Industrie

22. August 2019 12:00; Akt: 25.08.2019 20:11 Print

«Digitalisierung ist kein Selbstzweck»

von Ronny Arnold - Der technologische Fortschritt fordert die Schweizer Wirtschaft. Doch was sind die Chancen und Gefahren dieser Entwicklung? Wir haben bei Ivo Zimmermann von Swissmem nachgefragt.

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Herr Zimmermann, ist die Digitalisierung eine Chance oder Gefahr für die Schweizer Wirtschaft?
Die Digitalisierung ist eine grosse Chance für die Schweizer Wirtschaft. Es geht dabei nicht nur um neue Technologien. Mindestens so wichtig sind neue Denkansätze, neue Wege in der betriebsinternen und -externen Zusammenarbeit sowie eine angepasste Unternehmenskultur. Wenn all diese Faktoren zusammenspielen, können mit den neuen digitalen Technologien nachhaltig innovative Ansätze bei Produkten, Prozessen und Geschäftsmodellen realisiert werden.

Welche konkreten Auswirkungen hat die Digitalisierung auf Ihre Branche?
Wir wissen aus Befragungen, dass die grosse Mehrheit der Swissmem-Mitgliedfirmen die Digitalisierung angepackt und bereits zahlreiche Projekte umgesetzt hat. Immer mehr Unternehmen können mit Digitalisierungslösungen ihre Produktivität steigern oder ihr Angebot erweitern.

Was passiert, wenn die notwendigen Anpassungen verpasst werden?
Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Jedes Unternehmen muss selber beurteilen, ob digitale Technologien das eigene Geschäftsmodell weiterbringen oder nicht. Je nachdem ist es eine Frage des Überlebens, ob die notwendigen Anpassungen angepackt werden oder nicht.

Gerade für ein KMU sind die Herausforderungen teilweise enorm. Wie werden sie unterstützt?
Die Herausforderungen sind für alle Firmen gross. Je nach Grösse und Markt sind sie sehr unterschiedlich. KMU sind vor allem gefordert, wenn es um den Einstieg in die Digitalisierung geht. Swissmem unterstützt KMU mit diversen Massnahmen. Sie reichen von praxisorientierten Anleitungen über Ausbildungsangebote bis hin zu Fragen der Finanzierung.

Wie sehen diese Massnahmen konkret aus?
Bei der digitalen Transformation zum Beispiel unterstützen wir die Firmen mit der Initiative «Industrie 2025». Dort geben wir – zusammen mit anderen Verbänden – den KMU eine Toolbox in die Hand, damit sie den Einstieg in Digitalisierungsprojekte finden. Einen ähnlichen Weg beschreiten wir in Zusammenarbeit mit dem RUZ, dem Raiffeisen Unternehmerzentrum. Gemeinsam möchten wir Unternehmen unterstützen und geldgebende Finanzinstitute sensibilisieren, wenn es um die Finanzierung digitaler Projekte geht.

Haben mittlere und kleinere Unternehmungen in der sich rasant entwickelnden Industrie mittelfristig überhaupt noch eine Chance?
Selbstverständlich. Oft sind es KMU, die dank ihrer Flexibilität neue Produkte und Dienstleistungen schneller und effizienter im Markt einführen können. Wichtig ist eine gezielte Analyse, wo und wie digitale Technologien das Unternehmen weiterbringen können.

Durch die technologischen Entwicklungen steigt auch der Bedarf an Fachkräften. Was übernimmt die Branche hier?
Swissmem betreibt das Webportal Find-your-future.ch, das an Jugendliche, Studenten und potenzielle Mitarbeitende aller Altersklassen gerichtet ist. Diese Plattform hilft, die passende Ausbildung in der Welt der Technik zu finden und die eigene Laufbahn zu planen.

Wie wird die Aktualität der Ausbildungen gewährleistet?
Swissmem ist gemeinsam mit Swissmechanic für die Qualität der technischen Ausbildungen in der MEM-Branche verantwortlich. Wir sorgen durch kontinuierliche Anpassungen dafür, dass die Berufe attraktiv bleiben und fit für die Zukunft sind. Gerade jetzt läuft ein grosses Reformprojekt, in dem wir diese Ausbildungen für technische Berufe wie Polymechaniker/-innen, Konstrukteur/-innen, Elektroniker/-innen und Automatiker/-innen gründlich überprüfen und überarbeiten.

Swissmem ist der führende Verband für KMU und Grossfirmen der schweizerischen Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie).

www.swissmem.ch
www.find-your-future.ch
www.bildung-schweiz.ch/topics/digitalisierung