Genf

24. März 2011 22:32; Akt: 24.03.2011 21:58 Print

«Briefe» in die Vergangenheit

von Lorenz Hanselmann - Vom Cern aus könnte man theoretisch mit der Vergangenheit oder der Zukunft kommunizieren – das behauptet ein US-Physiker.

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Das Cern in Genf: Bald auch ein Ausgangspunkt für «Zeitreisen»? Foto: keystone

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Die Idee tönt fast zu gut, um wahr zu sein: Von der Schweiz aus sollen dereinst Nachrichten durch die Zeit geschickt werden können. Das besagt eine neue Theorie des Physik-Professors Tom Weiler von der Vanderbilt University in Nashville. Ausgangspunkt für die «Zeitreisen» wäre demnach der Teilchenbeschleuniger am Cern. Weiler ist wie viele Kollegen überzeugt, dass dort bei der Kollision zweier Teilchen ausser dem Higgs-Boson – dem so genannten Gottesteilchen – auch ein zweites Teilchen entstehen würde, das Higgs-Singlet. Dieses könnte dann in die fünfte Dimension springen, in der die Raumzeit gefaltet ist, und sich darin vorwärts oder rückwärts durch die Zeit bewegen. «Wenn die Wissenschaftler es schaffen, die Entstehung der Higgs-Singlets zu kontrollieren, könnten sie damit Nachrichten verschicken», so Weiler. Übermittelt würden sie wie Morsecodes.

Noch seien viele Unbekannten zu klären. Physikalisch spreche aber nichts gegen die «Schweizer Zeitmaschine», sagt Weiler. Für 20-Minuten-Wissensredaktor Beat Glogger ist die Theorie dennoch kaum mehr als ein PR-Gag: «Theoretisch ist eine solche Kommunikation mit anderen Zeiten vielleicht möglich. In der Realität stellt sich aber ein Paradoxon: Wenn Weiler beispielsweise eine Nachricht an seine tote Grossmutter schickt, wird diese vielleicht seinen Grossvater nie kennenlernen. Dann würde Weiler nie geboren und könnte die Nachricht nicht verschickt haben.» Auch ETH-Professor Günther Dissertori hält wenig von Weilers Spekulationen. «Die Theorie erinnert eher an ­Science-Fiction als an echte Wissenschaft.»