Branson zu «SpaceShipTwo»

31. Oktober 2014 22:13; Akt: 01.11.2014 11:50 Print

«Das Weltall ist hart - aber es lohnt sich»

Mit der «SpaceShipTwo» hätten Privatpersonen ins All fliegen sollen. Ihr Absturz könnte dem Weltraumtourismus schaden. Doch Richard Branson will trotzdem weitermachen.

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Es war der Traum von Prominenten wie Stephen Hawking und Justin Bieber, aber auch von wohlhabenden Privatpersonen: Hinter privaten Flügen ins Weltall steht nach dem Absturz des Raumschiffes «SpaceShipTwo» nun ein grosses Fragezeichen. Bei dem zweiten Raumfahrt-Unglück innerhalb weniger Tage explodierte das Raumschiff des Unternehmers Richard Branson und seiner Firma Virgin Galactic am Freitag bei einem Testflug über der kalifornischen Mojave-Wüste. Es war konzipiert worden, um Touristen in den Weltraum zu befördern.

Doch das private Raumfahrtprojekt muss nach Angaben von Branson weitergehen. Er sei «schockiert» über den Absturz des Raumfahrzeugs, sagte der britische Milliardär am Samstag. «Das Weltall ist hart - aber es lohnt sich. Wir werden durchhalten und gemeinsam voranschreiten», schrieb Branson auf der Webseite seines Unternehmens. Der 64-Jährige war am Samstag auf dem Weg zum Unglücksort im US-Staat Kalifornien. Es sei für ihn eine der «schwierigsten Reisen» seines Lebens.

«Heute war ein harter Tag», sagte auch George Whitesides, neben Branson einer der Leiter von Virgin Galactic. «Die Zukunft beruht in vielerlei Hinsicht auf harten, harten Tagen wie diesem.» Virgin Galactic teilte mit, es habe während des Flugs eine «ernsthafte Anomalie» gegeben, die zum Verlust von «SpaceShipTwo» geführt habe. Nähere Angaben machte die Firma nicht. Branson wollte unverzüglich ins Absturzgebiet reisen und dort wie Ermittler am Samstag ankommen.

«Rückschlag für den Weltraumtourismus»

Das «SpaceShipTwo» sei explodiert, nachdem es von einem Flugzeug losgelassen worden sei, das es in grosse Höhe bringen sollte, sagte der Fotograf Ken Brown, der das Unglück beobachtete. Demnach hatte das Raumflugzeug seinen Raketenmotor gezündet. Nördlich des Mojave Air and Space Ports, von wo aus der Flug gestartet sei, seien Trümmerteile niedergegangen. Die Unfallursache war bis in die Nacht zum Samstag nicht bekannt. Das Gebiet liegt etwa 193 Kilometer nördlich der Innenstadt von Los Angeles.

Raumfahrtexperten sagten nach dem Unglück, dies werde den Weltraumtourismus deutlich zurückwerfen. «Ich denke, das ist ein ernsthafter Rückschlag für die Idee, bald viele Menschen auf Spritztouren in den Weltraum zu schicken», sagte der frühere Direktor für Raumfahrtpolitik an der George-Washington-Universität in Washington, John Logsdon. Viele hätten zuvor gedacht, dass die Technologie bereits so weit sei, Personen sicher ins Weltall zu befördern.

Entwicklung stand kurz vor dem Durchbruch

Das Unternehmen des britischen Milliardärs Branson war der aussichtsreichste Kandidat dafür, Touristen in naher Zukunft ins All zu schiessen und ihnen so Schwerelosigkeit und einzigartige Blicke auf die Erde zu ermöglichen. Ein Sitz auf einem der geplanten Flüge kostet 250 000 Dollar. Zu den Prominenten, die sich für eine Touristenreise ins All haben eintragen lassen, zählen neben Hawking und Bieber etwa auch Ashton Kutcher und Russell Brand. 700 interessierte Passagiere haben bislang 90 Millionen Dollar (rund 72 Millionen Euro) in die Kassen von Virgin Galactic gespült.

Nach einer Entwicklungszeit, die deutlich länger gedauert hat als die Interessenten gedacht hatten, passierte die Explosion von «SpaceShipTwo» ausgerechnet kurz vor einem möglichen Durchbruch. Branson hatte in Interviews im vergangenen Monat angekündigt, der erste Flug könne möglicherweise schon im nächsten Frühjahr stattfinden.

Zweiter Zwischenfall innerhalb einer Woche

«SpaceShipTwo» war so konzipiert, um von einem speziell entworfenen Jet in die Höhe getragen und dann losgelassen zu werden. Anschliessend sollte seine Rakete gezündet werden, um einen Flug ins Weltall zu ermöglichen. Als Gleitflugzeug sollte das Raumschiff dann wieder zur Erde zurückkehren. Der Flug am Freitag war der 55. des 18 Meter langen Raumschiffs.

Am Dienstag war eine unbemannte Versorgungsrakete der US-Betreiberfirma Orbital Sciences kurz nach dem Start zur Internationalen Raumstation ISS explodiert.

(sda)