Heiz-Streit

15. Dezember 2016 05:42; Akt: 15.12.2016 08:09 Print

«Die Ideal-Temperatur liegt zwischen 21 und 23 Grad»

von F. Riebeling - Neu dürfen Winterthurer Schulzimmer auch auf 21 Grad geheizt werden. Doch nicht nur die Temperatur spielt fürs Wohlgefühl eine Rolle.

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Die Klassenzimmer von Winterthurer Schulen dürfen neu nicht nur auf 21, sondern auf 22 Grad geheizt werden. In Ausnahmefällen sogar auf 23 Grad. Dies, weil sich frierende Lehrpersonen über zu geringe Temperaturen beschwert hatten. (Symbolbild) Tatsächlich spielt die Raumtemperatur für Lernen und Arbeiten eine wichtige Rolle. Allerdings lässt sich diese nicht pauschal einstellen, denn auch der Mensch produziert Wärme: Bei Erwachsenen sind das 80 bis 100 Watt. So beeinflusst es die Temperatur, ob sich in einem Raum 10, 30 oder 100 Personen befinden. Die Lufttemperatur bei sitzenden, vor allem geistig anspruchsvollen Tätigkeiten – beispielsweise am Computer – sollte gemäss Suva idealerweise zwischen 21 und 23 Grad Celsius liegen. Bei sitzender, leichter Handarbeit werden dagegen 20 bis 22 Grad Celsius empfohlen. Bei körperlicher Arbeit kommt es auf die Art der Tätigkeit an. Einem Holzfäller können bereits fünf Grad Celsius reichen – sofern er entsprechend gekleidet ist. Institutionen wie die ETH Zürich beziehen sich diesbezüglich auf ihre eigenen Richtlinien. Laut diesen sollte die Temperatur von Seminar- und Vorlesungsräumen 20 Grad betragen. Während des Tages wird kontrolliert, ob die voreingestellte Temperatur für Behaglichkeit sorgt. Tut sie das nicht, wird nachreguliert. In den Gebäuden der ZHAW sind die Thermostate auf maximal 22 Grad eingestellt. Im Sommer gilt zudem, dass die Differenz zur Aussentemperatur höchstens 6 Grad Celsius betragen darf. Schaltet man die Heizung höher, kostet es auch mehr. Bei einem Grad mehr steigen die Heizkosten um bis zu sechs Prozent. So lautet zumindest der Wert für standardgedämmte Räume. Wie viel höher die Mehrkosten genau ausfallen, hängt immer von der jeweiligen Raumisolierung ab. Auch die Aussentemperatur spielt hinsichtlich der Finanzen eine Rolle: Ist es draussen sehr kalt, muss drinnen mehr geheizt werden – und die Heizkosten steigen. Angst haben, dass man sich aufgrund von höheren Temperaturen schneller eine Krankheit einfängt, muss niemand. Relevanter ist diesbezüglich die Luftfeuchtigkeit. Diese sollte zwischen 30 und 50 Prozent liegen. Punkto Lern- und Leistungsfähigkeit kommen verschiedene Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass die Probanden aufgrund ihres Lebensraums an verschiedene Temperaturen gewöhnt sind und diese jeweils als angenehmer empfinden. Das Gros der Untersuchungen kommt aber zu dem Schluss, dass Temperaturen zwischen 21 und 25 Grad die Leistung optimal für den Lernerfolg sind. Mehrere Arbeiten zeigten dagegen, dass die Schläfrigkeit und die Erschöpfung der Probanden mit der höheren Temperatur signifikant zunahmen. Jeder Mensch hat ein eigenes Klimaempfinden. Wo immer man die Temperaturen im Raum nicht selbst regulieren kann, sollte man mit der entsprechenden Kleidung nachhelfen, raten Experten. Denn die bildet eine Schutzschicht zwischen dem Menschen und der Umwelt.

Zum Thema
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Weil es den Lehrerinnen und Lehrern an Winterthurer Schulen zu kalt war, gestattet die Stadt neuerdings, die Klassenzimmer auf 21 Grad statt wie bisher auf 20 Grad aufzuheizen. In Ausnahmefällen dürfen die Räume sogar noch ein Grad wärmer werden. Wie wichtig die Raumtemperatur für erfolgreiches Arbeiten ist und weitere die Fragen zum Thema finden Sie nachfolgend beantwortet.

Umfrage
Welches ist für Sie die optimale Raumtemperatur?

Welche Rolle spielt die Raumtemperatur für die Arbeit oder das Lernen?
Eine grosse. Darüber sind sich Arbeitsphysiologen einig. Zwischen 19 und 29 Grad könne man sich wohlfühlen und arbeiten, sagt Bernhard Kampmann, Arbeitswissenschaftler an der Bergischen Universität Wuppertal. Da würden ein bis zwei Grad Unterschied nicht viel ausmachen.

Die Raumtemperatur wird aber auch von den Menschen im Raum beeinflusst, denn auch der Mensch produziert Wärme: «Bei warmblütigen Lebewesen geht das nach Kilo Körpergewicht. Bei Erwachsenen sind das 80 bis 100 Watt.» So beeinflusst es die Temperatur, ob sich in einem Raum zehn, dreissig oder hundert Personen befinden. Für die Bewertung der Temperatur ist das Wohlbefinden der Menschen im Raum entscheidend.

Was gilt als ideale Raumtemperatur für sitzende Tätigkeiten, was für körperliche?
Die Lufttemperatur bei sitzenden, vor allem geistig anspruchsvollen Tätigkeiten – beispielsweise am Computer – sollte gemäss Suva idealerweise zwischen 21 und 23 Grad Celsius liegen. Bei sitzender, leichter Handarbeit werden dagegen 20 bis 22 Grad Celsius empfohlen. Bei körperlicher Arbeit kommt es auf die Schwere der Tätigkeit an. Einem Holzfäller können bereits fünf Grad Celsius reichen – vorausgesetzt, er arbeitet schwer und ist entsprechend gekleidet.

Wer bestimmt, wie warm es in Klassen-, Seminar- oder Büroräumen sein soll?
Während mancherorts – wie bei den Winterthurer Schulen – die Stadt das Sagen hat, beziehen sich andere Institutionen wie die ETH Zürich auf ihre eigenen Richtlinien. Laut diesen sollte die Temperatur von Seminar- und Vorlesungsräumen 20 Grad betragen. Eine fixe Voreinstellung gebe es dafür nicht, erklärt Hans-Peter Schärer von der Abteilung Services und Ressourcen der ETH. Man beobachte während des laufenden Betriebs, ob die voreingestellte Temperatur für Behaglichkeit sorgten. «Im Zweifelsfall wird nachreguliert.»

In den Gebäuden der ZHAW sind die Thermostate auf maximal 22 Grad eingestellt. Im Sommer gilt zudem, dass die Differenz zur Aussentemperatur höchstens 6 Grad Celsius betragen darf.

Was kostet ein Grad mehr?
Schaltet man die Heizung höher, kostet es auch mehr. Bei einem Grad mehr steigen die Heizkosten um bis zu sechs Prozent. So lautet zumindest der Wert für standardgedämmte Räume. «Wie viel höher die Mehrkosten genau ausfallen, hängt immer von der jeweiligen Raumisolierung und den Lüftungsraten ab.» Auch die Aussentemperatur spielt hinsichtlich der Finanzen eine Rolle: Ist es draussen sehr kalt, muss drinnen mehr geheizt werden – und die Heizkosten steigen.

Steigt mit höheren Temperaturen die Gefahr, sich eine Krankheit einzufangen?
Hierbei spiele weniger die Raumtemperatur eine Rolle als die Luftfeuchtigkeit, erklärt Andreas Widmer, Chefarzt Spitalhygiene am Universitätsspital Basel. Diese sollte zwischen 30 und 50 Prozent liegen. Das wird jedoch mit steigenden Temperaturen schwieriger, denn «wenn die Raumtemperatur zunimmt, nimmt gleichzeitig die Luftfeuchtigkeit ab».

Zu Gesundheitsproblemen führe das aber nicht: «Heute sind Häuser meistens gut isoliert. Daher ist die Luftfeuchtigkeit eher hoch und damit das Risiko einer Ansteckung eher gering. Eine Schwankung zwischen 20 Grad und 23 Grad hat keine Auswirkung auf die Grippeverbreitung», so der Experte.

Welchen Einfluss haben höhere Temperaturen auf die Lern- und Leistungsfähigkeit?
Dazu gibt es weltweit verschiedene Studien, die zu leicht unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass die Probanden aufgrund ihres Lebensraums an verschiedene Temperaturen gewöhnt sind und diese jeweils als angenehmer empfinden.

Das Gros der Untersuchungen kommt aber zu dem Schluss, dass Temperaturen zwischen 21 und 25 Grad die Leistung optimal für den Lernerfolg sind. Mehrere Arbeiten zeigten dagegen, dass die Schläfrigkeit und die Erschöpfung der Probanden mit der höheren Temperatur signifikant zunahmen.

Was kann man tun, wenn die Raumtemperatur einem zusetzt?
Jeder Mensch hat ein eigenes Klimaempfinden. Wo immer man die Temperaturen im Raum nicht selbst regulieren kann, sollte man mit der entsprechenden Kleidung nachhelfen, so Kampmann: Diese bildet eine Schutzschicht zwischen dem Menschen und der Umwelt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • 8M76 am 15.12.2016 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umweltdenken

    In der heutigen Zeit finde ich es sehr bedenklich, dass man im Winter 26 Grad in der Wohnung hat und mit T-Shirt und Barfuss herumläuft! Denkt an die Umwelt, schaltet die Temperatur runter, zieht euch etwas anständiges an (und vor dem TV nehmt euch halt eine Kuscheldecke). Frieren muss nicht sein aber übertrieben werden auch nicht!

  • Rolf Gysling am 15.12.2016 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anpassen

    Vielleicht wäre es ideal wenn man nicht Sommer wie Winter gleich gekleidet rumrennen würde und im Winter das T-Shirt auch mal gegen einen Pulli austauscht.

  • Aaraupanda am 15.12.2016 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kleinigkeiten

    In anderen Länder herrscht Krieg und wir streiten uns hier um ein Grad Temperaturunterschied. Einfach nur traurig.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 15.12.2016 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig oder falsch ?

    In die gute Stube sind 22 -23 Grad genau das Richtige. In der Schlafzimmer hingegen, genügen 18 Grad, es wird so oder so heiss...!

  • Paescu22 am 15.12.2016 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wohlstandprobleme

    wenn der mensch keine richtigen probleme hat erfindet er halt welche.

  • Sebastian Chwanz am 15.12.2016 10:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fakten

    bei mir in der wohnung sinds 30 grad, ich mag den winter nicht so.. heizöl ist günstig momentan, da kann ich mir das leisten. der umwelt zuliebe habe ich ein altes tshirt über den "auspuff" auf dem dach gelegt, das wandelt das co2 wieder in C und O2 um. Fakt!

  • Käser am 15.12.2016 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Geld verheizen

    Zwischen 20-30Grad braucht jedes Grad mehr Wärme im Schnitt 6-8% mehr Energie. Das heisst bei 24 Grad brauchen wir 24-32% mehr Energie und Heizkosten!

  • WaleLi am 15.12.2016 08:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    24 bis 25 Grad Celsius

    Für mich sind 24-25 Grad Celsius ideal, so kann ich das Leben im Winter in sommerlicher Kleidung genießen.