Gereja Ayam

22. November 2015 15:22; Akt: 22.11.2015 15:22 Print

Wieso im Urwald eine Huhn-Kirche steht

von Fee Riebeling - Auf einer Lichtung im indonesischen Dschungel erhebt sich ein riesiges Gebäude in Form eines Vogels. Sein Erbauer schuf es für alle Religionen.

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Wer die indonesische Insel Java besucht, macht meist auch einen Abstecher zur Borobudor Tempelanlage. Und das nicht nur, weil sie als bedeutendstes Bauwerk des Mahayana-Buddhismus auf Java gilt, sondern auch weil sie seit 1991 zum Unesco-Weltkulturerbe zählt.

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Gar nicht so weit von der berühmten buddhistischen Pyramide entfernt, aber von Pilgern und Touristen weitgehend unbeachtet, steht ein weiteres Glaubenshaus: Gereja Ayam – die Huhn-Kirche. Wer davor steht, erkennt: Der Name ist Programm, zumindest in Teilen. Denn laut seinem Erbauer, Daniel Alamsjah, handelt es sich bei dem Bauwerk um eine Taube.

Göttliche Eingebung

Und tatsächlich: Dort, wo bei gewöhnlichen Kirchen der Turm sitzt, reckt sich unverkennbar der Kopf eines Vogels empor, der von einem gezackten Heiligenschein gekrönt zu sein scheint. Der Schnabel ist rot gestrichen und sogar Augen sind vorhanden. Am anderen Ende des Bauwerks gibt es einen Fortsatz, der wie gefächerte Schwanzfedern aussieht (siehe Bildstrecke). Auf dem Rücken des Steintiers ist zudem ein Fenster in Kreuzform eingelassen.

So ungewöhnlich das Gebäude, so ungewöhnlich ist auch dessen Entstehungsgeschichte, die im Jahr 1989 ihren Anfang nahm. Damals will Alamsjah eine göttliche Eingebung gehabt haben, nach der er ein Gebetshaus in Form einer Taube bauen sollte: «Ich hatte plötzlich die Vision von einem Ort auf einem Hügel, erbaut um Gott zu verehren», zitiert «Travelbook» den heute 67-Jähriger unter Berufung auf eine indonesischen Zeitung.

Ein Ort für alle

Alamsjah beschloss, dem übernatürlichen Aufruf Folge zu leisten. Aber das Vorhaben war gar nicht so einfach umzusetzen. Zwar fand er in den Wäldern des Kedu-Beckens bald einen geeigneten Ort, doch es fehlten die finanziellen Mittel. Erst als die Eigentümer ihm ein unschlagbares Angebot unterbreiteten, konnte er zuschlagen. Er kaufte 3000 Quadratmeter Land für heute umgerechnet knapp 165 Franken und bezahlte in Raten.

Und so begann er, was ihm Gott aufgetragen hatte, zusammen mit 30 Menschen aus der Umgebung. «Wegen meines christlichen Glaubens dachten die Menschen, ich baue eine Kirche. Aber es ist keine Kirche. Ich habe ein Gebetshaus gebaut, einen Ort für Menschen, die an Gott glauben», erklärte Alamsjah später dem «Jakarta Globe».

Tatsächlich haben dort später nicht nur sieben Nationalitäten gemeinsam gebetet, sondern auch Christen und Muslime miteinander. Vollendet wurde der Tauben-Bau allerdings nie, weil das Geld nicht reichte. Und so schloss das Gebetshaus für alle im Jahr 2000 seine Pforten für immer. Heute ist dort wieder die Natur zuhause.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Murphys Law am 22.11.2015 16:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Beste

    Ein Ort für ALLE Religionen, leider nicht fertig gebaut.

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  • Dr. Wissen am 22.11.2015 15:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolles Bauwerk

    Meiner Meinung nach ist es ein sehr spezielles Bauwerk welches schon sehenswert ist, wenn man sich mal in der Umgebung befindet.

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  • nb am 23.11.2015 06:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    da sieht manns

    meiner meinung hat es dort etwas, was an den meisten anderen orten verloren gegangen ist (leider), und zwar der respekt zueinander. es spielt ja keine rolle an was man glaubt, es muss einen halten und in schwirigen zeiten beistehen. ich finde es schade, das entweder die katoliken oder die muslimen immer was gegen die anderen religionen haben, das ist ein zeiche von schwäche. und jetzt liesst man hier, das es ein ort gibt, wo sie friedlich miteinander umgehen :D das finde ich einfach nur super und total schade, das es nicht vertig gemacht wurde.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Steffi am 23.11.2015 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was hat funktioniert?

    Verstehe nicht, warum es funktioniert haben soll, wenn es ihn nicht mehr gibt, diesen gemeinsamen Ort. Geld spielt keine Rolle in solch einem Fall. Für so tolle funktionierende Orte hätte man Spendengeldern finden können-aber eben. Wahrscheinlich gabs dann doch nicht viele Übereinstimmenden. Man kann nicht von einem kurzen gescheiterten Projekt von einem Erfolg sprechen. Man kann auch nicht in Europa kurzzeitig gut zusammenleben. Da müssen alle beitragen, alle Religionen, alle Einstellungen etc.

  • Sani Lièn am 23.11.2015 19:16 Report Diesen Beitrag melden

    'Nur' 147 Mio. Einwohner nicht 245 Mio

    Korrektur: 245 Mio. Einwohner in der ganzen Indonesien. In Java ist 'nur' 147 Mio. Sooo sorry!

  • Gandalf am 23.11.2015 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Es muss die wahre Religion sein

    denn heute ist dort wieder die Natur zuhause.

  • Madame Blanche am 23.11.2015 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Huhn

    ich glaub ich sehe ein Huhn, deshalb habe ich viel zu Tun.

  • nb am 23.11.2015 06:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    da sieht manns

    meiner meinung hat es dort etwas, was an den meisten anderen orten verloren gegangen ist (leider), und zwar der respekt zueinander. es spielt ja keine rolle an was man glaubt, es muss einen halten und in schwirigen zeiten beistehen. ich finde es schade, das entweder die katoliken oder die muslimen immer was gegen die anderen religionen haben, das ist ein zeiche von schwäche. und jetzt liesst man hier, das es ein ort gibt, wo sie friedlich miteinander umgehen :D das finde ich einfach nur super und total schade, das es nicht vertig gemacht wurde.

    • Sani Lièn am 23.11.2015 19:07 Report Diesen Beitrag melden

      Kulturtreff verschiedenen Völkergruppen.

      Zum Thema Urwald muss ich folgendes anmerken: In Indonesien gibt es wohl Urwälder auf Kalimantan (Borneo) und Irian Jaya ( Papua Guinea); aber doch sicher nicht auf der überbevölkerte Insel Java mit über 245 Millionen Einwohner. Das Gebäude finde ich sehr speziell, und es ist schade einfach nur so der Natur zu überlassen. Der Idee für jede Religion zugänglich finde ich ist sehr gut. Indonesien ist viel Völker Kultur mit unterschiedlichen Religionen. Es wäre gut einen Treffpunkt in Zentral Java zu haben wo sich die verschiedenen Religion und Völkergruppen Treff.

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