Ethnologie

16. November 2009 14:05; Akt: 16.11.2009 14:05 Print

... fertig ist das Schrumpfgesicht

Es ist ein Handwerk, dessen Niedergang wohl von niemandem beklagt wird: die Herstellung von Schrumpfköpfen. National Geographic hat jetzt das möglicherweise einzige Video präsentiert, auf dem Teile des schaurigen Rituals zu sehen sind.

Quelle: National Geographic

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Das Videomaterial stamme aus dem Jahr 1961, heisst es in dem Beitrag auf dem Online-Portal von National Geographic. Damals besuchte der polnische Forscher Edmundo Bielawski auf der Suche nach Kopfjägern mit einer siebenköpfigen Expedition den Stamm der Shuar im Amazonas-Dschungel. Das Filmmaterial, das der Pole aus dem Regenwald zurückbrachte, ist nichts für zarte Gemüter: Man sieht unter anderem, wie menschliche Kopfhäute in Töpfen gekocht und danach getrocknet werden.

Die einzigen Aufnahmen?

Der Beitrag von Piers Gibbon geht nun der Frage nach, ob es sich bei dem im Film dokumentierten Vorgang um eine echte Schrumpfkopf-Zeremonie handelte. Ein katholischer Missionar, der bereits seit den Sechzigerjahren in der Region lebt, bestätigte Gibbon, dass damals noch Schrumpfköpfe hergestellt wurden. Zudem fand Gibbon einen alten Shuar-Krieger, der in dem Video seinen Bruder erkannte. Damit dürften es sich bei den Bildern tatsächlich um die einzige Aufnahme einer genuinen Schrumpfkopf-Zeremonie handeln.

Makaberes Ritual

Zweck des makaberen Rituals war, den Geist des getöteten Feindes daran zu hindern, Rache für seinen Tod zu üben. Dazu wurde der Schädel zuerst an der Hinterseite geöffnet. Die Haut wurde dann vorsichtig abgezogen, wobei die Gesichtszüge möglichst nicht beschädigt werden sollten. Die schädellose Kopfhaut wurde dann von überflüssigem Fleisch befreit und eine halbe Stunde in heissem Wasser gekocht. Länger durfte die Trophäe nicht im Topf bleiben, sonst wären die Haare ausgefallen. Danach wurde die Haut in der Sonne getrocknet und der ganze Vorgang wiederholt — die Prozedur konnte bis zu sechs Tage dauern. Danach war der Kopf auf einen Viertel der ursprünglichen Grösse geschrumpft. Schliesslich nähte man noch die Augen zu, um dem bösen Geist die Sicht zu nehmen. Zusätzlich wurde der Mund verschlossen, damit das Opfer niemanden bitten konnte, es zu rächen.

Auch heute werden in entlegenen Gegenden Südamerikas noch Schrumpfköpfe hergestellt. Allerdings verwenden die Aguaruna und Shuar in Peru und Ecuador keine menschlichen Köpfe mehr für ihr Handwerk, sondern Faultierköpfe.

(dhr)