Forscher narren Fachblatt

24. Mai 2017 20:08; Akt: 24.05.2017 20:08 Print

«Der Penis ist schuld am Klimawandel»

Schachtelsätze, Thesen, Fachausdrücke: Eine im Fachjournal «Cogent Social Sciences» publizierte Studie hatte alles, was es braucht. Nur keinen wahren Kern.

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Das männliche Glied soll massgeblich zum Klimawandel beitragen. So heisst es in einer aktuellen, im Fachmagazin «Cogent Social Sciences» publizierten Studie. Stimmen tut das aber nicht. Das gaben die beiden Autoren direkt nach der Veröffentlichung bekannt. Sie hätten 3000 Wörter vollkommenen Unsinn geschrieben. Auch die angeführten Quellen entsprächen nicht den wissenschaftlichen Standards: «Wir haben genau null unserer Quellen gelesen, das war Teil unseres Schwindels.» Ein Teil davon war zudem ausgedacht. Dass sie die gefakte Penis-Studie eingereicht haben, hat einen ernsten Hintergrund: So wollten die Wissenschaftler darauf hinweisen, dass ... ... gegen Bezahlung veröffentlichte Arbeiten anfällig dafür sind, problemlos durchgewunken zu werden – und das unabhängig von ihrem wissenschaftlichen Gehalt. Zudem kritisieren sie, dass politisch gewünschte Ergebnisse und der Gebrauch von Fachjargon dazu führten, dass die Prüfer Quatsch nicht erkennen würden. Es ist nicht das erste Mal, dass eine Scherzstudie veröffentlicht wurde: 2015 sorgte die Meldung «Schokolade essen hilft beim Abnehmen» weltweit für Aufsehen. Doch es handelte sich um einen Fake. Damit wollten die Verantwortlichen aufzeigen, wie gutgläubig und naiv Verbraucher – und Journalisten – sind. Für eine der ersten Fake-Studien sorgte 1996 der Physiker Alan Sokal. Er schaffte es, Nonsense im Fachjournal «Social Text» unterzubringen. Sein Artikel erschien in einer Sonderausgabe, die die US-spezifische Auseinandersetzung zwischen wissenschaftlichem Realismus und Postmoderne thematisieren sollte.

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3000 Wörter vollkommener Unsinn, so bezeichnen Philosoph Peter Boghossian und der Mathematiker James Lindsay ihre Studie. Trotzdem wurde ihr Aufsatz «Der konzeptuelle Penis als soziales Konstrukt» im Fachjournal «Cogent Social Sciences» veröffentlicht (siehe Box).

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Die verantwortlichen Gutachter seien von der Arbeit, die unter Pseudonymen eingereicht worden sei, äusserst angetan gewesen. Sie hätten die Autoren nicht nur ermuntert, sondern auch beste Noten vergeben, berichten Boghossian und Lindsay.

Ein einziger grosser Schwindel

Für sie steht fest: Der Aufsatz hätte nie publiziert werden dürfen. Schliesslich hätten sie beim Schreiben darauf geachtet, dass wirklich nichts Sinnvolles darin enthalten sei.

Auch mit den Quellen gingen sie anders um, als dies von Wissenschaftlern gefordert wird: «Wir haben genau null unserer Quellen gelesen, das war Teil unseres Schwindels.» Doch nicht nur das: Fünf zitierte Studien und zwei erwähnte Fachjournale waren zudem ausgedacht.

Seriöse Absicht

Die Scherzstudie hat einen ernsten Hintergrund. So wollten die Wissenschaftler mit ihr darauf hinweisen, dass gegen Bezahlung veröffentlichte Arbeiten offenbar anfällig dafür sind, problemlos durchgewinkt zu werden – und das unabhängig von ihrem wissenschaftlichen Gehalt.

Zudem kritisieren Boghossian und Lindsay, dass politisch gewünschte Ergebnisse und die Anwendung eines Fachjargons dazu führten, dass die Prüfer Quatsch nicht erkennen würden.

Schwachsinnigkeit ist offensichtlich

Damit liegen die Forscher nicht ganz falsch. Denn selbst so abstruse Passagen wie die folgende hätten die Gutachter nicht stutzen lassen. So heisst es an einer Stelle:

«Der konzeptionelle Penis zeigt signifikante Probleme auf für die Gender-Identität und die reproduktive Identität innerhalb sozialer und Familien-Dynamiken, er ist ausschliessend gegenüber entrechteten Gemeinschaften, die auf Gender- und reproduktiver Identität basieren, er ist eine nachhaltige Quelle des Missbrauchs von Frauen und anderen Gender-marginalisierten Gruppen und Individuen, er ist die universal-performative Quelle der Vergewaltigung und er ist der konzeptionelle Treiber für einen grossen Teil des Klimawandels.»

Auch die Begründung trieft vor Blödsinn: «Destruktive, unnachhaltige, hegemoniale, männliche Einstellungen, Umweltpolitik zu prägen, sind das vorhersehbare Resultat einer Vergewaltigung der Natur durch eine männlich dominierte Mentalität. Diese Mentalität wird am besten gefasst, indem man die Rolle des konzeptuellen Penis bei der maskulinen Psychologie berücksichtigt.» Damit können besonders «jungfräuliche Landschaften billig ausgebeutet werden».

Trotz solcher Phrasen wurde die Studie nicht als Fake identifiziert. Immerhin: Mittlerweile wurde sie von der Website genommen. Im Internetarchiv findet sie sich aber dennoch und kann hier als PDF heruntergeladen werden.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • RICO T am 24.05.2017 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine sehr gute Aktion

    Das beweist das man nicht alles glauben darf, sogar bei Fachblättern. Gesunde skepsis kann nie schaden!

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  • SonjaA am 24.05.2017 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt eindeutig!;)

    Der gute Penis ist an so vielem schuld... Aber, was wäre für uns das Leben ohne ihn?;)

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  • max62 am 24.05.2017 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich.

    Nach den ganzen Quatschstudien endlich mal etwas seriöses.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Luegi am 25.05.2017 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sozialwissenschaft...

    Hallo, wie soll das schon auffallen? Es ist ein Magazin für Sozialwissenschften! Bei all dem Seich der da tagtäglich rausgelassen wird und sehr oft genauso haltlos ist...

  • The Driver am 25.05.2017 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meiner ist raus.

    Meiner ist nicht Schuld daran, der ist Arbeitslos, der chillt einfach, der musste noch nie Arbeiten, bis jetzt gab es keine Chefin die ihn einstellen wollte.

  • Rebib am 25.05.2017 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne

    Penis keine natürliche Fortpflanzung, somit keine Überbevölkerung und keinen durch Menschen verursachten Klimawandel. Der Titel beinhaltet eine Wahrheit

    • FrancoPotente am 25.05.2017 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rebib

      aber ohne geht nichts. gäbe es einen oscar für den schönsten, schwöre, meiner hätte eine chance, er ist nahezu perfekt gewachsen.

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  • FrancoPotente am 25.05.2017 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meiner ist top

    Meiner ist absolut der pure Hit, 23, alle Frauen jubeln wenn sie ihn sehen und fühlen sich wie im Paradies danach. ohne zu übertreiben, habe wirklich ein prachtstück, nicht nur gross sondern ästetisch. Er ist nicht schuld, im gegenteil, er verbreitet nur glück. see u ladys

  • Goofy am 25.05.2017 08:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahres ist rares..

    Tja, bis jetzt fiel dieses gute Stück jedenfalls noch nie in die Arbeitslosigkeit. Ein Ding jedenfalls für viel Freude und leider auch viel Leid!

    • Adam am 25.05.2017 09:05 Report Diesen Beitrag melden

      Ueberbevölkerung

      Genau,der Penis ist schuld am Klimawandel.Ueberbevölkerung ist das grösste Problem des Klimawandels.

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