Mars- 500-Simulation

12. Februar 2011 11:28; Akt: 17.05.2011 13:50 Print

«Astronauten» landen auf dem Mars

von Susanne Lüthi - Sechs freiwillige «Astronauten» erreichen nach 250 Tagen den Roten Planeten. Wie sie während des Flugs auf den virtuellen Mars die ganz reale lange Zeit totgeschlagen haben, zeigt ein Video.

Experimentieren, Trainieren, Singen, Relaxen: Was sechs Freiwillige währemd dem langen, simulierten Flug zum Mars so machen. Quelle: YouTube
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Seit dem vergangenen 3. Juni läuft das Experiment Mars-500. Das gemeinsame Unterfangen der russischen Weltraumagentur Roskosmos und der europäischen ESA ist die bislang grösste Mars-Simulation in der Geschichte der Raumfahrt. Sechs Freiwillige sitzen für das Experiment während 520 Tagen in der virtuellen Raumfähre und simulieren den Flug zum Mars, den Aufenthalt auf dem Roten Planeten und schliesslich die Heimreise zur Erde. Das Experiment wird rund 15 Millionen Dollar kosten, die sechs Freiwilligen (drei Russen, ein Italiener, ein Franzose und ein Chinese) erhalten pro Kopf rund 99 000 Dollar Lohn.

Erste Etappe geschafft

Die erste Etappe von Mars-500 ist nun geschafft. Das Moskauer Institut für Medizinisch-Biologische Probleme (IMBP), wo das Experiment durchgeführt wird, teilte mit, dass das «Raumschiff» nach 250 Tagen in eine Umlaufbahn um den Roten Planeten eingeschwenkt sei. Mit an «Bord» sind auch noch alle sechs ursprünglichen Kandidaten. Diese hätten im äussersten Notfall die virtuelle Rakete verlassen können. Aber offenbar hatte keiner von ihnen das Bedürfnis, das Experiment vorzeitig abzubrechen. Auch, so berichtet der «Spiegel», seien die Crew-Mitglieder - dank dem strikten Einhalten eines vorgegebenen Essplanes - bei sehr guter körperlicher Verfassung.

Drei landen, drei bleiben

Die virtuelle Landung soll am nächsten Samstag, 12. Februar stattfinden. Für den 14., 18. und 22. Februar werden drei «Astronauten» den Roten Planeten betreten. In das Landemodul steigen gemäss dem IMBP der Russe Alexander Smolejewski, der Italiener Diego Urbina und der Chinese Wang Yue. Diese Crewmitgliedern mussten vorher während 30 Tagen ruhig im Bett liegen, um einen Muskelschwund herbeizuführen, wie er in der Schwerelosigkeit auftritt.

Die andere Hälfte der Crew, der russische Kommandant des Experimentes Alexej Sitjow, sein russischer Landsmann, der Arzt Suchrob Kamolow und der französische Bordingenieur Romain Charles bleiben hingegen an Bord. Wenigstens ist ihnen durch Bullaugen ein Blick auf die fiktive Marsoberfläche gegönnt.

Der Mars muss noch hergestellt werden

Im Gegensatz zu den sechs Freiwilligen, die während des langen Fluges auch schon Mal Zeit für eine Runde Karaoke hatten (siehe Video oben), hat man auf der «Marsoberfläche» keine Zeit mehr zu verlieren. Denn das «Mars 500»-Modul steht in einem Lagerraum, der vor der «Landung» noch geräumt und dann zum Roten Planeten umgestaltet werden muss.

Das Ziel der «Landgänge» ist es, die nachgebildete Mars-Oberfläche mit speziellen Instrumenten, die für das bemannte russische Mondprogramm entwickelt worden waren, zu untersuchen. Den drei Männern zur Seite stehen wird dabei auch ein Roboter.

Mails zum Mars und Twitter vom Mars

Der Aufenthalt auf dem Mars wird 30 Tage dauern. Danach pferchen sich alle sechs Freiwilligen wieder in den Mars-500-Komplex, um den simulierten Rückflug anzutreten. Dieser dauert noch einmal quälend lange 240 Tage. Wer ihnen diese verkürzen möchte, kann die Truppe über die Site der ESA kontaktieren. Der Italiener Diego Urbina ist ausserdem auf Twitter anzutreffen. Auf der Erde zurück erwartet werden die sechs Raumfahrer anfangs November.