ein Leben als Christ oft unattraktiv, aber nicht weil es so ist, sondern weil die Religion vieles an Verboten und scheinbaren Einschränkungen in das christliche Leben importiert hat. Wenn ich aber nach dem Wort Gottes lebe und mit Jesus auch eine Beziehung pflege, kann ich mich über das Leben freuen und es geniessen, uneingeschränkt!

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  • Pascal am 19.08.2012 10:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gott ist brutal - steht so in der Bibel

    vom Gefühl her glaube ich auch, dass Gott sofar den schlimmsten Verbrecher retten wird auch wenn er nicht an Gott und Jesus glaubt. Doch die Bibel beschreibt Gott nicht so lieb. Im alten Testament steht klar, dass wenn man sich von Gott abwendet und gegen den Willen Gottes handelt, dass er uns bestraft ubd auslöscht. Bsp. Arche Noah... Auch im neuen Testament geht es ähnlich weiter. Nur wer an Jesus glaubt und ihm nachfolgt wird gerettet. Die andern leider nicht. Auch wenn ich dies als Christ nicht recht wahr haben will und in der Kirche häufig von Gott mit der bedingungslosen Liebe gepredigt wird, sagt die Bibel klare Worte wie Gott mit nichtgläubigen umgehen wird.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Deathclock am 21.08.2012 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Noch einmal

    Den Schwert-Vers (Sure 9 Vers 5) aus dem Koran finde ich sehr löblich, auch gefallen mir die Action geladenen Geschichten des Alten Testaments, besonders die Bücher Moses. Wer diese Sequels mag, sollte auch einmal das Original gelesen haben. Das Gilgamesch-Epos ist zwar nicht komplett, aber auch ein Genre Knaller. Ich mag diese altertümlichen Dark Fantasy Romane. Das Neue Testament ist mir einfach zu langatmig, verworren und widersprüchlich. Das Matthäus Evangelium war ein echter Kampf und ausgesprochen öde.

  • Deathclock am 21.08.2012 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Am 6. Tag schuffen sie gemeinsam

    Holt euch eine Bibel und lest Genesis 1,26. Der von Gott gesprochene Satz wird in etwa so beginnen. Lass uns Menschen machen Wollen wir Menschen machen . Was ist hier los? Wurde Gott durch die ewige Einsamkeit schizophren? Oder haben die Schreiberlinge einfach geguttenbergt? Ich schätze der Text wurde aus der Enuma elisch abgekupfert.

  • Robert am 21.08.2012 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    Warum? Darum

    Warum Atheisten immer wieder auf die Argumente von Religiösen reagieren und dagegen schreiben? Weil die Welt ohne Religionen besser und friedlicher wäre. Dank den Gläubigen, die in der gesamten Menschheitsgeschichte Personen umgebracht haben und ihre Arbeiten teilweise zerstörten, weil diese Personen nicht an die Bibel glaubten und neue Techniken ermöglichten und neue Theorien zur Erklärung der Welt aufstellten, sind wir heute nicht so weit wie wir sein könnten. Wir wären technisch und medizinisch Jahrhunderte voraus. Auch Heute noch versuchen Religiöse die Wissenschaft zu bekämpfen!

    • Laura am 21.08.2012 15:12 Report Diesen Beitrag melden

      Und....

      Und wir wären auch aus sozialer und ethischer Sicht viel viel weiter. Die Moral entstand nicht aus der Religion oder der Bibel.

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  • Laura am 21.08.2012 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Bibel

    Die Bibel ist das stärkste Argument gegen die semitischen Religionen. Thora, altes und neues Testament, sowie der Koran haben unendlich viel Leid über die Menschheit gebracht. Hinzu kommt, dass sich die Bibel durch ihre inneren und äusseren Widersprüche selbst widerlegt.

  • Dirk am 21.08.2012 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Bibel?

    Die Existenz von Jesus ist nicht einmal bewiesen. Er wird nicht oft genug in einer unabhängigen Quelle erwähnt. Nicht einmal in der damals sehr guten Verwaltung der Römer. Gott gibt es ganz bestimmt nicht. Liest mal anständige Bücher die mit Wissen und Tatsachen gefüllt sind. Ich empfehle Bücher von Hitchens oder Dawkins.