Unerwartete Folgen

20. Oktober 2018 21:31; Akt: 20.10.2018 21:31 Print

Wie die Entdeckung Amerikas das Klima kühlte

von Rolf Maag - Die Entdeckung Amerikas brachte Europa die Kartoffel und die Tomate, kostete zahllose Ureinwohner das Leben und hatte Folgen für das Klima.

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Als Kolumbus am 8. Dezember 1493 zum zweiten Mal in der Karibik landete, hatte er die Absicht, dort Siedlungen zu gründen. Auf 17 Schiffen begleiteten ihn 1500 Menschen sowie zahlreiche Schweine und andere Tiere.

Nachdem die Schweine am folgenden Tag freigelassen worden waren, wurden die Spanier krank, auch Kolumbus. Viel schlimmer erging es allerdings den Inselbewohnern: Sie starben buchstäblich wie die Fliegen. Vermutlich wurden sie Opfer einer frühen Form der Schweinegrippe.

Massensterben überall

Als sich die Spanier und andere Europäer in den folgenden Jahrzehnten über den amerikanischen Kontinent verbreiteten, erlagen fast alle Ureinwohner den Krankheiten, die die Eindringlinge mitgebracht hatten. Neben der Grippe erwiesen sich die Masern und die Pocken als besonders tödlich.

Das lag daran, dass die Bewohner Amerikas seit der Ankunft ihrer Vorfahren gegen Ende der letzten Eiszeit vor etwa 12'000 Jahren vom Rest der Welt isoliert gewesen waren. Insbesondere waren ihnen die wichtigsten Nutztiere der Alten Welt (Kühe, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde) unbekannt. Weil die Krankheitserreger von diesen auf die Menschen übergegangen waren, hatten die Bewohner der Neuen Welt keine Gelegenheit gehabt, Abwehrkräfte zu entwickeln. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts war die Urbevölkerung Amerikas (50 bis 80 Millionen Menschen vor Kolumbus' Ankunft) um 90 Prozent zurückgegangen.

Austausch von Pflanzen und Tieren

Neben dieser Katastrophe verblasst eine Entwicklung, für die der Historiker Alfred Crosby den Ausdruck «Kolumbianischer Austausch» (Columbian Exchange) geprägt hat. Damit ist gemeint, dass zahlreiche Nutzpflanzen und Nutztiere in neue Umgebungen gebracht wurden. Man kann sich heute kaum noch vorstellen, dass es vor 1500 in Europa keine Kartoffeln und Tomaten, in Amerika keinen Weizen und keine Bananen, in Afrika keine Erdnüsse und in Indien keine Chilis gab. Die Landwirtschaft hatte nun weltweit ein ähnliches Gesicht.

Klimawandel

In ihrem kürzlich erschienenen Buch «The Human Planet» vermuten die Geologen Simon Lewis und Mark Maslin, dass die Ereignisse in Amerika sogar einen Einfluss auf das Weltklima hatten. Weil so viele Menschen in so kurzer Zeit starben, wurden zahlreiche verlassene Agrarflächen von Wäldern überwuchert. Diese entzogen der Atmosphäre Kohlendioxid und schwächten so den Treibhauseffekt ab. Die Folge war eine markante Abkühlung, die zwischen 1594 und 1677 ihren Höhepunkt erreichte, wie Eisbohrkerne in der Antarktis zeigen. Spätestens seit dem Beginn der Industrialisierung um 1750 hat sich dieser Trend bekanntlich umgekehrt.

Anthropozän

Vor etwa 200 Millionen Jahren bildete die Landmasse der Erde einen Superkontinent namens Pangäa (Ganzerde), der seither in die Kontinente zerbrochen ist, die wir heute kennen. Damals kam es vermutlich zu einer weltweiten Vermischung der Lebensformen. Lewis und Maslin weisen darauf hin, dass es der Menschheit seit der frühen Neuzeit gelungen ist, eine ähnliche Homogenisierung der Biosphäre herbeizuführen wie zur Zeit von Pangäa. Weil der Mensch das Gesicht des Planeten stärker prägt als jede Spezies vor ihm, plädieren sie wie viele andere Wissenschaftler dafür, das gegenwärtige Erdzeitalter nicht mehr Holozän, sondern Anthropozän, Zeitalter des Menschen, zu nennen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nix Tomate am 20.10.2018 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krass

    was wäre aus den Italienern geworden hätten die nie Tomaten für Pasta und Pizza bekommen?

  • Maja am 20.10.2018 22:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spannend

    Sehr interessant, danke für diesen Artikel.

  • Chris am 20.10.2018 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann nicht sein

    Also weil die Äcker und Gärten der Ureinwohner wieder vom Wald zugewachsen wurde kühle es ab. Ok so weit so gut. In der gleichen Zeit oder kurz davor wurde doch Europa abgeholzt. Irland war mal komplett bewaldet z.B. Etwas später wurde Neuseeland und der ganze Osten Australiens abgeholzt. Nee da ist was faul an der Theorie.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Doris am 22.10.2018 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Ich würde gerne wissen, wie hoch die Temperaturen vor Kolumbus waren. Und ob wir die damaligen Temperaturen eigentlich schon überholt haben. Vielleicht erklärt das ja sogar einen Teil der Klimaerwärmung.

  • Jan am 22.10.2018 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Saxophon ist schuld!

    Um 1850 gab es dann eine dramatische Trendwende. Das Klima wurde wieder wärmer. Und zwar exakt, nachdem das Saxophon erfunden wurde. Das Saxophon ist also der heimliche Klimasünder. Heute gibt es soviele Saxophone wie nie zuvor!!!

  • Berner Bär am 22.10.2018 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    Ziemlich komische Studie

    Was ist denn das wieder für eine krude Theorie, die so zufällig zum Vorgekauten passt? Die "kleine Eiszeit" begann rund 100 Jahre vor der Entdeckung Amerikas und dauerte rund 100 Jahre länger als das angegebene Jahr 1750. Die letzten Zeichen der kleinen Eiszeit sind verschiedene Hungersnöte in Europa um 1850 durch kalte Sommer. Die "Industrialisierung" setzte im Laufe der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein, also mindestens ein halbes Jahrhundert nach dem erwähnten Jahr 1750, auch weil die Erfindungen verbessert wurden und neue dazukamen (zB effizientere Dampfmaschinen).

  • San Dan am 22.10.2018 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich

    Die Menschen in alten Amerika wurden brutal ermordet und gequält und ausgeraubt. schreibt mal die geschichtsbücher richtig....

  • Mensch am 22.10.2018 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    Meiner Meinung

    nach müssten die Ureinwohnen (wenn es da noch welche gibt die nicht durch die Europäer vermischt wurden) so oder so ein Teil der USA für sich beansprunchen können und auch Ihre eigenen Staat oder sogar Land gekommen.