Terrorbekämpfung

14. Januar 2015 15:36; Akt: 14.01.2015 15:36 Print

«Austausch von Flugdaten ist kein Problem»

von J.-C. Gerber - Der geplante EU-weite Austausch von Flugdaten sorgt für Diskussionen. Handlungsbedarf bestehe aber anderswo, sagt Gerd Leonhard.

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Aus dem Massnahmenpaket, auf das sich die EU-Innenminister nach den Anschlägen von Paris geeinigt haben, gibt besonders ein Punkt zu reden: der Austausch von Fluggastdaten zwischen den EU-Ländern. Erfasst werden sollen dabei persönliche Daten, die Reiserouten und Angaben zum Kauf des Tickets. Bereits gibt es solche Abkommen für Passagiere, die zwischen Europa und etwa den USA oder Kanada reisen. In der EU stellt sich das Europäische Parlament aus Datenschutzgründen bislang quer.

Umfrage
Was halten Sie vom Austausch von Passagierdaten bei Flügen innerhalb Europas?
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10 %
18 %
Insgesamt 1262 Teilnehmer

Auch in der Schweiz wird der Daten-Abgleich mit Ländern der Europäischen Union geprüft, wie ein Sprecher des Bundesamts für Polizei Fedpol gegenüber SRF bestätigte. Abgeklärt werde etwa, wie sich der Austausch mit dem Datenschutz verträgt. Politische Gegner des Austauschs argumentieren denn auch hierzulande hauptsächlich mit dem Datenschutz.

Jeden Tag geben wir mehr Daten preis

Der Baselbieter Zukunftsforscher Gerd Leonhard hält dagegen den Austausch von Flugdaten aus Sicht des Datenschutzes für zumindest temporär vertretbar. «Der begrenzte Austausch von Flugdaten ist meines Erachtens kein Problem, da er keinen tieferen und vor allen Dingen verknüpfenden Eingriff in die Privatsphäre darstellt», erklärt der Technologieexperte.

Jeder, der ein Facebook-Konto hat, auf Google sucht oder ein Smartphone mit GPS nutzt, gibt Tag für Tag viel mehr von sich preis. Hier liege das wahre Problem: Im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern und der Schweiz würden die USA und Grossbritannien diese Online-Daten nutzen, um Bürger nach ihrem vermeintlichen Gefährdungspotenzial für die öffentliche Sicherheit zu beurteilen.

Neuer Standard gefordert

Das stellt laut Leonhard einen deutlich grösseren Eingriff in die Privatsphäre und die Daten-Grundrechte des Einzelnen dar. Hier gelte es deshalb, genau hinzuschauen und auch die Überwacher zu überwachen. Besonders wenn Algorithmen die Aufgabe übernehmen, diese Daten intelligent und in Echtzeit zu verknüpfen oder Nutzer in Gut und Böse einzuteilen, sei das problematisch, da es sehr schnell zu totalen Fehleinschätzungen komme. Auf solche Systeme müsse man bei der Debatte um den Datenschutz fokussieren.

Leonhard fordert einen europäischen Datennutzungsstandard, der für alle Länder verbindlich regelt, was mit den gesammelten Daten geschieht. Darin sollte unter anderem festgeschrieben sein, welche Daten nach kurzer Zeit wieder gelöscht werden müssen und wer genau auf was und wann Zugriff hat. Zudem müsse auch geregelt werden, wer die Datensammler überwacht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas Filis am 14.01.2015 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Witz

    Die Terroristen lässt man zuerst ausreisen und dann wieder einreisen! Ein absoluter Witz. Da nützt auch der Datenaustausch nichts.

  • Timo am 14.01.2015 16:00 Report Diesen Beitrag melden

    Ich.....

    Ich finde das eine gute Idee! Gleichzeitig sollte die EU und die Schweiz wieder darüber nachdenken an den jeweiligen Landes-Grenzen wieder Kontrollen durchzuführen ! Und gleichzeitig jede Person die nachweislich zur IS ......gegangen ist ,sofort die Staatsbürgerschaft zu entziehen und die jeweilige Person wegen Hochverattes anklagen und Einsperren und anschließend ausweisen.

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  • wieder Nachtruhe am 14.01.2015 15:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Landesgrenzen

    Das ist nur ein Tropfen auf einen heissen stein! Was ist mit den offenen Grenzen überall? Wer erfasst diese Menschen? Ah, ich weiss, das gibt alles zuviel Arbeit und passt nicht zur EU. Also lasst das Gejammer.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Realistischer Vogel am 15.01.2015 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Wacht auf...seit jahrzenten so

    Verursache ein Problem und offerie dann die Lösung, um an dein Ziel zu kommen!! Voila, die totale Kontrolle und überwachung ist die folge!! Bravo und viel Leute lassen sich auch noch blenden und einschüchtern und dies im Namen der "Sicherheit" resp. Freiheit"! Lächerlich..welche Freiheit bleibt da noch?? Laos erst Kopf einscahlten, wer diesen noch benutzen kann und nicht durch FB, Wu usw. abgelenkt ist!!?

  • E.Bunny am 15.01.2015 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Bringt nix.

    Frankreich hatte schon jede Menge Daten zu den Tätern und trotzdem konnte nichts verhindert werden. Wir müssen dazu übergehen, Leute präventiv zu verhaften und für immer ein zu sperren. Kein Gericht, keine Anhöhrung, einfach wegsperren. /IronieOff :)

  • Alain Mathys am 15.01.2015 08:10 Report Diesen Beitrag melden

    Freiwillig? der gläserne Bürger ...

    Wenn ich meine Daten bei Facebook geben möchte, so tue ich es FREIWILLIG, hingegen wenn ich Fliege, werde ich gar nicht gefragt ... Übrigens ... zu den Pariser Attentätern waren genügend Daten vorhanden, und es wurde trotzdem nicht verhindert. Warum muss ich Normalbürger also meine Daten "abgeben"?

    • Bartli am 15.01.2015 08:55 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht mehr schon, so gläsern.

      @ Mathys. Vielleicht dass man Sie als Bürger auch beim Reisen restlos überwachen kann? Warum sonst benötigt es immer erst Anschläge, um derart Gesetze umsetzen zu können? :) Könnte es sein, dass man die Daten darum nicht so ernst nahm? Solch Fragen gehen einem manchmal schon durch den Kopf, obwohl man es nicht glauben will. Wir werden es nicht erfahren. Mit dem Terror bringen die jedes Gesetz durch.

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  • Harry Grunder am 15.01.2015 00:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wirkliche Probleme

    Die Überwacher zu überwachen ist wichtig. Nicht gesammelte Daten können nicht falsch verknüpft und misbraucht werden. Ohne FB und Google Account lebt sich gut. Der Ausschluss vom fliegen ist stark einschränkend, will einer seine Daten nicht registriert und verknüpft haben. Es fehlt der Nachweis, dass die Datensammlerei zu nachhaltigen Ergebnissen führt, d.h. weniger Terror. Im Gegenteil ist dies hilflose Aktionitis, damit man sagen kann, man hätte Massnahmen ergriffen. Mehr Menschen ohnePerspektiven bedeutet mehr Radikalismus und Terror, egal wie viele Daten gesammelt werden.

  • Marcelo am 14.01.2015 19:27 Report Diesen Beitrag melden

    Frage an Leser mit Sicherheitserfahrung

    Ich will hier keine Verschwörungstheorien verbreiten, sondern hoffe, dass mir jemand eine Antwort bezüglich dem Supermarkt geben kann. Eine Geiselbefreiung läuft also folgendermassen ab: 1. Versammle Polizei vor dem Gebäude. 2. Fahre in aller Ruhe das Rollo hoch. 3. Ein Polizist rennt rein und die anderen schiessen drauflos. 4. Erst nach einer halben Minute kommt ne Blendgranate. 5. Der Geiselnehmer rennt panisch raus und wird wildwestartig kaltgestellt. Ist dies wirklich das übliches Vorgehen?