Interview mit Patrick Rohr

27. März 2011 23:04; Akt: 27.03.2011 20:34 Print

Keine Moderation ohne Ergebnis

von Markus Arnold - Das Moderieren liegt dem 43-jährigen Patrick Rohr im Blut. Er erzählt, wie man es richtig macht.

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Patrick Rohr, mit 17 Jahren haben Sie ihre erste Radiosendung moderiert. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre ersten Moderationsschritte?
Ich moderierte einmal pro Woche beim Zermatter Lokalsender Radio Matterhorn die Jugendsendung radio-aktiv. Da ich schon als Kind den Wunsch hatte, Journalist zu werden, konnte ich endlich das ausleben, was ich immer wollte. Es war extrem spannend. Meine Ängste damals waren aber die gleichen wie heute: Gelingt es mir, so viel wie möglich aus einem Menschen herauszuholen? Schaffe ich es, möglichst spannend zu moderieren?

Mittlerweile haben Sie unzählige Moderationen hinter sich. Ich nehme an, dass nicht immer alles nach Wunsch lief?
Es gab immer wieder Sendungen, mit denen ich nicht zufrieden war. Dies geschah meistens dann, wenn ich zuvor nicht genau wusste, auf was ich hinauswollte. Einmal in einer «Arena»-Sendung diskutierten wir den Service Public und die Aufgaben von Post, Bahn und Telekommunikation. Nach einer halben Stunde waren sich alle Gesprächspartner einig, doch wir mussten noch eine Stunde weiterdiskutieren. Die Einschaltquote stürzte in den Keller.

Warum misslang diese Sendung?
Einerseits war das Thema wohl nicht geeignet, andererseits habe ich die spannenden Themen und die möglichen Konflikte zu wenig herausgearbeitet. Es war mir nicht bewusst, was ich in der Sendung eigentlich will. Meine Erkenntnis damals: Wenn ich als Moderator kein Ziel habe, funktioniert eine Moderation nicht – weder im Fernsehen noch an einer Sitzung.

Was meinen Sie mit Ziel?
Die Moderation muss mit einem Ergebnis enden. Die Sache muss abgerundet sein. Man muss am Schluss etwas begriffen haben, eine Aussage, eine Botschaft mitnehmen können. Es ist äusserst unbefriedigend, wenn man nach einer zweistündigen Sitzung auseinander geht, ohne etwas erreicht zu haben, ohne klar benannt zu haben, wer nun was erledigen muss.

Wie schafft man es, dass eine Moderation gelingt?
Der Moderator muss sich überlegen, was für Leute aus welchem Grund zusammenkommen. Dann muss er definieren, was er erreichen möchte. Während der Moderation lenkt er den Gesprächsverlauf auf diesen Punkt. Man kann eine Moderation mit einer Pyramide vergleichen: Unten ist sie breit. In einer Auslegeordnung wird das Thema in seiner ganzen Breite erfasst. Dann kanalisiert der Moderator die Gespräche, wodurch das Thema immer enger gefasst wird. Die Moderation ist geglückt, wenn man am Schluss bei der Spitze ankommt.

Das bedingt wohl eine intensive Vorbereitung?
Genau. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn ein Moderator unvorbereitet ist. Wenn er nicht weiss, was er will. Der Moderator soll möglichst viele Fakten zu kennen, um daraus die richtigen Fragen ableiten zu können. Mir fällt in den Moderationskursen auf, dass die Leute häufig zu offen an die Sache herangehen. Man geht vom Hundertsten ins Tausendste und zurück.

Wie bereiten Sie eine Moderation vor?
Das ist ein Prozess. Zuerst vertiefe ich mich ins Thema, sammle alles, was es zu dazu gibt und lasse dies zwei, drei Tage setzen. Die eigentliche Moderationsvorbereitung dauert dann vielleicht einen Arbeitstag. Ich gebe ich mich aber nicht mit Detailfragen ab, denn diese ergeben sich während der Moderation. Ich befasse mich aber mit Themen, die ich besprechen möchte. Am Schluss definiere ich fünf Themenkreise und bringe diese in eine logische Reihenfolge. In einer Arena-Sendung hatte ich jeweils nur ein Kärtchen als Gedankenstütze. Darauf waren die fünf Themenkreise in der richtigen Reihenfolge aufgeschrieben. Bei jedem Themenbereich versuchte ich auf den Punkt zu kommen, um als Fortsetzung in den nächsten einzusteigen.

Wie kann man lernen zu moderieren?
Das Handwerk des Moderierens kann man sicherlich in Kursen lernen, aber als Grundvoraussetzung braucht man Interesse, Unvoreingenommenheit und die Fähigkeit, zuhören zu können. Dies kann man in jedem Alltagsgespräch lernen. Man fragt nach, ob man etwas richtig verstanden hat, fasst Gehörtes zusammen. Und der Moderator soll sich stets bewusst sein, dass er zwar physisch im Zentrum steht, dass aber die Gesprächsteilnehmenden die Hauptakteure sind.

Sie selber leiten eine Kommunikationsberatungsfirma. Was für Menschen besuchen Ihre Kurse?
Es kommen sehr viele Führungskräfte von Unternehmen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Der CEO beispielsweise wünscht ein Medientraining, das mittlere Kader besucht Kurse für sicheres Auftreten. Zu unseren Kunden gehören auch Politikerinnen und Politiker.

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