Vergnügungspark

30. Dezember 2018 17:45; Akt: 30.12.2018 17:45 Print

Frühchen in Brutkästen waren einst eine Attraktion

von Fee Riebeling - Brutkästen mit Frühchen waren einst die beliebteste Attraktion auf Coney Island. Was makaber tönt, hatte einen ehrenhaften Hintergrund.

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Wenn das Wetter schön ist und der Tag frei, zieht es auch auch heute noch viele New Yorker nach Coney Island. Die äusserste südliche Spitze Brooklyns zog auch vor Jahrzehnten schon das Leben geniessende Menschen an. Neben dem verhältnismässig langen Sandstrand war ... ... es vor allem auch der Luna Park, der die Besucher in Scharen hierher lockte. (Im Bild: der Eingang des Vergnügungsparks) Neben einer Achterbahn, die zu damaligen Zeiten ihresgleichen suchte, ... (Im Bild: der Rollercoaster «Loop the Loops») ... war es auch die Ausstellung dieses Mannes, die für Aufsehen sorgte. Martin Arthur Couney ... .. war Initiator und Leiter der Dauerausstellung, über deren Eingang der Schriftzug «All the World Loves a Baby» prangte. (Im Bild: die sogenannten Baby-Inkubatoren bei einer Präsentation in Seattle, 1909) Wer die Hauptdarsteller – Frühchen in Brutkästen – sehen wollte, musste 25 Cent Eintritt zahlen – und trug gleichzeitig dazu bei, die teils winzigen Geschöpfe am Leben zu erhalten. (Im Bild: Besucher der Ausstellung im «Luna-Park») Couney nutzte die Eintrittsgelder, um den Betrieb der Brutkästen zu finanzieren. Und auch die gut ausgebildeten Krankenschwestern mussten gezahlt werden, die sich rund um die Uhr um die Frühchen kümmerten. Es gab nur Gewinner: Die Kinder bekamen eine Chance und die Zigmillionen Besucher etwas Spektakuläres zu sehen. (Im Bild: eine Besucherin bestaunt die Inkubatoren) Die aus heutiger Sicht gewöhnungsbedürftige Finanzierung zahlte sich aus. Am Ende seiner Karriere resümierte Couney gegenüber einem Journalisten, er habe in den letzten rund 40 Jahren 8000 Frühchen versorgt. (Im Bild: Coney mit zwei seiner Schützlinge) Von diesen hätten zwischen 6500 und 7500 überlebt. (Im Bild: Mütter, deren Babys dank Couneys Brutkästen und seinem finanziellen Geschick überlebt haben) 1943 musste der Pionier seine Ausstellung jedoch schliessen – aus wirtschaftlichen Gründen. (Im Bild: Couney und eine Krankenschwester vor einem der firmeneigenen Wagen) Das Interesse hatte zuletzt stark nachgelassen. «Ich habe eine bedeutende Vorreiterrolle gespielt», sollte Couney später sagen, «meine Arbeit ist getan.»

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Zwischen 1904 und 1940 gab es im Vergnügungspark Luna Park auf Coney Island, dem südlichsten Zipfel Brooklyns, Einmaliges zu bestaunen: hintereinander, in frühen Varianten von Brutkästen aufgebahrt (siehe Box), lagen Dutzende zu früh geborene Kinder.

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Wer sie sehen wollte, musste 25 Cent Eintritt zahlen – und trug so dazu bei, die teils winzigen Geschöpfe am Leben zu erhalten.

Alle profitierten

Initiator und Leiter der Einrichtung, über deren Eingang der Schriftzug «All the World Loves a Baby» prangte, war kein herzloser Schausteller, sondern Martin Arthur Couney, ein Pionier der Kinderheilkunde.

Er nutzte die Eintrittsgelder, um den Betrieb der Brutkästen zu finanzieren. Auch die gut ausgebildeten Krankenschwestern mussten bezahlt werden, die sich rund um die Uhr um die Frühchen kümmerten.

Es gab nur Gewinner: Die Kinder bekamen eine Chance und die Millionen von Besuchern etwas Spektakuläres zu sehen.

Eine ausgesprochen gute Quote

Die aus heutiger Sicht gewöhnungsbedürftige Finanzierung zahlte sich aus. Am Ende seiner Karriere resümierte Couney gegenüber einem Journalisten, er habe in den letzten rund 40 Jahren 8000 Frühchen versorgt. Von diesen hätten zwischen 6500 und 7500 überlebt. Eine genaue Statistik habe er aber nicht geführt.

1943 musste der Pionier seine Ausstellung schliessen – aus wirtschaftlichen Gründen. Das Interesse hatte zuletzt stark nachgelassen. «Ich habe eine bedeutende Vorreiterrolle gespielt», sollte Couney später sagen, «meine Arbeit ist getan.»

Der Luna Park bot Anfang des 20. Jahrhunderts alles, was das Herz begehrte. Nicht umsonst galt er damals als bedeutendster Vergnügungspark der USA. (Video: Wikimedia Commons/PD)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lena am 30.12.2018 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spannend

    War gerade letztens dort, aber dass es mal so etwas dort gab ahnte ich nicht. Wirklich interessant

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  • ChWe am 30.12.2018 18:58 Report Diesen Beitrag melden

    vor der Adipositasepidemie

    Interessanter Beitrag, Zusätzlich sehr auffällig dass im Vergnügungspark damals der grossteil der Besucher noch nicht übergewichtig war.

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  • Frauenklinik Fontana Chur/Iwyvomberg am 30.12.2018 23:19 Report Diesen Beitrag melden

    schmerzliche Zeit bis zur Heimkehr

    Von dieserStation hörte ich bei meinem N.Y. Besuch damals noch nichts. Ich bekomme Gänsehaut wenn ich zurückdenke. Unsere Tochter galt vor 45 Jahren, da nur 2.2 kg Gewicht, auch als Frühchen und es waren die schlimmsten Wochen meiner jungen Mutterschaft. Damals durfte man die Babys noch nicht auf der Station besuchen. Es bleibt unvergessen...zum Glück ging trotz grosser anfänglicher Schwierigkeiten dank Dr. D.W. in Vaduz doch noch alles gut. Ihm haben wir viel zu verdanken!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Frauenklinik Fontana Chur/Iwyvomberg am 30.12.2018 23:19 Report Diesen Beitrag melden

    schmerzliche Zeit bis zur Heimkehr

    Von dieserStation hörte ich bei meinem N.Y. Besuch damals noch nichts. Ich bekomme Gänsehaut wenn ich zurückdenke. Unsere Tochter galt vor 45 Jahren, da nur 2.2 kg Gewicht, auch als Frühchen und es waren die schlimmsten Wochen meiner jungen Mutterschaft. Damals durfte man die Babys noch nicht auf der Station besuchen. Es bleibt unvergessen...zum Glück ging trotz grosser anfänglicher Schwierigkeiten dank Dr. D.W. in Vaduz doch noch alles gut. Ihm haben wir viel zu verdanken!

  • Neumann am 30.12.2018 23:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Soll ich auch?

    Ich sollte eigentlich auch Geld verlangen, dass mich die Leute hier oben am Waldrand stören und angaffen dürfen. Was meint ihr?

    • Ursina die alte Bärin am 31.12.2018 17:54 Report Diesen Beitrag melden

      alle Affen die da gaffen...

      @Neumann! Bislang brachte ich es nicht übers Herz, Sie zu stören, obschon Ihre Waldrand Idylle einladend aussieht. Ich spaziere oft vorbei, doch ich traue mich nicht zu klopfen. Das mit den Einnahmen lassen Sie lieber, es muss alles versteuert werden, schade!

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  • Lektor am 30.12.2018 21:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eisen aus Glas

    Aha, EISERNE GLASkästen waren das, tönt interessant.

    • Neumann am 31.12.2018 03:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lektor

      Sieht man ja, dass es Glaskästen aus Eisen sind. Damals hat man halt noch kein Alu, Teflon und Plexiglas gehabt, weisst du. Heute könnte man z B Plexiglaskästen aus Alu bauen.

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  • marko 33 am 30.12.2018 21:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Super

  • ChWe am 30.12.2018 18:58 Report Diesen Beitrag melden

    vor der Adipositasepidemie

    Interessanter Beitrag, Zusätzlich sehr auffällig dass im Vergnügungspark damals der grossteil der Besucher noch nicht übergewichtig war.

    • marko 33 am 30.12.2018 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ChWe

      Super

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