Hautnah dabei

24. Februar 2019 14:12; Akt: 24.02.2019 14:12 Print

Wie die Nasa in 60 Jahren das Weltall eroberte

Zum runden Geburtstag hat die US-Raumfahrtbehörde ihr Archiv geöffnet und mehr als 400 bemerkenswerte Aufnahmen aus ihrer Geschichte veröffentlicht.

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Das Mutterschiff «Balls Three» überfliegt eine X-15, eines von zahlreichen Experimentalflugzeugen, die unter einen Flügel gepackt in grosse Höhe befördert und dort abgeworfen wurden. Zwei B-52-Trägerflugzeuge waren über 40 Jahre im Dienst der Nasa. Die Spitznamen «Balls Three» und «Balls Eight» verdanken die B-52 ihren Seriennummern 003 und 008. Das Mercury-Kontrollzentrum am Cape Canaveral überwachte von Mai 1961 bis zum Beginn der Gemini-Ära im März 1965 sieben bemannte Raumflüge. Inzwischen nahm der modernere Flugleitkomplex in Houston in Erwartung der Apollo-Missionen Gestalt an. Techniker bei Arbeiten an Alan Shepards Mercury-Redstone-3-Trägerrakete. Sie sind in den Dampf des überschüssigen abgelassenen Oxidationsgases eingehüllt. An spätere Raketenmodelle konnte man während des Betankens nicht mehr so dicht herangehen. Der Trainingssimulator für Rendezvous- und Kopplungsmanöver in Langley bereitete die Gemini-Astronauten auf die merkwürdige Physik von Orbitalmanövern vor. So kann eine Triebwerkzündung, mit der man eigentlich ein Zielobjekt in der gleichen Umlaufbahn erreichen will, dazu führen, dass sich dieses Objekt weiter entfernt. Ed White, fotografiert von Gemini-4-Kommandant Jim McDivitt. Während der ersten 66 Umläufe schlug der Versuch fehl, sich der ausgebrannten Oberstufe der Titan-Trägerrakete zu nähern. Auf den Rat von McDivitt hin wartete White einen weiteren Umlauf ab, um sich von den Anstrengungen des erfolglosen Rendezvous-Manövers zu erholen. Dann stieg er für seinen historischen Aussenbordeinsatz aus dem Gemini-Raumschiff aus. Im Vorfeld der Gemini-10-Mission erklärt Kommandant John Young den Medien, wie Co-Pilot Michael Collins bei seinem Weltraumausstieg die Inspektion des Agena-Zielfahrzeugs durchführen wird. Marinetaucher bereiten sich darauf vor, die Gemini-6A-Besatzung am 16. Dezember 1965 zu bergen. Apollo-9-Kommandomodulpilot Dave Scott taucht aus der Luke auf, um einige Systeme des Raumanzugs zu testen, die bei Einsätzen auf dem Mond benötigt werden. Eine Karte des geologischen Diensts der USA zeigt das Gebiet rund um den Krater Tycho. Er wurde als Standort des mysteriösen ausserirdischen Monolithen in Stanley Kubricks «2001: Odyssee im Weltraum» (1968) berühmt. Dieses unübersichtliche und zerklüftete Gelände wäre für eine Apollo-Landung allerdings ungeeignet gewesen. Astronaut Michael Collins inspiziert die Quarantäne- und Aufbewahrungseinrichtung der Nasa am Zentrum für bemannte Raumfahrt, wo die von den Apollo-Astronauten gesammelten Gesteinsproben analysiert wurden. Stickstoffgas schützte die Gesteine vor unerwünschter Korrosion in der sauerstoffreichen Atmosphäre der Erde. Nasa-Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass Buzz Aldrins Fussabdrücke heute immer noch so scharf und deutlich sind wie 1969, denn auf dem Mond gibt es weder Luft noch Regen, die sie verwischen könnten. Der Künstler Robert McCall sah bereits Mitte der 1970er-Jahre voraus, dass die Nasa eine modulare Raumstation bauen würde, an die mehrere Shuttles andocken können. Die Shuttles flogen zwar nacheinander, aber abgesehen davon lag er richtig. Die schalltoten Räume der Nasa zählen zu den ruhigsten Orten überhaupt. Die Wände absorbieren fast alle Schall- und Radiowellenreflexionen. Dieses Modell eines Shuttles aus dem Jahr 1972 wird auf seine funktechnischen Eigenschaften getestet. Blitzeinschlag an der Startrampe des Space Shuttle Challenger vor der Mission STS-8 am 30. August 1983. Startplätze sind von hohen Blitzableitern und anderen ableitfähigen Systemen umgeben. Sie bilden einen riesigen faradayschen Käfig, der das Raumschiff von der elektrischen Ladung eines Blitzeinschlags abschirmt. Die ISS ist seit November 2000 ununterbrochen bemannt. Ihr bewohnbares Volumen entspricht dem einer Boeing 747. Eine internationale Mannschaft von sechs Raumfahrern arbeitet und lebt dort, während die ISS pro Sekunde 8 km zurücklegt und die Erde alle 90 Minuten umrundet. Das Havoc (High Altitude Venus Operational Concept) wäre für die bemannte Erkundung der oberen Schichten der Venusatmosphäre geeignet. Anders als der Mars besitzt die Venus ein starkes Magnetfeld, das Astronauten vor schädlicher Sonnenstrahlung und auch kosmischer Strahlung schützen würde. Im April 2016 fanden Meeresforscher der Nasa bei der Auswertung von Landsat-8-Daten rätselhafte Linien, die kreuz und quer durch die Pflanzenwelt der flachen Gewässer des nördlichen Kaspischen Meers verliefen. Sie stammen von Eisbergen, die so tief reichen, dass sie den Meeresboden entlangschrammen. Im Frühling schmelzen sie und übrig bleiben die Furchen im Boden. Curiosity knipste dieses Selbstporträt am 5. August 2015 mit der Mahli-Kamera (Mars Hand Lens Imager) am Ende des zwei Meter langen Auslegers. Es wurde aus mehreren überlappenden Fotos von Bildbearbeitern am Jet Propulsion Laboratory digital zusammengesetzt. Die Planetensonde Cassini hat auf dem Weg zum Saturn einen Fotostopp am Jupiter eingelegt. Dieses Foto zeigt deutlich, dass der Jupitermond Io im Vergleich zu dem Planeten, den er umrundet, ein Zwerg ist. Ein Techniker entriegelt eine kleine Tür, die in die Leitschaufeln des Transsonischen Windkanals in Langley eingelassen ist. Die Schaufeln verhindern, dass Turbulenzen die Tests beeinflussen. Die Aufnahmen stammen aus: Piers Bizony, Roger Launius, Andrew Chaikin: «Das Nasa-Archiv: 60 Jahre im All», Taschen, 468 Seiten.

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Der Schock war gross, als die Sowjetunion am 4. Oktober 1957 den ersten künstlichen Satelliten in die Erdumlaufbahn schoss. Die USA mussten erkennen, wie weit sie mit ihren Raketenprogrammen zurücklagen. Schnelles Handeln war gefragt, wenn man im Wettlauf um das All nicht noch weiter zurückfallen wollte. Um die Kräfte zu bündeln, wurde am 29. Juli 1958 die Raumfahrtbehörde Nasa gegründet, die am 1. Oktober 1958 ihre Arbeit aufnahm.

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Zur Feier ihres 60-jährigen Bestehens hat die Nasa nun ihre Archive geöffnet und einige der eindrücklichsten Bilder veröffentlicht. Die Sammlung umfasst mehr als 400 Bilder, die die Errungenschaften der Raumfahrtbehörde und die Menschen dahinter zeigen. Erschienen sind sie im Buch «Das Nasa-Archiv. 60 Jahre im All» aus dem Taschen-Verlag. Ergänzt werden die Bilder von Texten des Wissenschafts- und Technikjournalisten Piers Bizony, des ehemaligen Nasa-Chefhistorikers Roger Launius und des Apollo-Historikers und Bestsellerautors Andrew Chaikin.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ameise am 24.02.2019 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Haha

    Weltall erobert? Das ist wie eine Ameise, die 10 Centimeter von ihrem Bau entfernt sagt: "Jetzt habe ich die Erde erobert!"

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  • wianve am 24.02.2019 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erobert?

    Von Erobern kann wohl nicht die Rede sein. Höchstens langsam entdecken. Das Weltall ist noch lange nicht erobert. Wie wissen nicht einmal wo das Ende ist!

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  • M.G. am 24.02.2019 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Feilschen um Budgets

    Die NASA wurde 1958 gegründet als man einsah das die USA durch die verschiedenen Raketenprogramme von Heer, Marine und Luftwaffe in einen Rückstand gegenüber der UdSSR geraten waren. Denn die drei Militärbereiche buhlten im Kongress um Budgets oder warben sich gegenseitig die Leistungsträger ab wodurch viele Programme ins Stocken gerieten. Die US-Geheimdienste sorgten dafür das die NS-Vergangenheit vieler Ingenieure (W. von Braun) der Öffentlichkeit verborgen blieben da die US-Bürger ein Ex-Mitglied der SS an der Spitze der NASA niemals akzeptiert hätten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Patrick am 25.02.2019 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ha Ha erobert?

    wie haben nicht einmal an die Oberfläche gekratzt. Das Weltall ist UNENDLICH

  • Giovanni Russo am 25.02.2019 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Das Licht

    Die Nasa und Walt Disney eine ganze Lügen Armee. Schaut euch das Logo an. Die Sonne soll 150 Mill KM entfernt sein und dann soll die Wärme durch das All zur Erde rasen. Wo sind dei Bilder von der Erde? Bitte keine CGI. Gott hat die 2 Leuchten in die Ausdehnung des Himmels gesetzt. Und die Erde ist ein Kreisel. Beobachtet einfach mal den Sonnenuntergang wie das Licht zurückgeht. Die Wissenschaft hat kein Platz für Gott.

    • Fabian am 25.02.2019 17:52 Report Diesen Beitrag melden

      @Giovanni Russo

      Wärme entsteht dort, wo die Lichtstrahlen auftreffen und das Licht absorbiert/reflektiert wird. Dank der Atmosphäre entsteht ein Treibhauseffekt, der die Erde aufheizt und so Leben ermöglicht. Nur, weil Sie behaupten, dass alle Bilder CGI sind, sind sie es nicht. Eine Behauptung ist kein Beweis. Ihrem Kommentar entnehme ich, dass Sie keinen Plan von Physik haben und einfach Ihr Unwissen zum Besten geben.

    • Dr Waggis am 25.02.2019 19:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Giovanni Russo

      Die einzige wahre Aussage in Deinem Text, ist der letzte Satz.

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  • Da Foe am 25.02.2019 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Zenit '69 erreicht

    Die NASA hat seit bald 10 Jahren keine Fracht oder gar Menschen ins All befördert (low orbit). Man muss Elon Musk oder die Russen anbetteln. Also eigentlich ist die Geschichte der NASA eine sehr traurige.

  • MadChengi am 25.02.2019 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Dark side of the Spoon

    Und Stanley Kubrick lieferte die Bilder zur 1. Mondlandung 1969, danach die Doku "Unternehmen Capricorn"

    • jtm33 am 25.02.2019 17:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @MadChengi

      nicht zu laut.. es gibt noch welche die schlafen wollen ;)

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  • XB70 am 25.02.2019 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    X-15 forever!

    Hammer die X-15! Umd bis heute der Rekord für bemannte Flugzeuge! 7290 km/h! Der Pilot hat bei der Flughöhe die Erdkrümmung deutlich gesehen.

    • Flachmann am 25.02.2019 16:16 Report Diesen Beitrag melden

      Neue Erkenntnisse

      Erdkrümmung? Sie sind ja von gestern.

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