Leser-Reaktionen

07. Mai 2019 15:06; Akt: 07.05.2019 15:21 Print

«Eine Hoffnung ist die nachrückende Generation»

Hunderte Leser haben das Artensterben kommentiert. Neben der Überbevölkerung gaben auch die Interessen von Politik und Wirtschaft zu reden.

Die wichtigsten Erkenntnisse des Weltbiodiversitätsrats. (Video: 20min)
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Eine Million von insgesamt schätzungsweise acht Millionen Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. Und das wird für die Menschheit Konsequenzen haben, wenn sich nichts ändert. Diese Nachricht bewegte gestern die Leser stark, wie Hunderte Kommentare zeigen. Doch was der erschreckende Bericht des Weltbiodiversitätsrats für jeden Einzelnen bedeutet, darüber gehen die Ansichten weit auseinander, wie diese Übersicht der Wortmeldungen zeigt.

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Der meistgelikte Kommentar kam von Pascal, der schrieb: «Solange die Multis mit ihrer Lobbyarbeit in der Politik so mächtig sind, wird sich leider gar nichts ändern.» Das sahen viele Leser aber ganz anders. So antwortete Peter: «Es beginnt bei dir. Nicht die Multis sind schuld, sondern jeder Einzelne.» Genauso sieht es auch D.T., der Pascal antwortete: «Da bin ich anderer Meinung. Genau die Menschen, die solche Aussagen machen, machen es den Lobbyisten erst möglich, so weiterzufahren.»

Andere Länder

Dass viele die Verantwortung lieber bei anderen suchen, zeigt auch Tinas Kommentar: «Bringt solche News besser mal in Ländern, die noch nicht so ein Bewusstsein dafür haben.» Längst nicht alle teilen diese Meinung. Der Löwe aus Winti schreibt mit viel Sarkasmus: «Jawohl. Immer die anderen. Denn wir sind einfach gut. In jeder Beziehung.» Konkreter wird Real-ist in seiner Antwort an Tina: «Reminder: Die Schweiz gehört zu den schlimmsten Umweltsündern der Welt! Wir sind aktuell auf Platz 4 direkt hinter den USA, wenn man die Pro-Kopf-Belastung anschaut!»

Nationless will davon nichts wissen: «Kein Grund zur Panik. Die Länder USA, China, Indien, Bangladesch, Taiwan, Brasilien und viele andere haben es als erste in der Hand. Die Schweiz hat meist alles schon getan, obwohl es noch Luft nach oben gibt.» Worauf ihn ein anderer Leser auf einen «Denkfehler» aufmerksam macht, indem er antwortet: «Nur sieht die Umweltbilanz in der Schweiz und Europa besser aus, weil wir sehr viele Produkte aus China, Bangladesch, Pakistan, Brasilien usw. konsumieren, die dort die Umwelt belasten. Wenn wir alle konsumierten Produkte in Europa herstellen würden, sähe unsere Ökobilanz katastrophal aus!»

Faktor Weltbevölkerung

Dutzende Leser, die sich zu Wort gemeldet haben, machen in erster Linie die Überbevölkerung für die Probleme verantwortlich: RS schreibt stellvertretend für viele: «Das Artensterben hört erst auf, wenn sich die Menschheit nicht mehr vermehrt und nicht immer mehr Platz und Nahrung benötigt. Das ist aber die nackte Tatsache, und das sollte endlich die Weltgemeinschaft in Angriff nehmen, bevor es zu spät ist.»

Ins gleiche Horn stösst Jakob und benennt auch konkret, wo seiner Meinung nach die Schuldigen sind: «Das Problem ist die Zunahme der Weltbevölkerung, vor allem in den afrikanischen Ländern.» Blahkob gibt wieder, was viele Leser unter diese Art von Kommentaren geschrieben haben: «Genau. Es sind immer die anderen, die sich ändern müssen.» Und Tom Meiet fragt: «Eine zehnköpfige afrikanische Familie hat einen kleineren ökologischen Fussabdruck als du hier in Europa. Wer ist denn jetzt das Problem?»

Bei sich selber anfangen

Während also viele Leser Missstände in anderen Gesellschaftsschichten oder anderen Weltgegenden anprangern, gibt es ebenso viele, die ein Handeln jedes Einzelnen fordern. R. B. schreibt: «Was nützen jetzt wieder alle diese Anschuldigungen gegen andere? Absolut nichts, denn jeder muss bei sich selbst anfangen, nur so kann man wirklich etwas bewirken!» Und Dreirad legt nach: «Solange der Konsument sich nicht ändert, ändert sich gar nichts. Wie oft bestellen Sie bei Zalando? Alibaba? Amazon? Essen Sie Nutella? Salzwasserfische? Meeresfrüchte? Es ist immer einfacher, die Schuld anderen zuzuweisen, als diese bei sich selber zu suchen.»

Philosophisch zeigt sich Diver: «Ich finde es in gewisser Weise falsch zu sagen, die Menschheit ist schuld und sich dann so dem Problem zu entziehen. Das Problem beginnt bei jedem Einzelnen. Wie Mahatma Gandhi einst sagte: ‹Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt›.»

Was kann ich tun?

Für all jene, die sich fragen, was sie denn persönlich gegen die Umweltzerstörung tun können, hat B. S. einige Ratschläge: «Jeder von uns kann etwas bewirken, mit dem eigenen Ressourcenverbrauch und Konsumverhalten. Einige Ideen: Gezielter einkaufen und Reste verwerten, saisonale und lokale Produkte essen, maximal auf 21 Grad Celsius heizen und richtig lüften, kurze Strecken zu Fuss oder mit Velo, lange Strecken nach Möglichkeit mit der Bahn, weniger Kleidung, dafür aber Qualität, zu klein gewordene Kinderkleidung weitergeben, usw.»

Auch 2020 schweben konkrete Massnahmen vor: «Es wäre schon ein riesengrosser Schritt in die richtige Richtung, wenn wir aufhören würden, die Konsumgüter über den gesamten Erdball zu transportieren, zu viele Lebensmittel wegzuwerfen, wenn unser Kleiderschrank halb so voll wäre und es viel, viel weniger Pendler gäbe.»

Jung gegen Alt

Bei der ganzen Debatte über die Umwelt zeichnet sich in den Kommentaren auch eine Kluft zwischen Alt und Jung ab. So schreibt Schweizer: «Ich bin froh, dass ich bereits 63 Jahre alt bin. Diesbezüglich geniesse ich noch mein Leben, bis ich in die Kiste steigen muss.» Bei jüngeren Lesern kommt diese Einstellung gar nicht gut an. 2019 antwortet: «Genau ein solches Denken ist der Grund für diese ‹Zukunft›. Es ist eben besonders tragisch, dass geschätzt die Hälfte der Menschen so denkt und handelt. Der Innerschweizer legt nach: «Natürlich können wir Schweizer die Welt nicht im Alleingang retten. Aber es wäre schon viel gewonnen, wenn wir wenigstens nicht noch so täten, als sei das kein Problem für die Generation unserer Kinder und Enkel.»

Dsim hofft schliesslich auf die «Generation Z», wie er seinen Kommentar betitelt. Er schreibt: «Eine Hoffnung für die Natur ist die nachrückende Generation, der Umwelt- und Klimaschutz noch wichtig ist. Ja, genau diese Schüler, die in den letzten Monaten mittels Demonstrationen einen Appell an die Politiker und Lobbyisten richteten. Manche dieser Jugendlichen werden künftig wichtige Ämter besetzen, und vorausgesetzt, sie behalten ihre Einstellung, wird sich frühestens dann etwas ändern. Doch unter Umständen wird es zu spät sein.»

(jcg)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • GG am 06.05.2019 21:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Ein Armutszeugnis... echt traurig und v.a. beschämend

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  • Alter Sack am 07.05.2019 00:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lauter geisteskranke Ideologen?

    In meiner Jugend waren wir noch 4.5 Mio. Jetzt sind es bald doppelt so viele. Woher die aktuellen Probleme betr. Ressourcen und Infrastruktur wollen kommen mögen? Ja, das Frage ich mich jeweils, wenn ich die brüderlichen Verteilungsvorschläge gewisser Kreise vernehme.

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  • Alain am 07.05.2019 00:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weniger Einwohner

    Ganz einfach. Die Bevölkerung wieder auf 4,5 Mio reduzieren!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • rosa jost am 18.05.2019 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fussabdruck

    ja ich bin auch der meinung das jeder bei sich anfangen soll, sein tun und lassen zu hinterfragen . es gibt viel möglichkeiten umweltbewusster zu werden . Mit weniger ist mehr .Sie wurden alle schon aufgezeigt. Wie viel mehr würde den Leuten auch ein freier Tag in der nahen Umgebung bringen . Sei es im Eald Flur und Bergen . Nicht immer ins Outo steigen und die Srassen verstopfen.

  • Klausi am 16.05.2019 21:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer

    ja stimmt der Schweizer stirbt aus.

  • Matthias Sturmheim am 11.05.2019 19:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Welt bevölkerung

    Überbevölkerung stopen Verhütungsmittel gratis anbieten und dies Weltweit Wer Kinder will sollte adoptieren statt eigenproduktion zu machen Und Geburtsrate verkleinern

  • Noemi am 11.05.2019 16:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    denken

    Hallo wir müssen Jetzt mal aufwachen und Sachen tun weniger Plastik benutzen oder solche Sachen wir müssen jetzt wirklich an die Welt denken und an das Klima.

  • PoiPoi am 11.05.2019 08:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    Dass ich nicht lache! Demonstrieren gehen ist ein Trend bei denen! Seid ihr wirklich so blauäugig und hofft darauf, dass diese Kids kein Smartphone nutzen? Regionale Produkte kaufen? Dafür sind Fjällräven und andere Marken viel zu beliebt. Unsere Gesellschaft wird auch eure Hoffnungsgeneration (setzen Chinesen, Amerikaner etc. auch dafür ein?!) verderben und das Unheil nimmt seinen Lauf.